Beate Hochholdinger-Reiterer: Kostümierung der Geschlechter. Schauspielkunst als Erfindung der Aufklärung

Artikelnummer: 978-3-8353-1567-9

Eine gendertheoretische Untersuchung zu Theorie und Praxis deutschsprachigen Theaters im Zeitalter der Aufklärung.

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Eine gendertheoretische Untersuchung zu Theorie und Praxis deutschsprachigen Theaters im Zeitalter der Aufklärung.

Zeitgleich mit der Neuordnung der Geschlechter im Verlauf des 18. Jahrhunderts finden im deutschsprachigen Raum grundlegende Veränderungen von Theater statt. Beide Neuordnungen sind im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen dieser Jahrzehnte zu sehen. Die Modifikationen betreffen auf institutioneller Ebene Organisation und Struktur der Theatertruppen, auf gesellschaftspolitischer Ebene Funktion und Bedeutung von Theater als wesentlichem Medium des Bürgertums und auf ästhetischer Ebene Spielvorlagen und Spielstil. Sowohl aufgrund ihres Öffentlichkeitscharakters als auch ihrer Wirkungsmacht wird die Schaubühne im 18. Jahrhundert zum begehrten Reformobjekt.

Bisher wurde ausschließlich der Einfluss der aufklärerischen Theaterreformen auf die gegenwärtigen Theaterverhältnisse und Theaterkonzepte hervorgehoben, ohne jedoch die geschlechtliche Perspektive zu berücksichtigen. Mit diesem Band liegt erstmals eine gendertheoretische Untersuchung zu Theorie und Praxis deutschsprachigen Theaters im Zeitalter der Aufklärung vor.

Autor*in / Hrsg.: Beate Hochholdinger-Reiterer
Details: Umfang: 496 S., ca. 12 Abb.
Einband: Gebunden
Gewicht: 770 g
Erscheinungsdatum: 01.12.2014

Rezension von Claudia Daiber auf querelles-net:

Von geschlechtlichen Einlagerungen in Sprache und deren Funktionen beim Schreiben der Theatergeschichte der deutschsprachigen Aufklärung handelt die von Beate Hochholdinger-Reiterer vorgelegte Habilitationsschrift. Die von ihr aufgedeckten sprachlichen Codes, die als 'heimliche Archive' fungieren, werden auf die durch sie vermittelte symbolische Ordnung der Geschlechter hin analysiert. Prozesse der Literarisierung, Institutionalisierung und Subventionierung führten in dieser Epoche zur Etablierung des 'einen' Theaters. Diese Prozesse verhandelten jedoch gleichermaßen Fragen des Nationalstaates und der Geschlechterordnung mit und konstruierten hinsichtlich letzterer eine 'patrilineare Genealogie', die 'andere' Diskurse mit 'anderen' Ordnungen, die es in den Umbrüchen nachweislich auch gab, stimmlos gelassen haben.

"Von den Fortschreibungen des Misstrauens, den geschlechtlichen Codierungen und deren Verkörperungen handelt die vorliegende Arbeit" (S. 29), so äußert sich einleitend und programmatisch die Autorin in ihrer Analyse der Theatergeschichtsschreibung, die sie an der Epochenschwelle Frühe Neuzeit/Aufklärung in den deutschsprachigen Gebieten einsetzen lässt und bis in das postnazistische Österreich fortführt. Schwerpunktmäßig wird diejenige Theatergeschichtsschreibung untersucht, die den Versuch begleitete, ein 'Nationaltheater' unter privater Leitung in der Freien Stadt Hamburg (1767-1769) zu etablieren, ebenso wie diejenige, die die Institutionalisierung des Wiener Burgtheaters als Nationaltheater (ungefähr ab 1750) begleitet. Das Forschungsziel der Autorin besteht darin, in Sprache eingelagerte geschlechtliche Codierungen in der Theaterhistoriografie offenzulegen, deren Zustandekommen anhand von historischen Quellen transparent zu machen und damit vom zeitgenössisch herrschenden Diskurs hervorgebrachte Konstrukte der Theatergeschichtsschreibung als solche zu markieren.

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