Danielle de Picciotto: We Are Gypsies Now. Der Weg ins Ungewisse

Artikelnummer: 978-3-8493-0047-0

Wie ist das, wenn man seine Wohnung auflöst, auf unbestimmte Zeit auf Reisen geht, und dabei den großen Sinnfragen des Lebens nicht aus dem Weg geht? Danielle de Picciotto hat es mit weiblich verträumten Blick und einer großen Portion Lebensklugheit aufgezeichnet.

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Wie ist das, wenn man seine Wohnung auflöst, auf unbestimmte Zeit auf Reisen geht, und dabei den großen Sinnfragen des Lebens nicht aus dem Weg geht? Danielle de Picciotto hat es mit weiblich verträumten Blick und einer großen Portion Lebensklugheit aufgezeichnet.

Eine wundervoll illustrierte Graphic Diary über den Sinn des Lebens und die Verwirklichung eines Lebenstraums.

Das Dasein als urbaner Nomade, der ohne materiellen und verwaltungstechnischen Ballast die globale Steppe durchstreift, den weiten Horizont immer im Blick, ist ein alter, neuer Traum, der immer mehr Leuten durch den Kopf schießt. Im Graphic Diary »We are Gypsies Now - Der Weg ins Ungewisse« beschreibt und zeichnet die amerikanische Künstlerin Danielle de Picciotto, Mit-Gründerin der Love Parade und Ehefrau von Alexander Hacke, dem Bassisten der »Einstürzenden Neubauten«, den normalen, den funktionierenden Menschen als bloße Schachfigur, »domestiziert von Regeln und Grenzen«. Geschäftstermine, Versicherungspolicen, Hypothekenzahlungen erscheinen ihr als Gitterstäbe aus Stahl, und all die Verträge, die man abschließt, um den Status zu sichern, als lähmendes Gift. Am Ende sitzen die Avantgarde-Künstlerin und der Punk- Musiker jeden Abend auf dem Sofa und gucken amerikanische TV-Serien, »The Wire«, »Breaking Bad«; guter Stoff, aber: »Es fühlte sich irgendwann falsch an.«

»We are Gypsies Now« ist die Geschichte einer gleichzeitigen Entkleidung und Ermächtigung. De Picciotto und Hacke entschließen sich, Haus und Haushalt aufzugeben, nicht mehr als Spielfigur den Regeln zu folgen, sondern die Dinge in die eigene Hand zu nehmen: Sie verkaufen das Haus, lösen die langfristigen Verträge, gehen zuerst für ein Filmprojekt nach Wien und anschließend mit den »Einstürzenden Neubauten« auf eine ausgedehnte Europa-Tour. Als sie den Schlüssel abgeben, erzählt de Picciotto, verschwinden die Rückenschmerzen, die sie jahrelang geplagt hatten, auf einen Schlag. Wenig später ist sie »on the road«, wird auf dem Balkan in Revierkämpfe mit aggressiven Groupies verwickelt oder findet sich mitten in einem Schneesturm in einer Sauna wieder - ihr erstes Fazit: jeder Tag surreal, irgendwie magisch. Der Eremit in der Wüste, der Aussteiger, der am Strand von Goa lebt und surft, der Mönch, der durch innere Einkehr und materielle Enthaltsamkeit die Erleuchtung sucht, ist eine mythische Figur der Gegenkultur. »Wir waren weder Teenager noch Hippies. Wir waren erwachsen und gaben alles auf wofür wir gearbeitet hatten«, schreibt de Picciotto. »Nomade sein wollen bedeutet Arbeit. Mehr Arbeit als je zuvor.« Aber jeder kann es tun.

