Franziska Bergmann, Franziska Schößler, Bettina Schreck: Gender Studies

Artikelnummer: 978-3-8376-1432-9

Die Gender Studies haben sich in den letzten Jahren zu einer der zentralen Forschungsperspektiven entwickelt. Dieser Band bietet eine systematische Einführung in die wichtigsten Theorien und Ansätze.

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Die Gender Studies haben sich in den letzten Jahren zu einer der zentralen Forschungsperspektiven entwickelt. Dieser Band bietet eine systematische Einführung in die wichtigsten Theorien und Ansätze. Anhand von ausgewählten Originaltexten werden die Anfänge der Frauenforschung, aktuelle Fragestellungen der Queer Theory und Verknüpfungen mit anderen Fachrichtungen vorgestellt.

Klassische Ansätze der US-amerikanischen Geschlechterforschung sind erstmalig in deutscher Übersetzung abgedruckt und wurden für die Lehre in den Bachelor- und Master-Studiengängen aufbereitet.

Aus dem Inhalt: 
Weibliches Schreiben und kulturelle Weiblichkeitsrepräsentationen (Virginia Woolf)
Geschlecht als soziale Konstruktion (Simone de Beauvoir)
Performativität der Geschlechtsidentität (Judith Butler)
Anknüpfungen an die Postcolonial Studies (Gayatri Gopinath),
die Naturwissenschaft (Donna Haraway)
und die Literaturwissenschaft (Eve Kosofsky Sedgwick)

Autor*in / Hrsg.: Bettina Schreck Franziska Bergmann Franziska Schößler
Wissenschaft: postcolonial studies
Weitere Informationen: u. Mitarbeit v.: Schössler/ Woolf/ Beauvoir u.a.
Umfang: 315 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.5 x 22.5 x 15
Gewicht: 515 g
Erscheinungsdatum: 15.05.2012

Rezension von Sophia Gayana Ermert auf querelles-net:

Abstract: In Form eines Readers führen die Herausgeberinnen in einflussreiche Theorien, Schlüsselbegriffe und Texte der Gender Studies ein. Dabei sollen explizit Kanonisierungstendenzen dargestellt werden, wie sie sich an deutschen Universitäten entwickelt haben, und diese durch bedeutende Texte aus den USA ergänzt werden. So ist eine spannende Textauswahl entstanden; Theorien und Begriffe werden verständlich erläutert. Kritische Fragen nach Ausschlüssen von Ansätzen oder Texten durch Kanonisierung sowie nach der strukturellen Bedeutung von Inter- bzw. Transdisziplinarität für die Gender Studies werden jedoch leider nicht gestellt.

Das Studienfach Gender Studies ist an deutschen Universitäten noch relativ jung. In Form eines Readers wollen die Herausgeberinnen, die alle drei aus den Literaturwissenschaften kommen, Studierenden der Gender Studies einen guten Einstieg ins Studium ermöglichen. Er besteht aus drei Teilen: "Bürgerliche Geschlechterhierarchie und emanzipative Ansätze", "Gender und Queer Studies" sowie "(Inter-)Disziplinäre Anschlüsse". Jeder Abschnitt enthält eine von den Herausgeberinnen verfasste Einführung und fünf Schlüsseltexte (bzw. Textauszüge). Begleitet wird jeder Schlüsseltext von kurzen biographischen Angaben zu den Autor_innen und von weiterführender Literatur.

Beim Lesen des Readers haben sich für mich folgende Fragen ergeben: Inwiefern befassen sich die Herausgeberinnen mit den in den Gender Studies diskutierten Problemen der Ausschlüsse durch Kanonbildung? Wie ist Gender-Wissen in dem Reader strukturiert und wie wird Inter- bzw. Transdisziplinarität thematisiert? Schließlich wird es um die Frage gehen, für wen diese Einführung geschrieben ist.

Kanonisierungstendenzen

Eine Einführung in die Gender Studies zu verfassen ist keine leichte Aufgabe. Eine kritische Auseinandersetzung mit Kanonisierung und anderen Mechanismen, die wissenschaftliche Disziplinen ausmachen, ist für viele Wissenschaftler_innen der Gender Studies ein Anliegen. Das wird z. B. in dem 2005 im VS Verlag Wiesbaden erschienenen Sammelband Quer denken - Strukturen verändern. Gender Studies zwischen den Disziplinen von Heike Kahlert, Barbara Thiessen und Ines Weller deutlich. Neben der Thematik der Inter- bzw. Transdisziplinarität der Gender Studies wird hier auch die Frage nach der (Re-)Produktion von Ausschlüssen durch das Festlegen von Leselisten für Prüfungen oder Textauswahl in Handbüchern bzw. Seminarreadern gestellt.
Es geht also auch um die kritische Frage, was 'Gender Studies' als Disziplin ausmacht und inwiefern eine Institutionalisierung als wissenschaftliche Disziplin (notwendigerweise) Ausschlüsse produziert. Eine Einführung greift auf die Vorteile von Kanonisierung zurück. Jenen, die gerade anfangen, sich mit einem Forschungsgebiet auseinanderzusetzen, soll eine Orientierungshilfe gegeben werden. Das ist durchaus legitim, schließlich wäre es eigentümlich anzunehmen, in den Gender Studies gäbe es so etwas wie Kanonisierungstendenzen, Schlüsseltexte, einflussreiche Theoriestränge nicht (vgl. Sabine Hark im oben genannten Sammelband; zum Zusammenhang von Orientierung und Kanonisierung vgl. außerdem Susanne Baer ebd.). Gleichzeitig stehen Gender Studies aber für ein kritisches Hinterfragen und Analysieren von Machtverhältnissen nicht nur in Bezug auf Geschlecht; das wird hier sozusagen zum Programm erklärt. Da liegt eine Problematisierung der Ausschlussmechanismen, wie sie durch das Abbilden eines Kanons in einer Einführung entstehen, nahe.

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