Adriana Altaras: Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus

Artikelnummer: 978-3-462-04709-7

In 'Titos Brille', von den Lesern geliebt und von der Presse gefeiert, hat sich die Autorin der Geschichte ihrer Vorfahren gewidmet. Mitreißend, witzig und herrlich turbulent erzählt sie nun mitten aus dem jüdischen Leben heute in Deutschland.

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David ist nicht nur hochintelligent, sondern auch hochpubertär. Der Einzige, auf den er hört, ist sein Patenonkel Aron. Mit diesem ist Adriana Altaras seit ihrer Jugend befreundet. Sie überlegten damals, gemeinsam auszuwandern nach Israel, das für sie ähnlich verlockend war wie für die Surfer Hawaii. Doch sie blieben und nutzen das schlechte Gewissen der Deutschen, um umsonst Bahn zu fahren oder schulfrei zu bekommen. Als Aron stirbt, spitzt sich der Generationenkonflikt in der Familie Altaras zu. David hält nichts mehr in Berlin, er verabschiedet sich kurzerhand ins Gelobte Land, und die Mutter reist hinterher - auf der Suche nach dem verlorenen Sohn zwischen Klagemauer, See Genezareth und Kibbuz.

In 'Titos Brille', von den Lesern geliebt und von der Presse gefeiert, hat sich die Autorin der Geschichte ihrer Vorfahren gewidmet. Mitreißend, witzig und herrlich turbulent erzählt sie nun mitten aus dem jüdischen Leben heute in Deutschland. Vom jüngeren Sohn, der lieber 'Germany's Next Topmodel' sähe, als zuzuschauen, wie sich seine Mutter in Talkshows über die 'schönen Schmocks' ihrer Söhne äußert. Vom älteren, der die Pubertät in vollen Zügen auskostet, aber an Jom Kippur fastet wie ein Großer. Von Identitätskonflikten, die sich an einer rissigen Salatschüssel entzünden. Von Auslandseinsätzen der besonderen Art, von Jugend damals und heute.


Autor*in / Hrsg.: Adriana Altaras
Biografien von/über: Schauspielerinnen Schriftstellerinnen
Zeitepoche: 20. und 21. Jh.
weitere Themen: jüdische Frauen
Weitere Informationen: Umfang: 260 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.5 x 20.8 x 13.6 cm
Gewicht: 397 g
Erscheinungsdatum: 06.11.2014

~ LESEPROBE ~

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Rezension bei Weiberdiwan:

Schon in ihrem ersten Roman Titos Brille bewies Adriana Altaras messerscharfe Feder. Auch in Doitscha lebt sie mit zwei Söhnen, David und Sammy, und ihrem Mann Georg, dessen Mutter beim BDM war, in Berlin. In Episoden übernehmen neben Altaras auch ihre Familie, die Therapeutin u.a. wichtige Personen in ihrem Umfeld die Erzählperspektive. "Ich bin kein Freund von verordneter Trauer. Punktgenau. Zeitgebunden. Handlich.", sagt Altaras bei der Gedenkfeier des Zentralrats der Juden am 9.11.2011. Altaras ist auch keine Freundin anderer Verordnungen. Das macht alles etwas chaotisch, sehr charmant und außerordentlich witzig. Auch wenn der eine oder andere Witz, das eine oder andere Stereotyp vielleicht zu viel ist, so gibt dieser Roman Einblicke in Leben, die direkt berühren, jedoch kaum wahrgenommen werden (wollen).

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Rezension von Claire Horst auf AVIVA-Berlin:

Ihrer Herkunftsfamilie hatte die Berliner Autorin Adriana Altaras ihren ersten Roman, "Titos Brille", gewidmet. Einige der skurrilen Charaktere daraus tauchen auch in ihrem neuen Buch wieder auf.

Weniger als ihre Eltern und deren abenteuerliche Lebensgeschichte stehen aber diesmal Altaras' Kinder und ihr Mann im Mittelpunkt - allerdings maßlos überzeichnet und mehr als Konglomerat aus verschiedenen Personen denn als ihre wirkliche Familie. Die Autorin wäre eine andere, wenn sie nicht tief in die Phantasiekiste gegriffen hätte, um ihre drei Liebsten zu schildern. David, Sammy und Georg sind also überzogene Figuren, deren Erlebnisse und Äußerungen sich aus den Erzählungen verschiedener Freundinnen und Freunde von Altaras zusammensetzen. Zum Glück für die realen Söhne - denn wer möchte schon die eigenen hormonellen Ausbrüche mit völlig Unbekannten teilen?

Altaras´ unverwechselbare Erzählweise vermischt wie gewohnt Trauriges und Komisches zu einem lebensechten Wirrwarr. So verzweifelt die Roman-Adriana auf der einen Seite an dem Vorhaben ihres Sohnes, ins israelische Militär einzutreten, und reißt eine Seite weiter Westfalenwitze, um ihren schweigsamen Ehemann Georg aus der Reserve zu locken. Sowieso hat es der Ehemann nicht leicht. Sein älterer Sohn David spricht ihn nur mit "Doitscha" an und hat damit zwar dem Roman einen Titel gegeben, Georg aber auf ewig in die Rolle des Außenseiters der Familie geschoben - in die des "Deutschen" eben. Wer mit pubertierenden Jugendlichen zusammenlebt, kennt den Ton: "Hey Doitscha! Komm mal runter, du Doitscha! Doitscha, entspann dich!"

Manchmal sind es die zufälligen Bekanntschaften, die das größte Verständnis für die eigenen Unzulänglichkeiten aufbringen. Diese Funktion hat hier Emre: Er versteht die familiären Schwierigkeiten Adrians und hat auch gleich die passende Erklärung zu bieten: Emre ist Polizist und kennt sich mit "jemischten Haushalten" aus. Deswegen bringt ihn auch der Anlass seines nächtlichen Besuchs bei den Altaras' nicht aus der Fassung. Wenn NachbarInnen wegen Ruhestörung die Polizei rufen, wenn es aussieht, als würden sich Vater und Sohn prügeln, ist das kein Grund zur Aufregung. Und als er noch ein signiertes Buch erhält, ist Adriana sich seiner Zuneigung sicher.

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