Chinelo Okparanta: Unter den Udala Bäumen

Artikelnummer: 978-3-88423-591-1

Chinelo Okparantas erster Roman ist Kriegs- und Liebesroman zugleich. Die Coming-out-Geschichte des Mädchens Ijeoma beginnt 1968, ein Jahr nach Beginn des Biafra-Kriegs in Nigeria. Die Bevölkerung leidet unter dem immer brutaler werdenden Krieg und einer unvorstellbaren Hungersnot. Ijeomas Vater kommt bei einem Bombenangriff ums Leben. Ihre Mutter kann nicht mehr für sie sorgen, und sie wird in ein entferntes Dorf zu Freunden der Familie geschickt. Dort lernt sie Amina kennen, die gleichalt und auch alleine ist.

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Chinelo Okparantas erster Roman ist Kriegs- und Liebesroman zugleich. Die Coming-out-Geschichte des Mädchens Ijeoma beginnt 1968, ein Jahr nach Beginn des Biafra-Kriegs in Nigeria. Die Bevölkerung leidet unter dem immer brutaler werdenden Krieg und einer unvorstellbaren Hungersnot. Ijeomas Vater kommt bei einem Bombenangriff ums Leben. Ihre Mutter kann nicht mehr für sie sorgen, und sie wird in ein entferntes Dorf zu Freunden der Familie geschickt. Dort lernt sie Amina kennen, die gleichalt und auch alleine ist. Zwischen Ijeoma, einer christlichen Igbo, und Amina, einer muslimischen Hausa, beginnt eine Freundschaft, die zur Leidenschaft wird. Als diese aus ethnischen und gesellschaftlichen Grunden unmögliche Beziehung entdeckt wird, muss Ijeoma zurück zu ihrer Mutter, die sie streng religiös erzieht. Ijeoma ist verzweifelt und findet bei der älteren Ndidi Trost, die sie mit der geheimen homosexuellen Szene der Gemeinde bekannt macht. Doch der gesellschaftliche Druck und die Angst davor entdeckt zu werden, sind zu groß, und so heiratet sie Chibundu, einen Freund aus Kindheitstagen.

Okparanta stellt einfühlsam die Persönlichkeitskonflikte dar, in die Ijeoma als heranwachsende Frau in der nigerianischen Gesellschaft gestürzt wird: ihre lesbische Identität, die Niederlage des unabhängigen Biafra, das Tabu einer Beziehung zwischen Igbo und Hausa, der tiefe Fall einer Studentin aus der höheren Mittelklasse in die Armut und die allgegenwärtige Macht der Kirche mit ihren Dogmen, die gleichgeschlechtliche Liebe als abscheuliches Laster brandmarkt. Hinzu kommt die vom Staat ausgehende Gewalt, die mit rigorosen Gesetzen Homosexuelle verfolgt. Ein außergewöhnlicher, sehr aktueller Roman über das schwierige Erwachsenwerden einer jungen Frau in Nigeria.

Politischer Hintergrund: 1967 begann im Südosten Nigerias der Biafra-Krieg, nachdem sich die Region Biafra fur unabhängig erklärt hatte. Hauptursache fur diesen Krieg waren die andauernden Konflikte zwischen dem christlichen Igbo-Volk und den muslimischen Volksgruppen der Hausa und Fulani. Der Krieg endete 1970, forderte zweieinhalb Millionen Todesopfer und wurde in Nigeria nie richtig aufgearbeitet.

Autor*in / Hrsg.: Chinelo Okparanta
Land im Fokus: Nigeria
Literatur aus: Afrika
Details: Originaltitel: Under the Udala Trees
Übersetzt von: Maria Hummitzsch/Sonja Finck
Umfang: 352 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 3.2 x 21.5 x 14 cm
Gewicht: 541 g
Erscheinungsdatum: 01.10.2018
Rezension von Ahima Beerlage auf AVIVA-Berlin:

Ijeoma, ein Igbo-Mädchen aus dem mehrheitlich von ChristInnen bewohnten Biafra, verliebt sich in den 1970er Jahren in ein Haussa-Mädchen aus dem muslimischen Teil Nigerias. Eine Liebe, die auf so vielen Ebenen in ihrem Land nicht sein darf. Die in Port Harcourt/Nigeria geborene Schriftstellerin Chinelo Okparanta begleitet bildreich und liebevoll Ijeoma dabei, wie sie versucht, ihre Liebe zu Frauen zu leben.

Chinelo Okparanta macht es sich und ihren Leserinnen nicht leicht. Ihre Ich-Erzählerin verliert gleich zu Beginn des Buches im zweiten Jahr des Biafra-Krieges 1968 bei einem Luftangriff ihren Vater, der an der aussichtslosen Lage der Befreiungs-Armee Biafras im Kampf gegen die Übermacht der nigerianischen Armee den Lebensmut verliert und bei einem Luftangriff getötet wird.

"Sein Gesichtsausdruck war distanziert, als hätte er sich von allem, was er kannte, entfernt, wäre gleichzeitig aber tiefer verbunden als je zuvor."

Wird der Krieg vordergründig unter verschiedenen Volksgruppen und zwischen ChristInnen und MuslimInnen geführt, geht es im Hintergrund doch nur um Geld und Ölfördergebiete. Beide Kriegsparteien werden von unterschiedlichen westlichen und östlichen Ländern mit Waffen versorgt, um sich Anteile an den Ressourcen zu verschaffen. Leiden muss vor allem die Zivilbevölkerung, die durch Blockaden zum Hungern verurteilt wird. Ihre Mutter, tief trauernd und auf sich gestellt, klammert sich an ihren strengen christlichen Glauben und hält mit ihrer Tochter Ijeoma Bibelstunden ab, während sie ums nackte Überleben kämpfen. Strenge Moralvorstellungen halten ihre Gemeinde und ihre Nachbarschaft in den Kriegswirren zusammen. Ijeoma muss erleben, wie in ihrer Nachbarschaft ein schwules Paar der "Gräuel-Sünde" bezichtigt, gedemütigt und totgeprügelt wird. Immer wieder kommen der jungen Christin dabei Zweifel an der Auslegung der Bibel, wenn sie zu so gnadenlosen Akten führt.

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