Hedwig Pringsheim: Mein Nachrichtendienst: Briefe an Katia Mann 1933-1941 (2Bd.)

Artikelnummer: 978-3-8353-0253-2

Die einstmals gesellschaftlich, kulturell und auch materiell herausragende Münchener Familie Pringsheim war 1933 den nationalsozialistischen Repressionen ausgeliefert. In den 375 Briefen an ihre Tochter Katia...

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Die einstmals gesellschaftlich, kulturell und auch materiell herausragende Münchener Familie Pringsheim war 1933 den nationalsozialistischen Repressionen ausgeliefert. In den 375 Briefen an ihre Tochter Katia, die bereits 1933 mit Thomas Mann Deutschland verlassen hatte, trotzte Hedwig Pringsheim dem sie umgebenden und sie selbst betreffenden Unrecht mit Verschlüsselungen sowie zahlreichen literarischen, musikalischen und historischen Anspielungen. Bei aller witzigen Offenheit sind ihre Briefe daher buchstäblich versiegelt.

Der in seiner Art beispiellose mütterliche 'Nachrichtendienst' (15.10.1934) der Hedwig Pringsheim erlaubt einzigartige Einblicke in das Münchener Leben während der ersten Jahre der NS-Diktatur. Der Verlust der Gegenbriefe Katia Manns lässt sich durch die Tagebücher Thomas Manns inhaltlich weitgehend kompensieren. Bei der Dechiffrierung und ausführlichen Kommentierung dieses einzigartigen document humain halfen Informationen aus den Tagebüchern Hedwig Pringsheims ebenso wie neu aufgefundene Briefe von und an Thomas, Katia und Erika Mann sowie Klaus und Peter Pringsheim.

Autor*in / Hrsg.: Dirk Heißerer Hedwig Pringsheim
Biografien von/über: Frauen an der Seite berühmter Männer Schauspielerinnen
Zeitepoche: 20. und 21. Jh.
Weitere Informationen: Hrsg. von: Dirk Heißerer
Einband: Leinen in Kassette
Format (T/L/B): 9.6 x 24 x 15.3
Gewicht: 2.258 g
Einband: Gebunden
Erscheinungsdatum: 25.04.2013

Buchrezension von Hermann Kurzke in "Die Welt" vom 05.04.2013:

Wie Manns Schwiegermutter Hitlers Druck standhielt

Hedwig Pringsheim war die Schwiegermutter Thomas Manns. Bis 1939 blieb sie in Deutschland. Ihre Briefe, die jetzt herauskommen, sind ein bewegendes Zeugnis aus dem Alltag des Dritten Reichs.

Format hatte sie ohne Frage, die alte Dame, die dem Holocaust nur knapp entrann. Das Mitleid, das ihr Schicksal während der Nazizeit weckt, liegt dennoch im Widerstreit mit anderen Gefühlen. Hedwig Pringsheim ist eine Verfolgte des Naziregimes, aber in das geläufige Schema passt sie nicht. Sie war ein Opfer, aber sie hatte stets Dienstboten. Sie war Jüdin, aber das Wort will auf sie nicht passen.

"Kein Gedanke an Judentum kommt auf, diesen Leuten gegenüber", schrieb Thomas Mann 1904 an seinen Bruder Heinrich, "man spürt nichts als Kultur". Hedwig Pringsheim war schwerreich und lachlustig, selbstgefällig und eigensinnig, querköpfig und unbelehrbar, bizarr und originell, verwöhnt und verblendet. Nicht typisch für irgendeine Klasse, aber in ihrer Einmaligkeit bemerkenswert.

Hochwillkommen ist deshalb die ausgezeichnete Edition ihrer Briefe an Katja Mann aus den Jahren 1933 bis 1941, die Dirk Heißerer jetzt im Wallstein-Verlag vorlegt, gefördert von mehreren namhaften Stiftungen, ohne die das Vorhaben nicht machbar gewesen wäre. Es sind 375 lange Briefe einer im Reich gebliebenen Jüdin an ihre emigrierte Tochter.

Geistertanz einer Greisin

Geisterhafter Tanz einer Greisin auf dünnen Brettern, unter denen die Hölle brodelt. Sie schreibt gut, aber sie ist auch eine Meisterin im Wegsehen, Verharmlosen und Ausweichen. Sie füllt Seite um Seite mit spitz pointierten Nebensächlichkeiten, um den Haupt- und Tatsachen zu entkommen. Das wiederum gibt auch den Nebensachen ein paradoxes Gewicht. Auch wenn sie nur tratscht, hört man die Geräusche des nationalsozialistischen München mit.

Es war deshalb eine richtige Entscheidung, den gesamten Briefbestand ungekürzt zu bringen, auch wenn dadurch eine riesige Unternehmung entstand - über sechshundert Seiten Briefe, mehr als tausend Seiten Erläuterungen, Materialien und Register. Im Kommentar findet man all das Ausgesparte, die Realitäten hinter den Anspielungen, die Dokumente der Nazibehörden, die Schicksale der Verschwundenen, die Inventarlisten der Kunstschätze.

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