Andrea Trumann: Kritik des Staatsfeminismus

Artikelnummer: 978-3-86505-724-2

Andrea Trumann zieht in ihrem Buch kritisch Bilanz: Was ist nach vierzig Jahren Frauenbewegung aus ihren Forderungen und Visionen geworden? Und welche Rolle spielt die Frauen-, Arbeits- und Familienpolitik im Kapitalismus der Gegenwart?

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Keine Verwaltung und kein Unternehmen kommt noch ohne 'Gender-Training' aus, in Stellenausschreibungen werden Frauen oftmals 'bei gleicher Qualifikation bevorzugt', und die Forderung nach Frauenquoten hat selbst die CDU erreicht. Durch garantierte Kitaplätze und Elterngeld soll zudem die 'Vereinbarkeit von Beruf und Familie' erleichtert werden. Gleichstellungspolitik erscheint als zentrales Anliegen staatlicher Politik; und unter dem Label 'Diversity Management' setzen Unternehmen zunehmend auf besondere 'weibliche Kompetenzen'. 'Gender Mainstreaming' soweit das Auge reicht.

Während 'Alphamädchen' und 'Powerfrauen' ihre Karrieren vorantreiben, gerät die dunkle Seite dieser 'Emanzipation' aus dem Blick: Von der neoliberalen Umverteilungs- und Verarmungspolitik sind vor allem Frauen betroffen, wenn etwa das Elterngeld faktisch nicht an Hartz-IV-Empfänger_innen (oftmals alleinerziehende Mütter) gezahlt wird. Der in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch ausgeweitete Niedriglohnsektor ist vor allem weiblich, und unbezahlte oder schlecht entlohnte Sorge- und Pflegearbeit wird weiterhin meist von Frauen getragen. Trotz aller Bereitschaft zur 'Selbstoptimierung' scheint der Weg in die Altersarmut für viele Frauen also vorgezeichnet - erst recht seit der Neuregelung des Unterhaltsrechts 2008.

Andrea Trumann zieht in ihrem Buch kritisch Bilanz: Was ist nach vierzig Jahren Frauenbewegung aus ihren Forderungen und Visionen geworden? Und welche Rolle spielt die Frauen-, Arbeits- und Familienpolitik im Kapitalismus der Gegenwart?


Autor*in / Hrsg.: Andrea Trumann
Feminismus: Antikapitalistischer Feminismus
Wissenschaft: Gender Mainstreaming
politische Themen: Kapitalismuskritik
Weitere Informationen: Sexual Politics 6
Umfang: 120 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 0.7 x 14.8 x 10.6 cm
Gewicht: 91 g
Erscheinungsdatum: 20.06.2015

Rezension auf dem Blog von Antje Schrupp:

Staatsfeminismus und Care Revolution

Betreuungsgeld und Ehegattensplitting sind schlecht, Quotenregelungen und betriebliche "Vereinbarkeitsmaßnahmen" sind gut?

Eine klare Gegenposition zu solchen gängigen Ansichten vieler Feministinnen (und auch anderer) nehmen Lilly Lent und Andrea Truman in ihrem Essay "Kritik des Staatsfeminismus" vor.

Das kleine Büchlein liest sich wohltuend konkret. Seine Grundthese lautet: Solche als Feminismus ausgegebenen Maßnahmen dienen letztlich dazu, die Ausbeutung der Arbeitskraft - und neuerdings eben auch die von Frauen - im Interesse "des Kapitalismus" besser zu organisieren. Feministisch sei da dran gar nichts.

In vielem stimme ich zu, ich habe ja selbst schon zu Elterngeld, Ehegattensplitting, Kita-Politik und so weiter gebloggt und bin dabei zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Ich empfehle jedenfalls allen, die sich mit solchen Themen beschäftigen, das Büchlein zu lesen und sich mit den dort angeführten Argumenten auseinander zu setzen.

Das heißt natürlich nicht, dass man mit allem einverstanden sein muss. Ich finde zum Beispiel den engen marxistischen Interpretations- und Analyserahmen schwierig. Vieles von dem, was heute unter "Care-Arbeit" läuft, lässt sich meiner Ansicht nach nicht wirklich in der Logik von "Reproduktion" verstehen. Sicher, die Lebensverhältnisse sind wesentlich vom Kapitalismus geprägt. Aber es gibt meiner Meinung nach in all dem noch mehr als Kapitalismus, andere Ressourcen, andere Paradigmen, die ebenfalls "heute schon" wirksam sind.

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