Bonnie Nadzam: Mr. Lamb

Artikelnummer: 978-3-423-24997-3

Ein älteres halbwüchsiges Mädchen schikaniert ein jüngeres sie solle den Alten da vorn doch mal um ein paar Zigaretten anschnorren. Tommie hat Sommersprossen und trägt falsche Wimpern, und als Lamb ihr, statt die Zigaretten rauszurücken, ein gefaktes Kidnapping vorschlägt

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Ein älteres halbwüchsiges Mädchen schikaniert ein jüngeres sie solle den Alten da vorn doch mal um ein paar Zigaretten anschnorren. Tommie hat Sommersprossen und trägt falsche Wimpern, und als Lamb ihr, statt die Zigaretten rauszurücken, ein gefaktes Kidnapping vorschlägt, um diesen Gören mal ein bisschen einzuheizen, willigt sie ein. Dass sie sich wiedersehen, ist zunächst Zufall. Bald aber redet Lamb, ausgelaugt und einsam wie er ist, sich ein, er könne Tommie eine andere Vorstellung vom Leben nahebringen, indem er ihr die Schönheit und Erhabenheit der Wildnis in den Rocky Mountains zeigt. Ein Akt der Mitmenschlichkeit, der schließlich auch ihn selbst heilen könnte? Tommie, schwankend zwischen Vertrauen und Verletzlichkeit, fühlt sich angezogen von Lambs fragwürdiger Zuwendung: eine Dynamik von Anziehung und Bedürftigkeit, von Grenzüberschreitung und Manipulation entsteht ...

Autor*in / Hrsg.: Bonnie Nadzam
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Literatur aus: USA/Kanada
Weitere Informationen: Originaltitel: Lamb
Übersetzt von: Susanne Höbel
Umfang: 240 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.4 x 21 x 13.6 cm
Gewicht: 335 g 
Erscheinungsdatum: 27.12.2013

Rezension von Clarissa Lempp auf AVIVA-Berlin:

Die Autorin erzählt ganz langsam einen Psychothriller. Ein junges Mädchen und ein älterer Mann auf einem Roadtrip. Ein Roman über Einsamkeit, Macht und einen zweifelhaften Antihelden: "Mr. Lamb"

Als Tommie David Lamb auf einem Parkplatz anspricht, will sie als Mutprobe eine Zigarette von ihm schnorren. Lamb entschließt sich kurzerhand, dem Mädchen eine Lektion zu verpassen. Er inszeniert eine Entführung, um ihr die Gefahr diese Streichs zu zeigen, und setzt sie dann Zuhause ab. Tommie und Mr. Lamb sehen sich danach immer öfter. Sie gehen zusammen essen, reden. Lamb sieht sich als Beschützer und Unterstützer des vielleicht 13-jährigen Mädchens, das aus einer sozial schwachen Gegend der Stadt kommt. Er will ihr etwas Gutes tun, das sommersprossige Gesicht zum Lachen bringen. Sonst nichts. Er erzählt Tommie von der Hütte seines Vaters in den Bergen, und lädt sie schließlich auf einen Road-Trip dazu ein, in die Rocky Mountains, in die fantastische Wildnis, ein Abenteuer, raus aus der Stadt.

Nadzams Debüt liest sich wie das Beobachten eines Unfalls. Die Gefahr ist erkennbar und doch scheinbar unausweichlich. "Ich bin nicht so ein Mann", versichert sich Lamb immer wieder selbst. Aber was für ein Mann ist er dann? Ein finanziell abgesicherter Mann mittleren Alters, der die eigene Leere nach dem Tod des Vaters und einer kaputten Ehe füllen will. Die Dynamiken zwischen Lamb und Tommie werden immer mehr von Lambs dunklen Schatten und seiner Selbsttäuschung bestimmt, in der sich seine eigene Bedürftigkeit offenlegt. Nadzam erzählt die Geschichte langsam und doch bleibt kaum Zeit um Atem zu holen. Der Sog der Anziehung dieser unterschiedlichen Lebenswelten zieht die LeserInnen mit in die (selbst-) manipulative Gedankenwelt Lambs und der jugendlichen Abenteuerlust und Verletzlichkeit Tommies. Poetische Landschaftsbeschreibungen, Motels, Diners und authentische Dialoge verdichten die Road-Movie Atmosphäre. Doch das Unbehagen bleibt auf dem Beifahrersitz in diesem Psychothriller - und wie bei einem Unfall, bleibt auch der Crash am Ende nicht aus.

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