Heidemarie Koch: Frauen und Schlangen. Geheimnisvolle Kultur der Elamer in Alt-Iran

Artikelnummer: 978-3-8053-3737-3


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Im 5. bis 1. Jt. v. Chr. hatte sich in Alt-Iran eine Hochkultur herausgebildet, die zu den Größten des alten Vorderen Orients zählte - die Kultur der Elamer. Lange vor dem Turm zu Babylon errichteten Elamer die ersten Stufentempel (Zikkurats). Sie trugen entscheidend zur Entwicklung der Schrift bei. Verwaltung, Historiographie, Dichtung und Wissenschaft haben im Iran ihre Wurzeln.

Frauen hatten in dieser Gesellschaft eine ganz besondere Bedeutung - sie bestimmten den legitimen Thronfolger. Schlangen waren allgegenwärtig in der Symbolwelt des Göttlichen. Die Elamer spielten noch nach Untergang ihres Reiches zu Zeiten des persischen Großkönigs Dareios eine besondere Rolle als Gelehrte und Schreiber. Auf der Grundlage neuester Forschungen gibt der Band Einblicke in Religion, Kultur und Geschichte eines Reiches im heutigen Iran, das bislang zu den großen Unbekannten der frühen Hochkulturen des Vorderen Orients zählte.

Autor*in / Hrsg.: Heidemarie Koch
Weitere Informationen: Kulturgeschichte der antiken Welt 114
Umfang: 188 S., 70 Farb- und s/w-Abb.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 1.5 x 25.6 x 18
Gewicht (incl. Verpackung): 652 g
Erscheinungsdatum: 25.04.2007

Vorwort 9
Wer waren die Elamer? 11
Elam ? wo lag dieses Land eigentlich? 14
Die ersten Städte entstehen (um 4000 v.Chr.) 15
Topographie und Umwelt 15
Eine neue Stadt ? Susa ? wird gebaut 16
Wurde in Susa die erste Zikkurat errichtet? 18
Wie sahen die frühen Tempel aus? 19
Der »Apadana-Hügel« und eine erste Zerstörung Susas 21
Ein rätselhafter Friedhof 22
Geheimnisvolle Symbole 23
Tiermotive 26
Das kiden-Zeichen 27
Tabuisierung der Götter 29
Götterfiguren 30
Frühe Formen einer Verwaltung ? der Beginn der Bürokratie 32
Götter und Menschen in der zweiten Hälfte
des 4. Jahrtausends v.Chr. 35
Aufbruch in neue Zeiten ? die Entwicklung der Schrift 35
Wo wurde die Schrift erfunden? 39
Früheste Götterdarstellungen 42
Gott oder Herrscher? 43
Die elamischen Tempel und ihr Schmuck 45
Die Menschen und ihre Umwelt 47
Depotfunde und Weihegaben 47
Alltag und kultische Feiern 52
Siegelabdrücke und Glockentöpfe 56
Rationen als Entlohnung 58
»Typisch Elamisch« 60
Gewaltige Anlagen künden von Reichtum
und Einfluß (etwa 3000?2500 v.Chr.) 64
Blühende Handelszentren im Südosten Irans 64
Tepe Yahya und Djiroft 64
Schahdad und Schahr-i Sochte 71
Konkurrenz macht erfinderisch! 75
Anschan ? das elamische Zentrum im Herzen Irans 77
Erste historische Nachrichten ? das Entstehen der frühen
Reiche (2.Hälfte des 3. Jahrtausends v.Chr.) 81
Die Akkader und die Könige von Awan 81
Der Vertrag mit Naram-Sin ? die erste elamische Urkunde 85
König Kutik-Inschuschinak, »der von Gott Inschuschinak
Beschützte« 86
Wie entziffert man eine unbekannte Schrift? 88
Königliche Kunstwerke und Bauten für die Hauptstadt 91
Die Könige von Simaschki ? Entstehung eines Reiches am
Ende des 3. Jahrtausends v.Chr. 104
Die elamischen Großregenten
(etwa 1900?1500 v.Chr.) 109
Ein Lichtstrahl in »dunklen Jahrhunderten« ?
Kabnak (Haft Tepe) 118
Eine Zikkurat in Kabnak 118
Der König und Bauherr Tempt-ahar 120
Eine weitere Zikkurat und eine rätselhafte Grabstätte 121
Porträt eines Königs des 14. Jahrhunderts v.Chr.? 124
Ein weiteres Grab 126
Elams Blütezeit (14.?12. Jahrhundert v.Chr.) 129
Dur-Untasch, die heilige Stadt des Königs
Untasch-Napirischa 130
Die Zikkurat 132
Die Tieftempel der Zikkurat 138
Kleinere Tempel 140
Die kostbare Bronzestatue einer Königin 142
Königsgräber 145
Jahre der Eroberer (12. Jahrhundert v.Chr.) 147
Kriegs- und Beutezüge 147
König Schilhak-Inschuschinak beherrscht ein Großreich 148
Heiratsgeschichten und Familienleben 149
Niederlage 150
Anschan ? die zweite Hauptstadt Elams 151
Frauen und Schlangen 153
Elamische Götter 158
Wie es gewesen sein könnte:
Ein Tag aus dem Leben des Priesters Schutruru 163
Unruhige Zeiten für Elam ? das 1. Jahrtausend v.Chr. 170
Eine neue Macht etabliert sich: Meder und Perser 173
Kämpfe gegen Assyrien 174
Das Ende Elams 175
Elam und Elamer im Perserreich 178
Die elamische Schrift im Dienste des Dareios 179
Schlußbetrachtung 182
Dank 184
Bibliographie 185
Bildnachweis 187
Die elamischen Tempel und ihr Schmuck

