Anonyma: Ganz oben: Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft

Artikelnummer: 978-3-406-64498-6

In diesem Buch berichtet eine weibliche Führungskraft von ihrem Arbeitsalltag in einer männlich geprägten Umgebung - warum ihrer Sekretärin ein männlicher Chef entschieden lieber wäre, welche Kriterien bei der Neubesetzung einer Führungsposition gelten...

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Von den 833 Vorstandssitzen in den 200 größten deutschen Unternehmen sind nur 21 von Frauen besetzt. Angeblich gibt es nicht genug qualifizierte Kandidatinnen für eine solche Führungsposition. Oder hat die Abwesenheit von Frauen im Topmanagement doch andere Gründe?

In diesem Buch berichtet eine weibliche Führungskraft von ihrem Arbeitsalltag in einer männlich geprägten Umgebung - warum ihrer Sekretärin ein männlicher Chef entschieden lieber wäre, welche Kriterien bei der Neubesetzung einer Führungsposition gelten, wie unterschiedlich Frauen und Männer Verhandlungstiefpunkte überwinden und wie man sich als Frau vergnügt, wenn es die Kollegen nach der Führungskräftetagung ins Rotlichtviertel zieht. Präzise und (selbst)ironisch zeigt das Buch auf, wo die Probleme liegen, die es Frauen in Deutschland so schwer machen, bis in die Führungsetagen vorzudringen. Es bietet einen einzigartigen, aus eigenen Erfahrungen gewonnenen Einblick in das Sozialverhalten der fast ausschließlich männlichen deutschen Wirtschaftselite.

Lesen Sie hier die Buchrezension von FEMBooks!

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Anonyma
Weitere Informationen: Beck'sche Reihe 6076
Umfang: 160 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1 x 20.6 x 12.5
Gewicht (incl. Verpackung): 206 g
Erscheinungsdatum: 22.02.2013

~ LESEPROBE ~

Rezension von Doris Hermanns auf AVIVA-Berlin:

Seit 2001 gibt es die freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Wie es einer Frau "Ganz oben" ergeht, beschreibt eine von ihnen in diesem Buch.

Eingeleitet wird das Buch mit einem Vorwort von Monika Schulz-Strelow, der Vorsitzenden der Initiative "Frauen in die Aufsichtsräte e.V." (FidAR e.V.), Berlin, die darauf aufmerksam macht, dass die 2001 eingegangene freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, ihr Ziel deutlich verfehlt hat und dass es seither nur marginale Veränderungen gegeben hat. Sie beschreibt die Situation dann auch alles andere als rosig und weist darauf hin, dass wenn es Verbesserungen gegeben habe, diese nur auf Druck der drohenden Quote, der FidAR und anderen Frauenverbänden, Teilen der Politik, der EU-Kommission, sowie intensiver Berichterstattung in den Medien stattgefunden haben. Sie sieht dann auch in der Quote ein Mittel zur deutlichen Beschleunigung der stärkeren Berücksichtigung von Frauen in Führungspositionen.

Wie die Situation für Frauen aussieht, die es dorthin geschafft haben, davon berichtet eine Topmanagerin in diesem Buch. Vieles davon ist aus anderen Studien hinlänglich bekannt, wie z.B. dass Männer eher zur Selbstüberschätzung, Frauen hingegen eher zur Selbstunterschätzung neigen.

"Im Prinzip muss man als Frau ein Mann sein, um Karriere zu machen, doch man darf sich keinesfalls so verhalten wie ein Mann. Man muss es schaffen, als Frau geschlechtsneutral betrachtet zu werden und trotzdem die Kompetenzen, die man als Frau mitbringt, einzubringen. Dann kann es funktionieren."

