Franziska zu Reventlow: Von Paul zu Pedro. Amouresken

Artikelnummer: 978-3-86915-079-6

Die Schwabinger Bohémienne, die mit ihrem unkonventionellen Liebesleben für Aufsehen sorgte, schrieb über das Phänomen »Mann« in all seinen Erscheinungen. Ganz im Stil einer klassischen Hetäre weiß sie elegant über die Spielarten der Liebe zu plaudern...

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In ihrem ersten Roman verarbeitete Franziska zu Reventlow die bedrückende Kindheit in ihrem aristokratischen Elternhaus. Für ihren zweiten Roman 'Von Paul zu Pedro' wählte sie ein Thema, das ihr nicht weniger vertraut, doch weitaus amüsanter erschien. Die Schwabinger Bohémienne, die mit ihrem unkonventionellen Liebesleben für Aufsehen sorgte, schrieb über das Phänomen »Mann« in all seinen Erscheinungen.

Ganz im Stil einer klassischen Hetäre weiß sie elegant über die Spielarten der Liebe zu plaudern - mit viel Esprit, mit spöttischer Leichtigkeit und einer gehörigen Portion Selbstironie. Ihre lebensklugen Erkenntnisse teilt die Erzählerin mit einem 'Doktor' genannten Briefpartner - dahinter verbirgt sich der Schriftsteller Franz Hessel -, dem sie vertrauensvoll tiefe Einblicke in ihr libertäres Liebesleben und in die verschiedenen Charakter der Protagonisten gewährt. Da gibt es den Typus Retter, der an die 'wahre Liebe' glaubt und doch nur an Selbstüberschätzung leidet, die elegante Begleitdogge, 'zum Verzagen langweilig, aber unwiderstehlich elegant', den fremden Mann, der für 'tiefe Sensation ohne Gemütsbeteiligung' steht, die Dichter- und die Konversationsliebe, nicht zu vergessen all die vielen Pauls und Pedros. Eine amüsante Studie über das Wesen des - liebenden - Mannes, die auch hundert Jahre nach Erscheinen des Romans keineswegs überholt erscheint.


Autor*in / Hrsg.: Franziska zu Reventlow
Belletristik: Klassikerinnen historischer Roman
Weitere Informationen: Blue Notes 51
Umfang: 128 S.
Einband: Halbleinen
Format (T/L/B): 1.7 x 19 x 12
Gewicht: 221 g
Erscheinungsdatum: 12.06.2013

~ LESEPROBE ~

Rezension von Lea Albring auf AVIVA-Berlin:

Ihren Spitznamen "Skandalgräfin" verstand "Fanny" zu Reventlow bisweilen als Kompliment, bewusst und eigensinnig führte sie ein Leben, das nicht nur aus dem Rahmen, sondern aus der Zeit fiel. So verbergen sich hinter dem amüsanten Plauderton ihres Briefromans essenzielle (Selbst-)Erkenntnisse, die mit visionärer Strahlkraft düstere Rollenklischees und antiquierte Lebensmodelle ausleuchten - und das bis in die Gegenwart hinein.

Ein rebellischer Geist

"Treue ist vielleicht eine besondere Begabung, ein Talent. Wie kann man Talent von jemand verlangen, der es nicht hat? Aber ich meine, es lässt sich durch Takt und Diskretion ersetzen." Nicht nur in Bezug auf Liebesdinge war die Autorin und Pragmatikerin, die hauptsächlich schrieb, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, auf ganzer Linie unkonventionell. Als rebellischer Freigeist konnte sie den biederen Moralvorstellungen des frühen 20. Jahrhunderts genauso wenig abgewinnen wie ihrer Herkunft aus hohem Hause. Strikten Verhaltensregeln und dem Gefängnis der Etikette entkam sie in Münchener KünstlerInnen- und Bohemienkreisen - zunächst. Schon bald stieß sie, die aus ihren wechselnden Männerbekanntschaften nie einen Hehl machte, auch hier auf paradox definierte Toleranzgrenzen, die sie in ihrer Freiheit beschnitten: "[D]er schlechte Ruf verpflichtet. Man kann sich so vieles nicht leisten, was eine unbescholtene Frau ruhig tun darf. Jedes männliche Wesen, mit dem man über die Straße oder ins Restaurant geht, wird einem aufgerechnet. Sind es zufällig vier oder fünf an einem Tag, so werden alle vier oder fünf gebucht."

Süffisante Hellsichtigkeit

Die Zitate stammen aus dem stark autobiografisch geprägten Briefroman "Von Paul zu Pedro" (1912), in dem die Bohemienne hinter der Fassade der Fiktion resolut und bestimmt ihre Ansichten zu Liebe, Erotik und Männern vertritt. Sie kokettiert mit einer Typologie des Mannes, wenn sie kategorische zwischen der "Begleitdogge", dem "Rettertypus" und dem verheißungsvollen "Fremden" unterscheidet. Ihre frappierende Offenheit kleidet sie in die Süffisanz des Plaudertons, der sich irgendwo zwischen nüchternem Pragmatismus, spitzzüngiger Übertreibung und einer besonderen Hellsichtigkeit verortet: "Also, er ist fort - zu seiner Frau und seinen Kindern. Lächeln Sie nicht so niederträchtig, ich kann doch nichts dafür, daß alle möglichen Leute Frau und Kinder haben. Man darf schon froh sein, wenn sie sich nicht scheiden lassen wollen, um einem ´fürs Leben anzugehören´."

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