Von den frühen Tempelbauten auf der Terrasse von Susa hat sich so gut wie nichts erhalten, da die Gebäude immer wieder zerstört worden und die Lehmziegel zerflossen sind. Doch haben die Archäologen eine ganze Reihe von Hinweisen auf diese Bauten gefunden und winzigste Fragmente dem ursprünglichen Ganzen zugeordnet. So können wir erahnen, was sich einst auf der Akropolis von Susa erhoben hat. Beispielsweise fand man ganze Reihen von Tonnägeln. Sie lagen offenbar noch so da, wie sie bei einer gewaltsamen Zerstörung des Bauwerks heruntergefallen waren. Sie kennzeichnen somit durch ihre Lage die Ausmaße des Gebäudes, das sie einstmals schmückten. Es läßt sich erschließen, daß die Bewohner von Susa um die Mitte des 4. Jts. v. Chr. nach den vorangegangenen Zerstörungen direkt auf der großen Plattform der frühesten Zeit (4200?3500 v. Chr.) zunächst einen 1m hohen Sockel und darauf eine weitere, 3m hohe Plattform errichtet hatten. Sie muß in Nord-Süd-Richtung mindestens 60m lang gewesen sein (die Ost-West-Ausmaße sind unbekannt) und diente wohl als Unterbau für den Haupttempel der Stadt. Geschmückt war er mit den genannten Tonnägeln. Derartige Verzierungen waren ja bereits in der frühesten Stufe von Susa üblich. Sie sind im Laufe der Zeit zu immer kleineren Stiften geworden, deren Köpfe gern rot, schwarz oder weiß eingef ärbt wurden. Es gab sogar eine besondere Form von gleichmäßig kleinen Stiften, die dicht an dicht in die Wände gesetzt wurden, so daß große Mosaikflächen mit verschiedenen Zickzackmustern entstanden. Solche Mosaikstifte hat man sogar in verschiedenen Dörfern der Susiana gefunden. Demnach müssen auch dort prächtig ausgestattete Bauten, vielleicht Tempel oder herrschaftliche Anlagen, gestanden haben. Der oben betrachtete Siegelabdruck von etwa 3200 v. Chr. aus Susa, der sich in mehreren Exemplaren erhalten hat, gibt uns auch eine gute Vorstellung von dem Aussehen eines Tempels dieser Zeit. Ein mit riesigen Hörnern versehenes, hohes Gebäude steht auf einem Sockel. Hörner waren offenbar eine Besonderheit elamischer Tempel. Steinböcke mit überdimensionalen Hörnern und Hörner allein als Symbole fallen von Anfang an bei der Keramik von Susa auf. Doch auch in anderen alten Siedlungsstätten des iranischen Hochlandes spielten sie eine hervorragende Rolle. Sie hatten offenbar für die Bewohner Irans eine besondere Bedeutung. Aus sehr viel späterer Zeit bestätigt uns der Assyrerkönig Assurbanipal (668? 627 v. Chr.), daß Hörner an Tempeln etwas typisch Elamisches waren. Er rühmt sich nämlich, Susa geschleift zu haben; und ganz besonders hebt er hervor: »Ich zerstörte die Zikkurat von Susa, die aus Lapislazuli-Ziegeln erbaut war; ich zerbrach ihre Hörner, die aus glänzendem Kupfer gegossen waren«. Kupferhörner haben sich nicht erhalten, doch sind große, aus Stein gearbeitete Hörner gefunden worden, die von der Verzierung eines frühen Tempels stammen könnten. Kleine, aus besonders feinem Ton gearbeitete Hörner, die mit roten Streifen bemalt waren, sind aus den frühesten Schichten von Susa zutage gekommen. Auch ihre Bedeutung wird in kultischem Zusammenhang zu suchen sein; vermutlich dienten sie als Amulette oder einfache Weihegaben. Auf dem Siegelbild steht der Tempel auf einem Sockel, ebenso wie es auch die archäologischen Funde gezeigt haben. Der Sockel ist durch mehrfach abgestufte Felder gegliedert. Auch das Bauwerk zeigt hochgezogene, dreifach gestufte Nischen, in deren linker wohl die quergegliederte Tür angegeben ist. Darüber zieht sich eine Reihe kleiner Rechtecknischen entlang, die über der Tür etwas breiter zu sein scheinen. Zwei schmale Streifen bilden den oberen glatten Abschluß. Auf der rechten Ecke (die linke ist nicht erhalten) ist eine kleine Spitze zu sehen. Wir gewinnen hier also einen recht guten Eindruck von einem Tempelbau der zweiten Hälfte des 4. Jts.v. Chr. in Susa. Dieser kann noch durch weitere Funde ergänzt werden. So zeigen Reste eines kleinen Modells aus einem weichen, grau-rosa Stein, ebenfalls von der Akropolis von Susa, eine ganz ähnliche Front. Dieses Modell muß nach der Fundlage zu den frühesten Schichten von Susa gehören. Wir hätten damit einen wichtigen Hinweis darauf, daß die schlichte, doppelt gegliederte Fassade bereits zu Beginn des 4. Jts. v. Chr. eingeführt worden war.

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