Etel Adnan: Sitt Marie-Rose. Eine libanesische Geschichte

Artikelnummer: 978-3-518-46571-4

Beirut 1975: Die libanesische Christin Sitt Marie-Rose unterstützt palästinensische Flüchtlinge. Jetzt steht sie, schön und stolz wie eine Königin, vor Mounir. Im Konflikt zwischen Libanesen und Palästinensern hat sie es gewagt, das Freund-Feind-Schema ...

8,99 €

inkl. 7% USt. , zzgl. Versand

Lieferzeit: 6 - 10 Werktage



'Ich habe Marie-Rose gesehen. Ich erwartete, daß sie zerschlagen, vielleicht entstellt, eingeschüchtert ist. Nein. Sie steht vor mir so schön wie einst, als wir beide sechzehn Jahre alt waren und zusammen ins Gymnasium von Beirut gingen. Sie ist jetzt zweiunddreißig und hält sich wie eine Königin. Ich schwöre, sie ist schön', sagt Mounir.

Beirut 1975: Die libanesische Christin Sitt Marie-Rose unterstützt palästinensische Flüchtlinge. Jetzt steht sie, schön und stolz wie eine Königin, vor Mounir. Im Konflikt zwischen Libanesen und Palästinensern hat sie es gewagt, das Freund-Feind-Schema zu durchbrechen, als Verräterin wird sie verhaftet und soll nun ausgerechnet von ihm, ihrer alten Jugendliebe, verurteilt werden.


Autor*in / Hrsg.: Etel Adnan
Land im Fokus: Libanon
Literatur aus: Nordafrika/Nahost
Weitere Informationen: Suhrkamp TB Allgemein Bd. 4571
Übersetzt von: Eva Moldenhauer
Umfang: 122 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.1 x 17.7 x 10.8 cm
Gewicht: 106 g
Erscheinungsdatum: 10.11.2014

Rezension von Claire Horst auf AVIVA-Berlin:

Nur 120 Seiten hat dieser 1977 auf Französisch erschienene Roman. Und auf diesen wenigen Seiten schildert die bekannteste libanesische Schriftstellerin das ganze Elend des Bürgerkriegs. Auf zwei verschiedenen Zeitebenen, erzählt von mehreren Stimmen, entfaltet sich die Geschichte von Sitt Marie-Rose, die auf der wahren Geschichte von Marie Rose Boulos basiert.

Die syrische Christin Boulos hatte während des libanesischen Bürgerkriegs gehörlose Kinder unterrichtet und sich für palästinensische Flüchtlinge engagiert. Sie wurde von christlichen Milizen ermordet. Dass das Buch 1977 nur im muslimischen westlichen Teil von Beirut beworben wurde, jedoch nicht im mehrheitlich christlichen Osten der Stadt, zeigt die Brisanz des Themas.

Adnan lässt ihren Roman mit einer namenlosen weiblichen Erzählstimme beginnen. Diese Stimme berichtet von einem Konflikt mit einem Freund, dem Filmemacher Mounir. Sie soll für ihn ein Skript für einen Film schreiben, der syrische Arbeiter in Beirut darstellt. Doch sie wehrt sich gegen die klischeehaften Darstellungen, die Mounir vorschweben, und drängt auf eine realitätsnahe Schilderung. Kriegsberichterstattung statt Ethnokitsch, ein klarer politischer Standpunkt statt pittoresker Idylle. Und noch an einem weiteren Punkt übt sie Kritik: an der Rolle der Frauen im Libanon. Ironisch äußert sie sich über Mounir und seinen Freundeskreis, über ihre Kriegsspiele und ihren Unwillen, Frauen als gleichberechtigt zu betrachten.

Der zweite und längere Teil des Buches setzt mit der Perspektive einer Schulklasse ein. Die "Taubstummen" sprechen immer im Plural, sie treten nicht als Einzelpersonen auf. Und weil diese Kinder nicht hören und nicht sprechen, wirkt der Krieg, von dem sie erzählen, zugleich brutaler und unwirklicher als bisher. Sie erkennen am Beben der Erde, am Splittern der Fensterscheiben, dass Krieg ist, an der "merkwürdigen Ruhe", wenn Waffenstillstand ist. Und vor allem lieben sie ihre Lehrerin Sitt Marie-Rose, die von vier Männern verhaftet wurde.

» weiterlesen auf aviva-berlin.de

Durchschnittliche Artikelbewertung

Geben Sie die erste Bewertung für diesen Artikel ab und helfen Sie Anderen bei der Kaufenscheidung: