Cemile Sahins: Alle Hunde sterben

Artikelnummer: 978-3-351-03827-4

In neun Episoden erzählt Cemile Sahin von neun Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Sie alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung durch Einheiten der türkischen Armee und der Polizei erlebt.Während sie von ihrer Flucht berichten, holt sie der systematische Terror des türkischen Militärs wieder ein.

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In neun Episoden erzählt Cemile Sahin von neun Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Sie alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung durch Einheiten der türkischen Armee und der Polizei erlebt. Darunter: Eine Mutter, die ihren toten Sohn auf einen Pick-up lädt. Ein Mann, der seine schlafende Tochter draußen ins Gebüsch legt, bevor er sein Haus anzündet. Eine Frau, die angekettet in einer Hundehütte gehalten wird. Während sie von ihrer Flucht berichten, holt sie der systematische Terror des türkischen Militärs wieder ein. ALLE HUNDE STERBEN ist eine Chronik über ein Land, geprägt von Militarismus und Nationalismus - entschieden, klar, furios erzählt. 

"Verbrechen, Gewalt, Folter brauchen eine Sprache. Und hier sprechen sie." Mely Kiyak

"Realität funktioniert in diesem Land nur über Gewalt, sagt Cemile Sahin. Hilft es, die Gewalt darstellbar zu machen? Nein, sagt sie; sie versucht es trotzdem. Und genauer hat es noch kaum jemand geschafft." Klaus Theweleit

"Die Künstlerin und Autorin Cemile Sahin entwirft ein erschütterndes Szenario staatlicher Gewalt."

"Die Entschiedenheit, Klarheit, Härte und Sicherheit im Ton von Cemile Sahin ist eine Wucht." Julia Encke, FAS

Autor*in / Hrsg.: Cemile Sahin
Land im Fokus: Türkei
politische Themen: Flucht und Asyl Krieg und Frieden
Details: Einbandart: gebundenes Buch
Umfang: 239 S.
Format (T/L/B): 2.5 x 22 x 13.5 cm
Gewicht: 372 g
Erscheinungsdatum: 07.09.2020
Rezension von Nelli Tügel im Missy Magazin:

Lässt sich Gewalt erzählen? Diese Frage treibt die Protagonist*innen in "Alle Hunde sterben" um, dem zweiten Roman der Künstlerin Cemile Sahin. Die Erzählperspektive in den neun Episoden des Buchs wechselt, der Ort des Geschehens bleibt: ein 17-stöckiges Hochhaus, irgendwo in der Westtürkei. Die Bewohner*innen sind dort nicht zu Hause, sie wollen dort nicht bleiben, sie haben staatlichen Terror erlebt, sie berichten davon, sie sind entkommen, doch findet der Terror sie wieder. Die Bewohner*innen des Hauses warten: auf einen geliebten Menschen, auf die Möglichkeit zur Rache, auf die Polizei, die Soldaten - oder so etwas wie Frieden. Das Haus ist vielleicht eine Metapher für das Land.

Cemile Sahin hat diesen Ort erschaffen, in ihrem Kreuzberger Studio, wo sie täglich arbeitet - Schriftstellerin ist sie indes nicht und möchte es auch nicht sein. "Ich bin Künstlerin und trenne die Bücher nicht von der bildenden Kunst, ich mache Installationen, die aus Video, Text und Skulptur bestehen, das Schreiben ist für mich nur ein Medium innerhalb dessen", erklärt sie im Gespräch. Ihre Geschichten beginnen mit Bildern: "Ich sammle Bilder und entwickle über sie meine Arbeiten." Die Bücher sind Vorarbeiten für Filme - ein Zwischenschritt kurz vor dem Drehbuch. Deswegen heißen die Kapitel auch Episoden. Man muss nichts über diese Arbeitsweise wissen, um die klare, direkte Sprache der Texte und in ihrem neuen Roman das Zusammenspiel von Bild und Text zu bemerken: Ein Foto ist jeder Episode vorangestellt. Es zeigt die immer gleiche Ebene, vermutlich eines Parkhauses, von oben. Zu sehen sind auf dem Asphalt dieses Platzes drei Pfeile, auf denen "one way" steht, es geht in die eine Richtung, dann um die Ecke, dann in die entgegengesetzte Richtung. Der dritte Pfeil führt in ein Unterdeck und man stellt sich beim Betrachten des Bilds vor, wie es dort weitergeht: im Kreis und dabei hinunter auf die nächstniedrigere Ebene.

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