Chris Kraus: I love Dick

Artikelnummer: 978-3-95757-364-3

Chris Kraus, eine gescheiterte Künstlerin, die unaufhaltsam auf die 40 zugeht, lernt durch ihren Ehemann den akademischen Cowboy Dick kennen. Dick wird zu ihrer Obsession. Völlig überwältigt von ihren Gefühlen schreibt sie zunächst eine Erzählung über ihr erstes Treffen, dann verfasst sie Briefe, die sie nicht abschickt, und auch Sylvère, ihr Mann, wird Teil dieses Konzept-Dreiers. Mal schreiben beide Dick gemeinsam, mal einzeln, doch während Sylvère irgendwann sein Interesse wieder verliert, verstrickt sich Chris immer mehr in die Abgründe ihrer eigenen Begierde.

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Chris Kraus, eine gescheiterte Künstlerin, die unaufhaltsam auf die 40 zugeht, lernt durch ihren Ehemann den akademischen Cowboy Dick kennen. Dick wird zu ihrer Obsession. Völlig überwältigt von ihren Gefühlen schreibt sie zunächst eine Erzählung über ihr erstes Treffen, dann verfasst sie Briefe, die sie nicht abschickt, und auch Sylvère, ihr Mann, wird Teil dieses Konzept-Dreiers. Mal schreiben beide Dick gemeinsam, mal einzeln, doch während Sylvère irgendwann sein Interesse wieder verliert, verstrickt sich Chris immer mehr in die Abgründe ihrer eigenen Begierde.

Chris Kraus hebt in ihrem mittlerweile in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzten und als Amazon-Serie verfilmten Roman die Grenzen zwischen Fiktion, Essay und Tagebuch auf und schuf damit gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein völlig neues Genre. Was die Autorin selbst als "Bekenntnis- Literatur" und "Phänomenologie der einsamen Mädchen" bezeichnet, ist weit mehr als das : Es ist der letzte große feministische Roman des 20. und der erste große Liebesroman des 21. Jahrhunderts.

FEMBooks zu diesem Buch:
Chris Kraus' autobiographischer Romanessay "I love Dick" ist ein Buch über weibliches heterosexuelles Begehren. In seiner Aussichtslosigkeit, da die Liebe nicht erwidert wird, und Objektifizierung des Mannes für die eigenen lustvoll-romantischen Projektionen gleicht dieses Begehren dem eines Mannes (im klassischen Sinne) und wird dadurch zu einem feministisch-emanzipatorischen Akt.


Autor*in / Hrsg.: Chris Kraus
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Details: Originaltitel: I Love Dick
Übersetzt von: Kevin Vennemann 
Umfang: 296 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.7 x 21.8 x 14.5 cm
Gewicht: 491 g
Erscheinungsdatum: 30.01.2017

~ LESEPROBE ~

Rezension von Eva Yvory auf dem Blog Die Störenfriedas: :

Diese Buchrezension kann ich nicht wie jede andere schreiben. "I love Dick" gehört zu den Büchern, die mein Leben verändert haben. Ich las es 2005 mit Anfang 20 und ich erinnere mich an jede der gefühlten Phasen, während des Lesens. Am Anfang nervte mich dieses überdrehte, hyperintellektuelle Pärchen, vor allem regte ich mich über Sylvére auf, diesen alten, selbstverliebten Mann, der sich in das neu entdeckte Begehren seiner Frau einmischte. Ich fand Dick, den Cowboy, so unglaublich lächerlich, und ich liebte Chris, ich liebte sie so sehr, denn sie war ich und sie war die Freundin, die ältere Ratgeberin, die ich mich so sehr wünschte.

Weil ich dieses Buch, das nun endlich, dank des Verlags Matthes und Seitz, auf Deutsch erschienen ist, so sehr liebe, kann ich es wohl kaum neutral bewerten. Als ich erfuhr, dass es nun auch auf Deutsch erscheint, durchfuhr mich ein Schreck. Was, wenn Leute hier das Buch zerreißen, wenn sie es anders interpretieren als ich, wenn sie es mir wegnehmen, wenn es Leute, die ich nicht leiden kann, aus den falschen Gründen feiern? Letzteres ist bereits eingetreten. Trotzdem las ich es noch einmal auf Deutsch, und jetzt, 12 Jahre später, liebe ich es noch mehr als mit Mitte 20.