Aus diesem Zitat wird bereits deutlich, dass es für Frauen mehr als ein Balanceakt ist, nach "ganz oben" zu gelangen, dass es fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, solange sich nicht auch die Strukturen ändern, sowie die Selbstverständlichkeiten in diesen Konzernen, die bislang ausschließlich auf Männer ausgerichtet sind. Das reicht von den Statussymbolen Auto und Büro über die Themen beim Small Talk, bei denen Frauen sich dauerhaft unter Wert zu verkaufen müssen, um sich die Sympathie der Männer zu sichern und diese in ihrem Selbstbild zu bestätigen, und über aggressives Verhalten bei geschäftlichen Unterredungen bis hin zum Verhalten bei Geschäftsreisen und ?essen, sowie Rahmenprogrammen externer Tagungen die Besuche der Rotlichtvierteln und Table-Dance-Bars umfassen.

Vieles wird auch auf dieser Ebene auf Frauen abgeladen, weil es scheinbar "weibliche Aufgaben" sind. Das reicht vom Schreiben der Protokolle über das Erstellen von Flipcharts bis hin zum Regeln von unzähligen Kleinigkeiten, aber auch bis hin zum Putzplan für die Teeküche, auf den sie gesetzt werden, ihre männlichen Kollegen hingegen "selbstverständlich" nicht.
Bereits bei der Partnersuche wird deutlich, dass Männer eine "Hausfrau" suchen. Für sie ist es selbstverständlich, sowohl Karriere zu machen, als auch eine Familie zu gründen. Dies schlägt sich dann auch in ihrem Berufsalltag nieder: Sie erwarten, dass Frauen hinter ihnen aufräumen, Tassen wegzuräumen scheint unter ihrer Würde zu sein, im Flugzeug werden die Zeitungen auf dem ganzen Boden verteilt liegengelassen. Für sich selber zu sorgen, scheinen diese Männer nicht gelernt zu haben. So ist es dann auch wenig erstaunlich, was sie ihren Sekretärinnen alles - bis hin zum Regeln von Privatangelegenheiten - überlassen, von denen sie letztlich abhängig sind, während die Autorin die Dinge, die sie selbst erledigen kann, auch selber macht. "Ein männlicher Chef könnte diese Dinge auch selbst erledigen, er lässt es aber durch seine Sekretärin tun. Das ist für ihn ebenso normal wie es für mich unmöglich ist."

Die Autorin, die immer wieder ihr Interesse an Menschen und an Kommunikation betont, wird als "Mutter der Kompanie" bezeichnet, als "Kummerkasten", aber sie erfährt es dann auch als Bereicherung, anderen zuzuhören.
Interessant wird es immer dann, wenn die Autorin deutlich macht, wie anders sie (versucht) mit diesen ganzen Situationen umzugehen. Es kann eben genau nicht darum gehen, dass Frauen die Verhaltensweisen der Männer übernehmen, hinter denen sie nicht stehen, sondern sie müssen für sich eigene Wege finden, mit teilweise absurden Situationen umzugehen.

Leider endet der Bericht genau da, wo es hätte spannend werden können: Die Autorin wird schwanger. Während alle in ihrer Umgebung ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass damit ihre Karriere beendet ist - ohne sie auch nur zu fragen, was sie will. Die Managerin entscheidet sich jedoch dafür, einen anderen Weg zu gehen: "Ich wollte zeigen, dass eine Frau im Topmanagement mit Familie ihren Job weiterhin zur allgemeinen Zufriedenheit ausfüllen kann. Ich wollte die Tür für die Frauen in unserem Unternehmen wieder ein Stückchen weiter aufzumachen, ein weiteres Mal vorausgehen auf dem Weg zur Gleichstellung in der Führungsetage." Wie sie dies umgesetzt hat, erfahren die Lesenden dann leider nicht mehr.

AVIVA-Fazit: Dieses Buch macht sehr deutlich, wie viel es noch zu verändern gilt und dass die Forderung nach einer Quote alleine nicht ausreichend ist. Auch die Strukturen müssten sich grundlegend verändern. Es ist noch ein langer Weg für Frauen bis nach ganz oben.

AVIVA Berlin am 24.02.2013

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