»We Are Gypsies Now« ist das Bilderbuch für die Minimalismus-Bewegung, deren Anhänger versuchen, durch »freiwilliges Downscaling« eine nachhaltigere, effizientere und - vor allem - glücklichere Existenz zu führen. »Minimalismus bedeutet, dass man gerade genug besitzt, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen«, sagt zum Beispiel Francine Jay, Autorin von »The Joy of Less, A Minimalist Living Guide: How to Declutter, organize, and Simplify Your Life«. »Ich besitze weniger, aber ich habe mehr Raum. Ich habe weniger Verpflichtungen und mehr Zeit. Es geht darum, Platz für die Dinge zu schaffen, die wirklich wichtig sind.«

Autor*in / Hrsg.: Danielle de Picciotto
Weitere Informationen: Übersetzt von: Alexander Hacke
Umfang: 210 S., 4-farbig
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 1.5 x 21.5 x 16
Gewicht: 416 g
Erscheinungsdatum: 12.04.2013

Interview von Claire Horst mit Danielle de Picciotto auf AVIVA-Berlin:

AVIVA-Berlin: Für wen hast du das Buch gemacht?
Danielle de Picciotto: Ursprünglich wollte ich nur ein gezeichnetes Tagebuch machen, als Übung, um jeden Tag etwas zu zeichnen. Ich war unsicher, ob ich es veröffentlichen soll, weil es so eine persönliche Sache ist. Und dann habe ich gemerkt, dass es vielen Leuten gleich geht. Es geht ja nicht nur um KünstlerInnen, sondern darum sich zu öffnen, neue Wege zu finden. Den Mut zu haben, ins kalte Wasser zu springen, wenn man das Gefühl hat, dass man statisch geworden und nicht glücklich ist, kann einem Neues bringen, was man niemals erwartet hätte.

AVIVA-Berlin: Du bist in den USA aufgewachsen und in den achtziger Jahren nach Berlin gekommen. Warum hast du dich damals dazu entschlossen?
Danielle de Picciotto: Ich bin damals für zwei Wochen aus New York gekommen, um eine Freundin zu besuchen, und einfach dageblieben. Mich hat fasziniert, dass es nicht so gefährlich war wie New York, dass die Mieten so niedrig waren, und dass es so kreativ war. Ich habe eine große Gruppe von Künstlermenschen kennengelernt - es war wie im Himmel, wie ein KünstlerInnenparadies.

AVIVA-Berlin: In deinem Buch geht es viel um die prekäre Lebenssituation in Berlin. Du hast gerade gesagt, auch damals war Berlin schon sehr preiswert und sehr kreativ. Siehst du heute eine Verschärfung in dem Sinne, dass man zwar kreativ sein, aber nicht mehr davon leben kann?
Danielle de Picciotto: Es war komplett anders. Erstens war Berlin ja subventioniert als Inselstadt, es gab unglaublich viel Unterstützung für KünstlerInnen, sodass es wesentlich einfacher war, Projekte oder Stipendien zu bekommen. Abgesehen davon war es eben so preiswert, dass man mit ein bisschen Geld wirklich weit kommen konnte. Ich habe zusammen mit fünf anderen Leuten in einer Fabriketage von 400 Quadratmetern gewohnt, das hat mich hundert Mark gekostet. Dadurch war auch die Atmosphäre eine andere: Es ging viel mehr darum, im Schulterschluss idealistische Sachen zusammen zu machen. Egal, wo man hingegangen ist, sind Sachen passiert, die einfach so aus Spaß an Kreativität gemacht wurden. Heutzutage ist es eine Partystadt geworden, aber die Kreativität, die es damals gab, sieht man nicht mehr. Jetzt kann im Prinzip jeder froh sein, wenn er einen Job kriegt, und dadurch gibt es eine Riesenkonkurrenz.

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3 von 5 No, you are not a Gipsy

To be fair, I have to admit that I have not read the book, and I think I never will, even though it seems beautifully made, and Danielle is a very interesting Person.
No you are not a Gipsy, no you are not Roma, and you probably could have found another title for your book. Selling your stuff, cancelling your insurances and moving around might give you a sense of freedom, but please dont use Gipsy as a romanticized definition of lifestyle.

., 16.08.2014
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