Anne Siegel: NordBräute

Artikelnummer: 978-3-944251-21-9

Der Erstlingsroman NordBräute von Anne Siegel ist eine Liebeserklärung, sowohl an Island als auch an die bewundernswerte Urkraft eines Lebens unter widrigen Umständen.

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Der Erstlingsroman NordBräute von Anne Siegel ist eine Liebeserklärung, sowohl an Island als auch an die bewundernswerte Urkraft eines Lebens unter widrigen Umständen.

Kriegsjahr 1944: »Dein Herz schlägt für immer in mir ?« flüstert die junge Krankenschwester Christa am Kieler Hafen ihrem Liebsten Georg ins Ohr. Der dramatische Moment des Abschieds ist gekommen. Der junge Marineoffizier bricht mit dem U-Boot nach Island auf und lässt Christa in einem Deutschland des Grauens zurück. Fünf Jahre später, als der Krieg längst verloren und der Körper ihres Liebsten auf dem Grund des Eismeeres liegt, spürt Christa ihren Georg auf der Überfahrt nach Reykjavik erneut an ihrer Seite. Wird sie endgültig verrückt? Nur Hedwig und Johanna, ebenfalls seelisch verletzte junge Frauen, die nach Island auswandern, kennen Christas Geheimnis: Sie liebt einen Geist. Nach den ersten harten Arbeitsjahren auf Island heiraten die drei Freundinnen Isländer und finden eine neue Heimat. Sie versuchen die vergangenen Schrecken des Krieges zu vergessen und oft gelingt es ihnen, denn ihre neue Heimat birgt viele Überraschungen. Erst an Christas neunzigstem Geburtstag, der in der isländischen Hauptstadt groß gefeiert werden soll, offenbart die alte Dame ihrem Enkel Jón, dass sie einen Geist liebt. Ihr Marineoffizier Georg sei immer noch bei ihr, jeden Tag und jede Nacht. Diese Offenbarung stürzt die isländische Familie in ein ungeahntes Gefühlschaos...


Autor*in / Hrsg.: Anne Siegel
Belletristik: historischer Roman
Details: Umfang: 304 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.7 x 21.5 x 13.5 cm
Gewicht: 399 g
Erscheinungsdatum: 12.03.2015

~ LESEPROBE ~

Rezension von Britta Leudolph auf AVIVA-Berlin:

Die Journalistin, Dokumentarfilmerin, Hörspiel- und Drehbuchautorin portraitiert sechs Frauen, die sich wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg nach Island aufmachen und dort eine neue Heimat finden.

Im Frühjahr 1949 sind die Zerstörungen des Krieges auch in Norddeutschland noch allgegenwärtig. Für viele junge Frauen ist die Situation beklemmend: Sie haben in den Kriegs-und Nachkriegsjahren in vormaligen Männerberufen gearbeitet, nun sollen sie sich wieder in das konventionelle Frauenbild fügen und sich unterordnen. Ein Großteil der jungen Männer ist im Krieg ums Leben gekommen oder befindet sich in Kriegsgefangenschaft.

Ganz anders ist die Situation in Island. Das Land hat das erste Mal in seiner Geschichte Autonomie erlangt. Durch finanzielle Unterstützung im Rahmen des Marshall-Plans blühen die Fischindustrie und die Landwirtschaft auf. Und es fehlen Frauen, denn viele junge Isländerinnen haben während der Besatzung durch Großbritannien und die USA Briten oder Amerikaner geheiratet und die Insel verlassen oder sind in die Städte gezogen. In Anbetracht des Arbeitskräftemangels auf dem Lande erarbeitet die isländische Bauernpartei den Plan, junge Frauen und Männer aus Schleswig-Holstein für die Arbeit in Island zu gewinnen.

Anne Siegel portraitiert sechs Frauen, Hildur, Úrsúla, Anita, Alma, Hildegard und María, die sich mit dem Schiff auf den Weg in ein neues Leben auf Island begeben. Dort treffen sich nicht nur auf eine wilde, unberührte Landschaft, sondern auch auf eine Gesellschaft, in der die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern traditionell verankert ist.

Die Erzählungen der Einwanderinnen sind sehr unterschiedlich und geben einen Einblick in die Erlebnisse dieser Generation. So war Hildur vor ihrer Emigration Feuerwehrfrau und Kaufmannsgehilfin in Lübeck, Anita war auf eigene Faust aus dem sowjetisch besetzten Bitterfeld geflohen. Alma, die Kapitänstochter, plant eigentlich nur einen einjährigen Aufenthalt in Island, um zu Hause die Gemüter darüber zu beruhigen, dass sie sich ausgerechnet in einen Katholiken verliebt hat. "Alma ist zwar erst siebzehn, aber sie weiß, was sie will, vor allem aber, was sie nicht will. Beeindruckt von so viel Willensstärke, erlauben ihr die Eltern das Jahr auf Island."

Alle fünf Frauen werden in Island bleiben und das Land nicht nur um schöne Vorgärten und Rezepte bereichern. Sie werden isländische Männer heiraten und Familien gründen und ihre neue, wilde Heimat lieben.

AVIVA-Tipp: "Frauen, Fische, Fjorde" ist eine interessante Sammlung von Lebensgeschichten isländischer Einwanderinnen aus Deutschland. Sie gewährt einerseits Einblicke in die Situation junger Frauen in Nachkriegsdeutschland, die mit vielerlei Entbehrungen und auch Traumata zu kämpfen haben. Andererseits erfährt die Leserin viel über das harte Landleben im Island der 1950er und 60er Jahre und die Vorzüge der isländischen Gesellschaft.

» AVIVA-Berlin am 20.02.2013

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