Hedwig Dohm: Sommerlieben. Freiluftnovelle

Artikelnummer: 978-3-938740-25-5

Marie Luise, eine Frau mittleren Alters mit wachem Geist, einem entlarvend klarem, bisweilen ironischen Blick auf ihre Mitmenschen und einem unbezähmbaren Sinn für die menschliche Komödie, reist zu Beginn des letzten Jahrhunderts in die Sommerfrische an die Ostsee...

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Marie Luise, eine Frau mittleren Alters mit wachem Geist, einem entlarvend klarem, bisweilen ironischen Blick auf ihre Mitmenschen und einem unbezähmbaren Sinn für die menschliche Komödie, reist zu Beginn des letzten Jahrhunderts in die Sommerfrische an die Ostsee. In Briefen an den Mann ihrer verstorbenen Schwester, der ihr seine beiden Kinder in Obhut gibt, schildert sie die Erlebnisse ihres Kuraufenthaltes und die Entwicklungen ihres Herzens. Mit der Welt der Kurorte skizziert Hedwig Dohm ein Abbild der Gesellschaft: Ihre Novelle enthüllt Standesdünkel und kleinbürgerliche Piefigkeit und zeigt das wachsende Selbstbewusstsein der Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts und die schrankenbrechende Kraft der Ironie.

Eine amüsante Novelle in Briefen aus der Welt der Seebäder, Strandkörbe und Liegestühle, der Lufthungrigen und Erlebnislustigen. Man lernt sich kennen und findet unverhoffte 'Sommerlieben'.
In ihrer Novelle skizziert Hedwig Dohm ein Abbild der Gesellschaft. Sie schildert uns mit Komik und Ironie Standesdünkel und Kleinherzigkeit, den Spießer in vielfältiger Escheinung. Dagegen setzt sie ihre warmherzige Art, die Menschen und besonders die Kinder mit Humor zu nehmen.


Autor*in / Hrsg.: Hedwig Dohm
Belletristik: Klassikerinnen historischer Roman
Weitere Informationen: Blue Notes 33
Umfang: 126 S.
Einband: Halbleinen
Format (T/L/B): 1.7 x 19.1 x 12.3
Gewicht: 219 g
Erscheinungsdatum: 25.06.2013

~ LESEPROBE ~

Rezension von Julia Lorenz auf AVIVA-BERLIN:

Verwicklungen zwischen Kurschatten und Kaffeerunden: Nicht aus den Literatursalons Berlins, sondern aus den Strandkörben eines kleinbürgerlichen Badeorts schreibt Frauenrechts-Pionierin Dohm mit ihrer "Freiluftnovelle" gegen die bigotte Gesellschaft des ausklingenden neunzehnten Jahrhunderts an.

Ein Druckfehler rettet Marie Luises Ehre in der Pension, die sie im Seebad Salentin bewohnt. Statt als unverheiratete Frau führt die Kurliste sie als Witwe - zur großen Erleichterung der Hausangestellten Alma: "Almchen hat mich so sehr gebeten, es dabei bewenden zu lassen, sie findet es viel respektierlicher, bei einer Frau als bei einem Fräulein zu dienen", berichtet sie Ferdinand, dem Mann ihrer verstorbenen Schwester, in einem ihrer zahlreichen Schreiben.

Urlaub für ein "spätes Mädchen"

Marie Luise, eine "Frau mittleren Alters", reist zur Kur an die Ostsee. Neben den Kindern ihres Schwagers, die den Sommer bei ihr verbringen, bieten vor allem die BewohnerInnen Salentins und andere Kurgäste viel Stoff für ihre pointierten, bisweilen bissigen Briefe: Ganz stille, kluge Beobachterin, bewegt sich Marie Luise in der Gesellschaft des biederen Seebads als unauffällige Besucherin - und entlarvt die spießbürgerlichen Gepflogenheiten im Schriftverkehr mit Ferdinand umso gnadenloser. Die amourösen Nöte ihrer zwölfjährigen Nichte Hanna, die Annäherungsversuche des kühlen Doktor Garwin, jedoch auch eigene Eitelkeiten und Verfehlungen beleuchtet sie mit subtiler Ironie und wirft gleichzeitig Schlaglichter auf viele gesellschaftliche Missstände um die Jahrhundertwende. "Dass sie Schriftstellerin ist, kann dich nicht schrecken. Welche Frau schriftstellert denn heute nicht? Als Äquivalent wirft sie eine wahrhaft mustergültige Hausfrauentüchtigkeit in die Waagschale", beruhigt sie ihren verwitweten Schwager, als sie diesem die junge, resolute Isolde als potentielle Heiratskandidatin schmackhaft machen möchte.

Dass weibliche Eigenständigkeit alles andere als erwünscht oder gar attraktiv ist, haben jedoch nicht nur die Herren verinnerlicht: "Ein Buch, in dem ein Atheist oder eine Emanzipierte vorkommt, liest keine anständige Frau", stellt "Kusine Bär", die keine Möglichkeit ungenutzt lässt, um Marie Luise als "alte Jungfer" zu belächeln, klar. Mit Seitenhieben auf ihren Status als ewiges "Mädchen", Fragen nach dem Grund für den fehlenden Ehering am Finger und verniedlichenden Spitznamen wie Luischen wird der Protagonistin ein Status als gestandene Frau permanent abgesprochen.

Was bei LeserInnen im einundzwanzigsten Jahrhundert intuitiv für Empörung sorgt, dürfte in modifizierter Form noch immer zu beobachten sein: Obwohl die "Jungfer" mittlerweile in der Mottenkiste antiquierter Boshaftigkeiten zu lagern scheint, dominiert die Wahrnehmung unverheirateter, kinderloser Frauen über Vierzig als "Versagerinnen" noch immer das Weltbild (zu) vieler Menschen.

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