Fatima El-Tayeb: Undeutsch. Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft

Artikelnummer: 978-3-8376-3074-9

Nach Jahrzehnten scheinbarer Stabilität stolpert Europa in jüngster Zeit von Krise zu Krise. Hier zeigen sich die Folgen einer einseitigen Geschichtsaufarbeitung, die nach dem Mauerfall postfaschistische und postsozialistische Narrative zu einer westlich-kapitalistischen Erfolgsgeschichte verband, während die koloniale Vergangenheit unbeachtet blieb.

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Nach Jahrzehnten scheinbarer Stabilität stolpert Europa in jüngster Zeit von Krise zu Krise. Hier zeigen sich die Folgen einer einseitigen Geschichtsaufarbeitung, die nach dem Mauerfall postfaschistische und postsozialistische Narrative zu einer westlich-kapitalistischen Erfolgsgeschichte verband, während die koloniale Vergangenheit unbeachtet blieb.

Fatima El-Tayeb zeigt die Auswirkungen dieses Prozesses anhand des Beispiels deutscher Identität: Immer wieder werden rassifizierte Gruppen - insbesondere Schwarze, Roma und Muslime - als »undeutsch« produziert, als Gruppen, die nicht nur nicht zur nationalen Gemeinschaft gehören, sondern diese durch ihre Anwesenheit gefährden. Ein postmigrantisches Deutschland braucht daher nicht nur neue Zukunftsvisionen, sondern auch neue Vergangenheitsnarrative.

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Fatima El-Tayeb
Wissenschaft: Migrationswissenschaft postcolonial studies
politische Themen: Rassismus & kulturelle Hegemonie
Details: X-Texte zu Kultur und Gesellschaft
Umfang: 256 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2 x 22.5 x 14.8 cm
Gewicht: 424 g
Erscheinungsdatum: 30.09.2016

~ LESEPROBE ~

Rezension von Esther van Lück und Eddi Steinfeldt-Mehrtens auf kritisch-lesen:

Deutschland post-rassistisch? Wohl kaum. Die Entsolidarisierung mit vermeintlich "Undeutschen" ist allgegenwärtig.

Wie passt das zusammen - die mehrheitsgesellschaftliche Überzeugung, dass Rassismus nicht in Deutschland (und Europa) existiere, bei gleichzeitiger, fortwährender Abwertung von all jenen, die nicht als "deutsch" erachtet werden. Fatima El-Tayeb geht genau dieser Frage auf den Grund. Sie analysiert in ihrem Werk die Mechanismen, durch die Menschen in Deutschland als "undeutsch" und damit nicht-zugehörig konstruiert und gesellschaftlich ausgeschlossen werden. Anhand ihrer Betrachtung "zeitgenössischer deutscher Erinnerungsdiskurse" (S. 39) seit 1989 macht die Professorin für Literatur und Ethnic Studies die zugrunde liegenden Tiefenstrukturen der deutschen (und auch europäischen) Gesellschaft sichtbar, die an ihrem weißen, christlich-sozialisierten, als Zentrum von Demokratie und Menschenrechten verstandenen Selbstbild festhält.

"Undeutsch" nimmt eine explizit marginalisierte Perspektive ein, "nämlich die derjenigen, die in Vergangenheit und Gegenwart als 'undeutsch' kategorisiert wurden - als nicht nur nicht zur nationalen Gemeinschaft gehörend, sondern diese durch ihre Anwesenheit gefährdend, destabilisierend" (S. 34). Es fungiert als "Fortsetzung von als auch als Gegenstück" (S. 7) zum Vorgänger "Anders Europäisch" (2015). Es bezieht sich auf den deutschen Kontext und problematisiert den Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit Rassifizierten.

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