Barbara Sichtermann: Was Frauen Sex bedeutet: Eine Befragung

Artikelnummer: 978-3860998892

Sichtermann lässt ein mehrdeutiges Sittenbild entstehen, eine Sphäre weiblicher Sexualität, in der die gewohnte Moral nicht gilt. Weibliche Liebeslust findet in einer »Geheimwelt« statt, die manche Überraschungen für die Leserinnen und Leser bereit hält

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Sichtermann lässt ein mehrdeutiges Sittenbild entstehen, eine Sphäre weiblicher Sexualität, in der die gewohnte Moral nicht gilt. Weibliche Liebeslust findet in einer »Geheimwelt« statt, die manche Überraschungen für die Leserinnen und Leser bereit hält; denn Eros ist in der Liebespraxis der Frauen ein Vagabund, ein Wegelagerer - und ein König!



Autor*in / Hrsg.: Barbara Sichtermann
Weitere Informationen: Einband: Kartoniert
Umfang: 183 S.
Format (T/L/B): 1.4 x 20.9 x 14.4
Gewicht (incl. Verpackung): 261 g
Erscheinungsdatum: 22.02.2012
»Frauen und Sex ist ein mühsames Thema, vor allem weil es normalerweise nie diskutiert wird, ohne die Antwort mit den Männern zu vergleichen: Wollen Frauen seltener Sex oder genauso oft? Wollen sie kuscheligeren Sex oder ist das nur anerzogen?
Wunderbar anders geht Barbara Sichtermann an das Thema heran. Sie lässt sieben Frauen ihre Geschichte erzählen und verpackt das Ganze in Romanform: Ihre fiktive Ich-Erzählerin soll Frauen für eine sozialwissenschaftliche Studie zum Thema Sex befragen und gibt dabei nichts vor, sondern lässt die Interviewpartnerinnen einfach frei erzählen, was ihnen dazu einfällt.
Ich vermute, dass dem Ganzen wirkliche Gespräche zugrunde liegen, die Barbara Sichtermann selbst geführt hat, die sie aber aus (nachvollziehbaren) Gründen vor der Veröffentlichung verfremden wollte. Eine kurze Runde bei Google konnte mir diese Frage nicht beantworten, und auch das Buch selbst lässt die Leserin in Bezug auf seine Entstehungsgeschichte im Dunkeln, was auch sein einziges Manko ist. Denn die Geschichten sind so spannend, interessant, aufschlussreich, dass ich einfach gerne gewusst hätte, welche Mischung von Authentizität und Fiktion dahinter steht.
Aber gut: Die Geschichten sind individuelle Geschichten, die Ansichten und Erfahrungen der Frauen unterscheiden sich stark, widersprechen sich teilweise krass, Gemeinsamkeiten finden sich eigentlich kaum, wenn man die äußeren Fakten ihres Umgangs mit Sexualität betrachtet oder ihre Einstellungen dazu.
Aber gerade deshalb tritt das, was sie gemeinsam haben, umso frappierender zu Tage: Und das ist die vollständige Abwesenheit jeglicher Moral. Das ist ein sehr interessanter Befund, denn schließlich hat man das den Frauen doch lange zugeschrieben dass sie moralisch wären, gerade im Bezug auf Sexualität. Doch das sexuelle Begehren scheint sich, auch wenn es sich bei jeder Frau völlig anders äußert, genau nicht in konventionelle Beziehungsformen leiten zu lassen, selbst bei den Frauen nicht, die dieses Bild nach außen aufrechterhalten. Das Begehren folgt einer anderen Logik, es überwältigt, schmeißt Konventionen um, ist unverfügbar, bringt Dinge durcheinander.
Gleiches gilt im Übrigen von der biologischen Folge der Sexualität: dem Mutterwerden. Auch hierzu nehmen die Frauen eine erstaunlich selbstbestimmte Haltung an. Insofern ist das Buch auch eines über das weibliche Begehren in einem weiteren Sinn, das sich gerade in der Sexualität, aber ich meine, das Prinzip ließe sich auch darüber hinaus ausweiten einen Weg in die Welt bahnt, die nicht immer erfreulich ist, sondern von komplizierten Beziehungen, von Gewalt, von Zwängen, von ungleichen Chancen geprägt.«
(Antje Schrupp)

»Schwer zu zähmen. Die deutsche Publizistin und Schriftstellerin Barbara Sichtermann hat ihr Leben lang über Frauen, Männer, Kinder und Beziehungen geschrieben. Ihr neuestes Buch beschäftigt sich mit dem weiblichen Triebleben.
Barbara Sichtermann ist die Frau, die vor rund dreissig Jahren das Leben von hunderttausenden von Müttern auf eines neues Fundament stellte. In ihren beiden Bestsellern »Leben mit einem Neugeborenen« und »Vorsicht Kind« gelang ihr das Kunststück, Frauen aus den Fesseln eines tyrannischen Mutterideals zu befreien und sie gleichzeitig für die sinnliche Lust am Kontakt mit ihren Babys zu sensibilisieren. (...) Auch »Weiblichkeit« wurde zum Bestseller.
Jetzt, mit knapp siebzig, meldet sie sich zum Thema weibliche Sexualität zurück (...) Das Buch versammelt Episoden aus der Sexualbiografie von sieben Frauen im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte fünfzig, die ihre Geschichten im fiktiven Rahmen einer wissenschaftlichen Befragung preisgeben. Die Geschichten, sagt Sichtermann, seien authentisch. Die einen habe sie selber erlebt, andere seien ihr von Freundinnen oder Bekannten erzählt worden, dritte habe sie im Verlauf der Jahre gelesen.
Entstanden ist ein fiktionales Sachbuch, analog den Doku-Soaps im Fernsehen (...). Sie habe diese Form bewusst gewählt, da sie es sich nicht zugetraut habe, das Thema Sexualität in klassischen Interviews mit identifizierbaren Frauen zu ergründen. Mehr als hundert Interviews, glaubt sie, wären nötig gewesen, um auf sieben spannende, aussagekräftige Geschichten zu stossen. Die brauchte sie, um eine Idee umzusetzen, die ihr bei der Lektüre von Giovanni Boccaccios «Il Decamerone» in den Sinn gekommen war. In der Novellensammlung aus dem 14. Jahrhundert vertreiben sich zehn Menschen auf einem Landgut ausserhalb des von der Pest heimgesuchten Florenz ihre Zeit, indem sie einander Geschichten erzählen, darunter viele deftig und erotisch. Die lebensbedrohliche Ausnahmesituation löst ihnen die Zunge.
Sichtermann kreierte analog dazu das zeitgemässere Szenario einer wissenschaftlichen Befragung, das die Frauen ungeniert reden und ins Detail gehen lässt - sie tun es ja im Dienste der Wissenschaft. (...) An vielfältigen Erlebnissen, Wünschen und Überlegungen zu weiblicher Sexualität mangelt es dem neuen Sichtermann-Buch wahrlich nicht. Nach der Lektüre reibt man sich die Augen und staunt: Frauen treiben es ganz schön bunt (...) [Die Geschichten] illustrieren, was Frauen im 21. Jahrhundert Sex bedeutet (...) Diese sieben Geschichten seien zwar nicht repräsentativ, belegten aber, dass sich Frauen heutzutage neue Freiheiten herausnehmen.«
(Barbara Lukesch, Weltwoche, Nr. 24.12)

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