Dominique Manotti: Marseille.73

Artikelnummer: 978-3-86754-247-0

1973 erschütterte eine rassistische Mordserie ganz Frankreich mit ­Marseille als Epizentrum von Fremdenhass, Klüngel und rassistischem Terrorismus: Das ist der historische Kern, um den Dominique Manotti ihren rasanten Roman arrangiert hat. Seine Aktualität in diesen Tagen ist beklemmend.

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Wir erleben Commissaire Daquin aus Paris beim zweiten großen Fall seiner Laufbahn, bereits jetzt ein unbestechlicher Bulle mit Reibfläche und ausgeprägtem Sinn für Unrechtsverhältnisse. Die blühen in Marseille, zumal die verschiedenen Instanzen der Polizei einen Kleinkrieg um die Deutungshoheit über Recht und Gesetz führen. Von der Polizeizentrale L'Évêché bis zu den Richtern ist die Marseiller Exekutive durchsetzt mit Meistern der Mauschelei. Und in der Gesellschaft, die ihnen vorschwebt, ist für bestimmte Leute kein Platz vorgesehen. Wie weit werden sie gehen, wenn die Lage eskaliert?

1973 erschütterte eine rassistische Mordserie ganz Frankreich mit ­Marseille als Epizentrum von Fremdenhass, Klüngel und rassistischem Terrorismus: Das ist der historische Kern, um den Dominique Manotti ihren rasanten Roman arrangiert hat. Seine Aktualität in diesen Tagen ist beklemmend.

Autor*in / Hrsg.: Dominique Manotti
Land im Fokus: Frankreich
Details: Originaltitel: Marseille 73
Übersetzt von: Iris Konopik 
Einbandart: gebunden
Umfang: 400 S.
Format (T/L/B): 4 x 18.5 x 12.5 cm
Gewicht: 422 g
Erscheinungsdatum: 02.11.2020
Rezension von Johanna Tirnthal auf kritisch-lesen.de:

Der historisch akkurate Krimi handelt von einer rassistischen Mordserie, dem korrupten Polizeiapparat und streikenden nordafrikanischen Arbeiter:innen.

Marseille im Spätsommer 1973. Der junge Kommissar Theodore Daquin sitzt auf seinem Balkon mit Blick auf den alten Hafen, trinkt Espresso und ruft seinen Geliebten an. Daquin ist aus dem Urlaub zurück. Er blättert in der Lokalzeitung - in einem Vorort gab es eine Schlägerei, es fielen Schüsse, ein Toter, ein Verletzter, beide gebürtig aus Algerien. Daquin ahnt nicht, dass dieser kleine, alltäglich wirkende Fall der Beginn dessen ist, was ihn in den nächsten Wochen beschäftigen wird.

Nordafrikanische Arbeiter:innen und ihre Familien sind in Marseille 1973 so allgegenwärtig wie heute. Doch die französische Regierung fährt zu dieser Zeit einen harten Anti-Einwanderungskurs. Der "Runderlass Marcellin-Fontanet", beschlossen im Herbst 1972, macht alle Migrant:innen ohne Arbeitsvertrag und ohne "anständige" Wohnung - das sind 86 Prozent von ihnen - schlagartig zu Illegalen. Allerorts regen sich Streiks, um Arbeitsverträge und anständige Wohnungen zu erkämpfen. Eine neue rechte Gruppierung hetzt dagegen, sie nennt sich Ordre Nouveau. Plakate mit dem Slogan "Stoppt die wilde Einwanderung" pflastern die Wände der südfranzösischen Innenstädte.
Als ein offensichtlich psychisch kranker Fahrgast algerischer Herkunft in einem Marseiller Bus dem bio-französischen Fahrer die Kehle durchschneidet, nutzen manche Akteur:innen den tragischen Vorfall, um die Situation eskalieren zu lassen. Rassistische Morde häufen sich.

Das ist der Ausgangspunkt von "Marseille.73" von Dominique Manotti. Wie alle ihre Krimis ist auch "Marseille.73" akribisch recherchiert. Die beschriebenen Ereignisse kommen der historischen Realität nah, ein Nachwort präzisiert: Im Sommer und Herbst 1973 sei es in Marseille tatsächlich zu 15 Morden an Algerier:innen gekommen. Die Ermittlungen verliefen, nicht unähnlich denen zum NSU, schleppend und lückenhaft. Hier setzt der Roman an: Kommissar Daquin, 27 Jahre jung, recht frisch von Paris nach Marseille versetzt, klettert tief hinein in das Geflecht des Marseiller Polizeiapparats.

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