Charlie Kaufhold: In guter Gesellschaft? Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe

Artikelnummer: 978-3-942885-85-0

Eine putzige Diddl-Maus mit rosa Hauspuschen (Süddeutsche Zeitung) oder ein Teufel, der sich zu Prozessbeginn schick gemacht hatte (Bild-Zeitung) in der Berichterstattung über Beate Zschäpe gibt es wenig Erkenntnis über ihre Rolle im NSU.

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Das mediale Bild von Beate Zschäpe aus Genderperspektive und dessen historische und politische Einordnung.

Eine putzige Diddl-Maus mit rosa Hauspuschen (Süddeutsche Zeitung) oder ein Teufel, der sich zu Prozessbeginn schick gemacht hatte (Bild-Zeitung) in der Berichterstattung über Beate Zschäpe gibt es wenig Erkenntnis über ihre Rolle im NSU. Das einzige, was gesichert scheint, ist: Zschäpe ist eine Frau, und das ist relevant. In diesem Buch werden erstens anhand eines repräsentativen Ausschnitts der Zeitungsberichterstattung die Darstellungsweisen von Zschäpe insbesondere in Hinblick auf Geschlecht genau betrachtet. Zweitens wird der Frage nachgegangen, wie diese spezifische Form der Berichterstattung historisch und politisch zu verstehen ist. Dazu werden Verbindungslinien zu dem Umgang mit Schuld und TäterInnenschaft in Anschluss an den Nationalsozialismus gezogen und der Blick auf die Dominanzgesellschaft gerichtet. Diese erhält durch die vergeschlechtlichte Berichterstattung über Zschäpe die Möglichkeit, sich nicht mit eigenen (rassistischen) Strukturen beschäftigen zu müssen.

politische Themen: Rechtsextremismus
Autor*in / Hrsg.: Charlie Kaufhold
Details: Reihe Antifaschistische Politik (RAP)
Umfang: 160 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B) 1 x 20.5 x 14 cm
Gewicht: 167 g
Erscheinungsdatum: 23.09.2015

Rezension auf kritisch-lesen.de:

Ob "heißer Feger" oder schicker "Teufel": Warum die Berichterstattung zu Beate Zschäpe sowohl eine antifaschistische wie auch feministische Kritik erfordert, wird in diesem Buch deutlich.

Nach der Selbstenttarnung der rechtsterroristischen Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" im Jahr 2011 ist der Name Beate Zschäpe im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Zschäpe steht aktuell vor Gericht, doch es wäre zynisch, dies als gelungenen Abschluss der Auseinandersetzung mit den neonazistisch motivierten Morden und Gewalttaten zu betrachten. Eine angemessene Aufarbeitung hätte anders ausgesehen als das Drangsalieren des sozialen Umfelds der Ermordeten durch rassistische Ermittler_innen: Die Angehörigen wurden im Stich gelassen durch undurchsichtige Behörden, während die Taten teilweise medial bagatellisiert und eine Täter_in-Opfer-Umkehr betrieben wurde. Meist im Hintergrund der medialen Aufmerksamkeit stehen die Überlebenden wie beispielsweise jene des Nagelbombenanschlags in Köln.

Doing Gender statt Doing Solidarity

Für alle Betroffenen folgte statt der versprochenen lückenlosen Aufklärung ein Ermittlungsskandal nach dem anderen. Gleichzeitig ist ein Teil der Berichtserstattung massiv fokussiert auf das Geschlecht jenes "NSU"-Mitglieds, das als einziges der rechten terroristischen Gruppe noch am Leben sein soll. Diese Berichterstattung, die ihren Fokus auf das Frau*-Sein Zschäpes legt, steht im Zentrum von Charlie Kaufholds Buch und macht sowohl aus antifaschistischer wie auch feministischer Perspektive sprachlos: Medial wird Beate Zschäpe als "putzige Diddl-Maus" mit "rosa Hauspuschen" (Süddeutsche Zeitung) bezeichnet oder als "Teufel", der "sich schick gemacht" hat (BILD). Eine kollektive Solidarisierung in Deutschland mit den Opfern des "NSU" blieb aus; stattdessen waren im Jahr der Selbstenttarnung Überschriften wie "Die Nazi-Braut galt als heißer Feger" (S. 45) in der Presse zu lesen.

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