Angelika Klüssendorf: April

Artikelnummer: 978-3-462-04614-4

Die Kindheit ist vorüber, aber erlöst ist das Mädchen deshalb noch lange nicht. Nach ihrem hochgelobten Roman "Das Mädchen" schreibt Angelika Klüssendorf die Geschichte ihrer jungen Heldin fort.

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Die Kindheit ist vorüber, aber erlöst ist das Mädchen deshalb noch lange nicht. Nach ihrem hochgelobten Roman "Das Mädchen" schreibt Angelika Klüssendorf die Geschichte ihrer jungen Heldin fort. Ihr Weg führt aus einer Jugend ohne Jugend in ein eigenes Leben das den Umständen abgetrotzt werden muss.

Am Anfang stehen ein Koffer mit ihren spärlichen Habseligkeiten und ein Zimmer zur Untermiete. Das Mädchen, das sich mittlerweile April nennt nach dem Song von Deep Purple, hat die Zeit im Heim hinter sich, die Ausbildung abgebrochen und eine Arbeit als Bürohilfskraft zugewiesen bekommen. Zwischen alten Freunden und neuen Bekannten versucht sie sich im Leipzig der späten 70er-Jahre zurechtzufinden, stößt dabei oft an ihre eigenen Grenzen und überschreitet lustvoll alle, die ihr gesetzt werden, am Ende mit ihrer Ausreise auch die zwischen den beiden Deutschlands. Aber jedem Ausbruch folgt ein Rückfall, jedem Glücksmoment eine Zerstörung, jedem Rausch die Ernüchterung. Und immer ist da die Frage nach den Kindheitsmustern, der Prägung durch die verantwortungslose Mutter und den alkoholkranken Vater.

Angelika Klüssendorf ist ein weiteres Meisterwerk gelungen. Ohne Pathos, nüchtern und souverän erzählt sie von einem Weg aus der scheinbar ausweglosen Vergangenheit mit psychologischem Feingefühl und klarem Blick für die gesellschaftlichen Zustände. Es entsteht ein Doppeltes: ein erschütternder Adoleszenzroman und ein nüchternes Porträt der sozialen Zustände im untergegangenen real existierenden Sozialismus und im West-Berlin der frühen 80er-Jahre.


Autor*in / Hrsg.: Angelika Klüssendorf
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Weitere Informationen: Umfang: 218 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.3 x 21 x 13.4 cm
Gewicht: 338 g 
Erscheinungsdatum: 13.02.2014

~ LESEPROBE ~

Rezension von Christina Mohr auf AVIVA-Berlin:

Vor zwei Jahren veröffentlichte Angelika Klüssendorf den so beklemmenden wie beeindruckenden Roman "Das Mädchen" - nun ist mit "April" die Fortsetzung erschienen, die eigentlich keine Fortsetzung ist, denn "April" kann im wahrsten Sinne des Wortes für sich alleine stehen.

"Das Mädchen" ist ein starkes, unbedingt lesenswertes Buch, als vorbereitende Lektüre aber nicht nötig, denn frau begreift sehr rasch die Lebensumstände der 18-jährigen, die sich ihren Namen nach einem Song von Deep Purple selbst gegeben hat.
April hat sich also "neu erfunden", wobei Autorin Klüssendorf eine so abgeschmackte Phrase nicht verwendet. Ohne Umschweife führt sie direkt ins Geschehen ein: Das junge Mädchen April bezieht ein Zimmer zur Untermiete bei einer skurrilen alten Frau. Das Zimmer wurde ihr von der Jugendhilfe zugewiesen, ebenso die Stelle als Bürohilfskraft. April war im Heim, hat ihre Ausbildung abgebrochen und damit wenig Auswahlmöglichkeiten. Es sind die späten 1970er Jahre in Leipzig, DDR.

Das einstige Mädchen zehrt von Erinnerungen an die alten FreundInnen aus dem Heim, die nicht in ihr neues Leben in der Stadt passen, neue Bekanntschaften nimmt April ohne große Erwartungen hin. Vor dem Hintergrund des real existierenden Sozialismus und der Verlockungen des Westens - Ausreiseanträge werden in großer Zahl gestellt - hat die Leserin teil an Aprils Leben, das von Klüssendorf nicht romanhaft durchdramatisiert wird. Geschehnisse werden lapidar geschildert, haben mal keine, mal starke Auswirkungen. Klüssendorf konstruiert keinen Spannungsbogen, sondern zeigt Momentaufnahmen, die sich zu einem Bild zusammenfügen.

Aprils familiärer Leidensweg - der Vater Trinker, die Mutter Sadistin - haben sie schlau und gleichgültig zugleich gemacht. Sie versucht, zurecht zu kommen, zu funktionieren und nimmt sich doch das Recht heraus, zu tun was sie will. April lebt in der Nacht und dämmert am Tage, macht Männerbekanntschaften, die zu verbissenen Kämpfen in ihrem Bett führen: sie ist neugierig und verängstigt zugleich, sucht Liebe und will nicht klein beigeben, wenn ein Mann sie als verführt glaubt.

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