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Rezension von Gerrit Bartels im Tagesspiegel vom 17.02.2017:

So etwas soll vorkommen, und es passiert Männern wie Frauen: Dass die Liebe wie ein Blitz einschlägt, dann aber eine einseitige, unerwiderte bleibt. Es ist der 3. Dezember des Jahres 1994, als die experimentelle Filmemacherin Chris Kraus und ihr Ehemann, der New Yorker College-Professor, Verleger und Proust-Kenner Sylvère Lotringer sich mit einem Bekannten zum Essen treffen, mit einem Mann namens Dick. Schon beim Essen hat Chris Kraus das Gefühl, dass er ihr dauernd Blicke zuwirft, mit ihr flirtet. Dick lädt das Ehepaar dann ein, bei ihm zu übernachten. Sie reden weiter, trinken weiter, einfach so, ohne dass es weitere Annäherungen gibt, und am nächsten Morgen ist Dick verschwunden. Weitergehendes Interesse an Chris hat er nicht. Um sie aber ist es geschehen. Nachdem sie die ganze Nacht in Dicks Haus von ihm geträumt hat, ist sie nun bis über beide Ohren verliebt und beginnt eine Erzählung mit dem Titel "Abstrakte Romantik" zu schreiben.

Dabei bleibt es nicht. Weil Chris Kraus aus ihrer Paarhaftigkeit ausbrechen möchte, sie und Sylvère seit Jahren keinen Sex mehr haben, Sylvère sie trotzdem weiter innigst liebt und es unerträglich findet, seine Noch-Ehefrau traurig zu sehen, schreiben sie Dick gemeinsam Briefe, zumeist im Wechsel. Später dann, Chris hat Sylvère verlassen, schreibt nur noch sie, und zwar gleich ein Buch: über sich und ihr Leben zu jener Zeit, über ihre und Sylvères Briefe, über ihre unerwiderte Liebe, "I Love Dick". Das Buch erschien 1997 in Lotringers Verlag Semiotext(e), ohne sich groß zu verkaufen oder für übermäßig Aufsehen zu sorgen. Es wurde in den USA ein weiteres Mal 2006 in einem anderen Verlag veröffentlicht und von einer neuen, jüngeren Generation entdeckt. Und nun ist es erstmals von dem Schriftsteller Kevin Vennemann ins Deutsche übersetzt worden; zudem wird es, nach einem erfolgreichen Pilotfilm im vergangenen Jahr, ab Mai auch eine "I Love Dick"-Amazon-Serie geben. Kraus' Buch macht also, obwohl es zwanzig Jahre alt ist, noch einmal Karriere.

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Rezension von Hannah Pilarczyk auf Spiegel Online vom 07.02.2017:

Mein Leben als Mann. Vor diesem Schreibauftrag an sich selbst schreckte Max Frisch zunächst zurück. Er hatte ihn von Philip Roth übernommen, der 1974 ein Buch mit diesem Titel veröffentlicht hat. Frisch setzte den Schreibauftrag schließlich vier Jahre später in der Erzählung "Montauk" um. Darin hält er ein Wochenende mit einer jungen Geliebten auf Long Island fest: "autobiographisch, ja, autobiographisch. Ohne Personnagen zu erfinden; ohne Ereignisse zu erfinden, die exemplarischer sind als seine Wirklichkeit; ohne auszuweichen auf Erfindungen."

In wenigen Tagen feiert Volker Schlöndorffs lose Filmadaption dieser Erzählung, "Rückkehr nach Montauk", auf der Berlinale ihre Weltpremiere, und das fügt sich in so viele aktuell diskutierte Perspektiven auf das AutorInnen-Ego und den kreativen Prozess ein, dass einem fast schwindelig werden könnte. Denn nicht nur ist die deutsche Literaturkritik gerade von einer Debatte über die besonderen Qualitäten autobiografisch gefärbten Schreibens erfasst - wichtige Referenzpunkte sind dabei Thomas Melle, Benjamin von Stuckrad-Barre und Karl-Ove Knausgård. Sondern es erscheint in diesen Tagen auch die deutsche Übersetzung des Buchs, das genau dieses Schreiben "als Mann" vor zwanzig Jahren so radikal unterlaufen hat, dass sich daraus eine alternative literarische Realität abgezweigt hat mit eigenen, weiblichen Referenzpunkten wie Sheila Heti und Emily Gould und eigenen Adaptionen - für die mediale Gegenwart allerdings passgenauer als Serie statt als Film.

"I Love Dick" heißt dieses Buch, verfasst von der amerikanisch-neuseeländischen Filmemacherin und Kritikerin Chris Kraus. Es ist ihr Debütroman, und sie findet mit und in diesem Buch erst zu ihrer eigenen literarischen Stimme. Genau das Prozesshafte und Unperfekte macht aber die Brillanz des Buchs aus: "I Love Dick" ist die Geschichte einer Emanzipation, die sich durch eine Unterwerfung vollzieht, das Festhalten eines Scheiterns, das sich dadurch in einen Erfolg verkehrt, das Zeugnis einer Selbstentblößung, die das Spiel mit Alter Egos ermöglicht.


