Jana Reich (Hrsg.): Übersehene Kinder. Biografien erwachsener Töchter von Borderline-Müttern

  • ISBN/EAN: 978-3-94444-299-0
  • Umfang: ca. 556 S. mit 5 Abb. 
    Einband: Kartoniert
    Format: 22,0 x 15,5 cm
    Gewicht: 847 g
    Erscheinungsdatum: 14.08.2013

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Beschreibung

Zitat einer 63-jährigen Tochter: "Wenn das Buch auch nur einer einzigen Frau die Augen früher öffnet, als es bei mir der Fall war, - nicht erst am Todestag der Mutter -, ist es jeden Buchstaben wert."

32 erwachsene Töchter zwischen 19 und 62 Jahren beschreiben ihr Leben, das durch ihre Mütter, die an der Borderline-Persönlichkeitsstörung erkrankt sind, wesentlich geprägt wurde. Ein Tabu-Thema: Alle 32 Töchter erlebten psychische Gewalt, viele von ihnen auch körperliche Gewalt und manche von ihnen sogar sexuelle Gewalt durch ihre Mütter! Die Mütter sind an Borderline erkrankt, weil sie in ihrer eigenen Kindheit oder Jugend durch emotionale Vernachlässigung, körperliche, sexuelle und/oder psychische Gewalt, durch Verlusterfahrungen und/oder Krieg traumatisiert worden sind. Diese, von ihnen unbearbeiteten, Traumata haben Auswirkungen auf ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder und Enkelkinder.

In der Gesellschaft und in psychiatrisch-therapeutischen Kontexten gehören die Töchter und Söhne auch heute noch zu den "übersehenen" Kindern psychisch kranker Eltern(teile). Zugleich werden frauenfeindliche gesellschaftliche Strukturen und Mechanismen sowie ihre Auswirkungen auf die Biografien der Mütter und der Töchter deutlich.

Die Autorinnen hoffen, dass, ausgehend von den dargestellten Erfahrungen und den daraus gewonnenen Erkenntnissen, die transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungserfahrungen in jetzigen und zukünftigen Familien wenigstens abgemildert werden kann. Im Praxisteil stellt Psychologin Marianne Styger hierfür Ideen zur "Frühen Hilfe" für Borderline-Mütter und ihre Kinder vor.

In einer ausführlichen Einleitung wird die Trauma-Folgeerkrankung Borderline erklärt.
Buchteil I enthält die Biografien der Töchter, deren Mütter ab 1946 geboren sind, Buchteil II die Biografien der Töchter, deren Mütter bis 1945 geboren worden sind.
Im Praxisteil stellt Psychologin Marianne Styger Ideen zur "Frühen Hilfe" für Borderline-Mütter und ihre Kinder vor.

Leseprobe

Zitat aus der Einleitung:

"Übersehene Kinder" wollen vor allem eins: Nicht mehr länger als engste betroffene Angehörige von Müttern oder Vätern mit Borderline übersehen werden! Weder in ihren aktuellen Beziehungen zu Menschen, noch von der Fachwelt oder der Gesellschaft. Sie wollen sich wiederfinden in den gesellschaftlichen, fachlichen und feministischen Diskursen zu den Themen (gesellschaftliche) Macht- und Gewaltverhältnisse, Traumatisierung und ihre Folgen, Rolle der Mütter, Väter und Familien, Psychische Erkrankungen, inklusive der Bereiche psychiatrische Praxis, Prävention, Therapie und Opferentschädigung. Sie wollen, dass über die Folgen von psychischer, physischer und sexueller Gewalt und ihren (Traumatisierungs)Folgen mehr Aufklärung erfolgt sowie Bewusstsein und Wissen in der Gesellschaft, bei den Betroffenen, aber auch in therapeutischen und juristischen Zusammenhängen, entsteht. Sie wollen in ihren eigenen Therapien erfahren, wie die psychische Erkrankung ihrer Mutter heißt. "Familiengeheimnisse" gab es in ihren Familien genug. Sie stellten sich als destruktiv heraus.

Erwachsene Kinder von Borderline-Müttern suchen nach Trost, nach Erklärungen, nach Verständnis, nach anderen Frauen und Männern, die Ähnliches erlebt haben. Eine betroffene Frau brachte es auf den Punkt: "Als Tochter einer Borderline-Mutter bin ich auf der Suche nach Informationen, Ermutigungen und dem Gefühl, nicht alleine zu sein mit diesem Problem. (...) Ich habe über ein halbes Jahrhundert gebraucht, bis ich dem Verhalten meiner Mutter endlich einen Namen geben konnte. Wäre das, was ich, wie viele andere Kinder von Borderline-Müttern, erlebt habe, früher thematisiert worden, wären uns vielleicht Jahrzehnte der verzweifelten Verwirrung erspart geblieben."

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