Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen

  • ISBN/EAN: 978-3-8135-0370-8
  • Umfang: 352 S.
    Einband: Gebunden
    Format (T/L/B): 3.2 x 22 x 14.4 cm
    Gewicht: 564 g
    Erscheinungsdatum: 31.08.2015

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Beschreibung

Entdeckungsreise zu einer Welt, die zum Schweigen verurteilt, aber mitten unter uns ist

Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

Rezensionen

Rezension von Clarissa Lempp auf Aviva-Berlin:

In Jenny Erpenbecks Roman taucht ein emeritierter Professor in die Flüchtlingsbewegung um den Berliner Oranienplatz ein. Ein aktuelles Thema, das für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert wurde.

Der Altphilologe Richard ist verwitwet und im Ruhestand. Er lebt an einem Ostberliner See, in dem in diesem Sommer niemand schwimmen mag. Ein Mann ist ertrunken und sein Körper wurde noch nicht gefunden. Aber diese Begebenheit ist nur ein Bild für das eigentliche Thema in Erpenbecks Roman "Gehen, ging, gegangen". Denn Richard, der nach Ablenkung sucht, nutzt seine Zeit und informiert sich über die Flüchtlinge, die in seiner Stadt vor dem Roten Rathaus und am Oranienplatz aufgetaucht sind. Die dort hungern und schweigen. Durch seine Recherchen landet Richard mitten in der Refugee-Bewegung. Er wird Teil der "Willkommenskultur", gibt Deutschunterricht und lädt Geflüchtete zu sich nach Hause ein.

Richard geht die Sache zunächst aus einer empirischen Perspektive an. Mit einem Fragekatalog interviewt er junge Männer in den Flüchtlingslagern Berlins. Statt einfachen Antworten erhält er Erzählungen, ergreifende Lebensgeschichten, die neue Fragen aufwerfen. Er kämpft sich durch die "Dublin II" Verordnung, die die Zuständigkeit europäischer Länder bei Asylverfahren regelt, sucht Anwälte auf und macht Amtsbegleitungen. Die geflüchteten Männer haben aber auch Fragen an Richard, über sein Leben, seine Entscheidungen und über die Geschichte seines Landes. Daraus entspinnt Jenny Erpenbeck manchmal nahezu komische Dialoge und Szenen, die aus der Spannung zwischen Unverständnis und Verstehen-Wollen des Gegenübers schöpft.

» weiterlesen auf AVIVA-Berlin.de


Rezension auf weiberdiwan.at:

Einmal mehr beweist Jenny Erpenbeck in ihrem aktuellen Roman, dass Menschen durch zeitliche Ereignisse veränderungswillig sind, und dass dabei Zufälle eine große Rolle spielen. Als afrikanische Asylwerber am Oranienplatz in Berlin einen Hungerstreik machen, wecken sie das Interesse eines Passanten, es ist der verwitwete emeritierte Altphilologe Richard. Er nimmt Kontakt zu den Flüchtlingen auf und versucht mehr über sie zu erfahren, indem er sie einzeln nach ihren Fluchtgründen befragt. Er besucht sie in ihren Unterkünften, lernt ihre kulturellen Gewohnheiten kennen, es entwickelt sich ein gegenseitiges Vertrauen. Namenlose Flüchtlinge erhalten Stimmen, sie schildern ihre vorherige durch Kriegswirrnisse nicht mehr lebbare Vergangenheit, sie schildern ihre dramatischen Fluchterfahrungen und ihre Ängste vor der Zukunft. Richard begleitet sie auf Behördenwegen, lädt sie in sein Haus ein ... Er ist sich seiner eigenen Privilegiertheit bewusst, denn ?er gehört zu den wenigen Menschen auf der Welt, die sich die Wirklichkeit, in der sie mitspielen wollen, aussuchen können?. Dass sich trotz des Ungleichgewichts Empathie entfaltet, ist eine Stärke des Buches, denn Richard ist bereit dazu, sein Leben beeinflussen zu lassen. Ein aufrüttelnder politischer Roman, der genau zur richtigen Zeit erscheint, und eine Signalwirkung für mehr Menschlichkeit hat. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die noch immer nicht verstehen wollen, dass Flucht zu tiefst unfreiwillig passiert und Solidarität unbedingt notwendig ist.

» zur Rezension auf weiberdiwan.at


Rezension von Stephanie Bremerich auf kritisch-lesen:

Erschüttert, aber berührt nicht wirklich: Jenny Erpenbecks Roman zur Flüchtlingskrise.

Eine Metapher, die manchmal genutzt wird, wenn es um die Relevanz und gesellschaftliche Funktion von Literatur geht, ist die des Seismographen. Ähnlich wie das technische Messgerät, das vor allem in Erdbebenregionen eingesetzt wird - so der Gedanke dahinter - vermag auch die Literatur, feinste Erschütterungen wahrzunehmen und aufzuzeichnen, lange bevor es kracht.

Seismographisches Gespür muss man auch Jenny Erpenbecks neuem Roman attestieren. Publiziert im August 2015, als sich die mediale Berichterstattung zur europäischen Flüchtlingskrise gerade überschlägt, gibt "Gehen, ging, gegangen" einen detaillierten Eindruck vom Leben einiger Afrikaner, die vor Krieg und Terror nach Deutschland geflüchtet sind . und sich dort keineswegs auf der sicheren Seite befinden.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Richard, einem alternden Berliner Professor, der gerade in den Ruhestand gegangen ist. Auf dem Oranienplatz sind zehn junge Männer vor dem roten Rathaus in einen Hungerstreik getreten. Raschid, Ithemba, Rufu, Osarobo, Ali, Yussuf und Karon kommen aus Niger, Ghana, dem Tschad und Libyen, sind über das Mittelmeer nach Italien und von dort nach Deutschland gekommen und in Berlin seit Jahren zum Warten verurteilt. Sie protestieren, weil sie bleiben wollen, weil sie arbeiten wollen, vor allem aber, weil sie sichtbar werden wollen: "We become visible" (S. 27), ist auf einem ihrer Schilder zu lesen.

» weiterlesen auf kritisch-lesen.de

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