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Rezension von Marie Schmidt auf ZEIT Online vom 09.02.2017:

Es gibt solche schlafenden Klassiker: Bücher, die zuerst wenig Aufmerksamkeit erfahren, aber über die Jahre einen Ruf ansammeln. Raunend fällt ihr Titel in manch aufregendem Zusammenhang, wobei es nicht schadet, wenn er zweideutig lautet: I Love Dick. Ein Buchrücken mit dieser Aufschrift wirkt in jedem Regal gut, selbst wenn es sich bei Dick um den Vornamen eines mittelalten Akademikers handelt. Es sieht trotzdem aus wie ein unübersetzbar offenherziges Bekenntnis zum Sex mit Männern. Was den feministischen Nimbus des 1997 erschienenen ersten Buches der amerikanischen Künstlerin, Kritikerin, Filmemacherin und Autorin Chris Kraus nur gefestigt hat.

In einem späteren Roman schrieb Kraus über eine Figur, die ihr selbst gleicht (wie alle ihre Hauptfiguren), deren Texte würden "fast ausschließlich in der Kunstwelt gelesen, wo sie einen harten Kern ergebener Fans anzog: Asperger-Jungs, Mädchen, die wegen psychischer Störungen in Behandlung waren, Akademiker im Mittelbau, die nie befördert wurden, Stripper, Ritzer und Huren". Als I Love Dick 2006 in den USA neu aufgelegt wurde, zog dieses subkulturelle Charisma eine neue Generation an, diesmal eine erfolgreicher Künstlerinnen: Die gefeierte Essayistin Leslie Jamison (Die Empathie-Tests) schrieb, sie habe über das Buch immer kluge Frauen reden hören, die gerne über ihre Gefühle sprechen. Die Sängerin Lorde postete ein Foto des Exemplars ins Netz, das ihr Serienstar Lena Dunham (Girls) geschenkt hatte, und Jill Soloway, die Showrunnerin von Transparent, der berührendsten Familienserie der letzten Jahre, hat I Love Dick jetzt als Serie für Amazon adaptiert. Deshalb könnte sich demnächst endlich ein breiteres Publikum dafür interessieren.

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Rezension von Julia Encke in der FAZ vom 04.04.2017:

(...)

Es geht um "I Love Dick" von der 1955 in New York geborenen Schriftstellerin und Filmemacherin Chris Kraus, ein Buch, das sich zwischen Memoir, Autofiktion und Roman bewegt. Zum ersten Mal ist es 1997 erschienen, in dem kleinen unabhängigen Verlag Semiotext(e) von Sylvère Lotringer, den Chris Kraus später heiratete (und der uns im Roman gleich wieder begegnen wird). Lotringer, der, wie der Schriftsteller Georges Perec, während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich zu den versteckten jüdischen Kindern gehörte, war in den siebziger Jahren in die Vereinigten Staaten gegangen und hatte in der New Yorker Kunst- und Literaturszene die Werke der französischen Theorie bekanntgemacht, Deleuze, Foucault, Virilio. Den Verlag gibt es bis heute.

(...)

Es beginnt am 3. Dezember 1994. Chris Kraus, experimentelle Filmemacherin, 39 Jahre alt, und Sylvère Lotringer, College-Professor in New York, 56 Jahre alt, essen gemeinsam mit Dick (ohne Nachnamen), einem Bekannten von Sylvère, in einer Sushi-Bar in Pasadena zu Abend. Während des Essens besprechen die Männer die jüngsten Entwicklungen postmoderner Theorie, und Chris, "die keine Intellektuelle ist", wie es der Roman ironisch will, bemerkt, dass Dick ihr wiederholt Blicke zuwirft. Im Radio wird für den San-Bernadino-Highway Schneefall angekündigt. Großzügig lädt Dick die beiden ein, die Nacht in seinem Haus in der Wüste des Antilope Valley zu verbringen, etwa 130 Kilometer entfernt. Sie willigen ein, fahren hin, verbringen den Rest des Abends bei Dick zu Hause. Chris erwidert benommen die Blicke des Gastgebers, der ihnen um zwei Uhr morgens ein Video vorspielt, das im Auftrag des englischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens entstanden ist und in dem er als Johnny Cash verkleidet auftritt. Schlechte Kunst, findet Chris, mache ihre Betrachter viel aktiver, sagt es nicht laut, träumt aber die ganze Nacht von Dick, der, als Sylvère und Chris am nächsten Morgen auf dem Schlafsofa aufwachen, verschwunden.

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