Andrea Günter: Konzepte der Ethik - Konzepte der Geschlechterverhältnisse

Artikelnummer: 978-3-7092-0116-9

Ethikkonzepte sind geschlechterstereotyp kodiert. Daher müssen Geschlechterkonzepte und Ethikkonzepte in ein Verhältnis gesetzt und miteinander in Bewegung gebracht werden.

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Ethikkonzepte sind geschlechterstereotyp kodiert. Daher müssen Geschlechterkonzepte und Ethikkonzepte in ein Verhältnis gesetzt und miteinander in Bewegung gebracht werden. Als zentrale ethische Größe für diese Rekonstruktion bietet sich "Gerechtigkeit" an, in deren Fokus menschliche Pluralität als Movens des Ethischen greifbar wird - "menschliche Natur" als ethisches Differential.

Auch das Herausbilden von Gleichheit und Differenz muss unter das Regime der Gerechtigkeit gestellt werden. Sie finden ihr Maß in der Gerechtigkeit als besonderer Erkenntnisleistung und spezifischer menschlicher Bindungspraxis. Die menschliche Leidenschaft für Gerechtigkeit bewegt derart die (Geschlechter-)Verhältnisse. In der Folge kann das Ethische als eigene Kraft und Kausalität im menschlichen Leben ernst genommen werden. Derart profiliert, kann die Anthropologie und Epistemologie des Ethischen für Geschlechterverhältnisse beansprucht werden.

Autor*in / Hrsg.: Andrea Günter
Weitere Informationen: Passagen Philosophie
Umfang: 200 S.
Einband: Kartoniert
Gewicht: 380 g
Erscheinungsdatum: 15.03.2014

Pluralität und Gerechtigkeit - Andrea Günter über ihr neues Buch:

Im Interview erläutert Andrea Günter Schlüsselbegriffe ihres im Frühjahr im Passagen Verlag erschienenen Buches Konzepte der Ethik - Konzepte der Geschlechtergerechtigkeit und bringt u. a. mit Bezug auf Platon und Derrida ihre zentralen Thesen auf den Punkt. Das Interview führte Boris Kränzel.

Im Frühjahr ist Ihr Buch Konzepte der Ethik - Konzepte der Geschlechterverhältnisse im Passagen Verlag erschienen. Darin nehmen Sie - der Titel lässt es bereits anklingen - einen Abgleich traditioneller Ethikkonzepte mit Ansätzen zur Geschlechterproblematik vor. Worin besteht hierbei Ihre Ausgangsüberlegung und welche Thesen stehen im Mittelpunkt?

Der Impuls zu dieser Perspektive entspringt meiner Auseinandersetzung mit Platons Politeia und Aristoteles Politik. In den beiden Ansätzen wird die Geschlechterfrage entgegengesetzt behandelt. Während Aristoteles einen Geschlechterdualismus etabliert, um die Hierarchisierung von Lebensbereichen und menschlichen Gruppen zusammen mit Vernünftigkeit und Tugendhaftigkeit zu legitimieren, entwickelt Platon ein an Gerechtigkeit orientiertes Geschlechterverhältnis - Frauen können genauso gut einen Staat führen etc. wie Männer. Da solche Vorstellungen etablierte Geschlechterbilder irritieren, sind sie mit der Herausforderung konfrontiert, Möglichkeiten zu entwickeln, wie gerechtere Einsichten in Kontexte hineingewirkt werden können. Mein Buch verfolgt vor diesem Hintergrund zwei Denkrichtungen: zum einen anhand der aristotelischen Geschlechtermetaphysik die Metaphysik des ethisch Objektiven zu rekonstruieren und zum anderen Platons Gerechtigkeitskonzept hervorzuheben und es in seiner Komplexität und Veränderungsperspektive für Geschlechterfragen fruchtbar zu machen.

2010 erschien im Passagen Verlag Ihr Buch Platons Politeia. Auch in Ihrem neuen Buch setzen Sie sich also mit Platon auseinander und stellen ihn überraschenderweise als Theoretiker der Geschlechtergerechtigkeit vor. Welche Anknüpfungspunkte bietet Platons Gerechtigkeitskonzept für die Geschlechterthematik und an welchen Stellen bedarf es einer Revision?

Hierfür gibt es mehrere Anknüpfungspunkte. Einmal Platons eigene Hervorhebung, dass das, was er über eine gerechte Konzeption der Geschlechterverhältnisse sagt, unglaublich ist und zu weiterem Unglaublichem führt. Das führt sogar soweit, dass eine eigene Erkenntnistheorie des Gerechten herausgeschält werden muss. Platon setzt hierzu mit einer systematischen Dekonstruktion von "Natur"-Argumentationen an, Simone de Beauvoir hat diese übrigens beinahe eins zu eins von ihm übernommen. Die Verbindung zum Paradigma Gerechtigkeit ist dadurch gegeben, dass Gerechtigkeit für Platon die Kulturleistung ist, durch die (vermeintlich natürliche) Stärke-Schwäche-Ungleichheiten zwischen Menschen überwunden werden. Und der Stärke-Schwäche-Dualismus scheint auch schon zu seiner Zeit mit den Geschlechtern verbunden worden zu sein, denn Platon kommt in diesem Argumentationsschritt unmittelbar auf die Geschlechterbilder zu sprechen. So bietet Platons Gerechtigkeitskonzept die Möglichkeit, eine solche Zuschreibung als Ideologie zu entlarven, entsprechende Verhältnisse aufgrund des menschlichen Begehrens nach Gerechtigkeit zu dezentrieren und auf diese Weise zu gerechteren Vorstellungen zu kommen. Mein Fokus liegt also nicht auf einer Revision von Platons Konzept. Vielmehr nutze ich einige Aspekte, um konkrete ethische Fragestellungen durchzuarbeiten. Zum Beispiel bietet Platon eine Methodologie, die eine Minimalethik zu Frauenbildern zu entwickeln erlaubt. Sein Ansatz beschränkt sich nämlich nicht auf die Kritik von Bilderinhalten, sondern lässt den Zusammenhang von unterschiedlichen Verfassungen der Rezeption und dem jeweiligen Repräsentanzanspruch bewerten. Dies lässt sich gut mit Erkenntnissen der Frauenbilderkritik verknüpfen.

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