Heike Guthoff: Kritik des Habitus. Zur Intersektion von Kollektivität und Geschlecht in der akademischen Philosophie

Artikelnummer: 978-3-8376-2424-3

Die Bourdieu'sche Fassung des Habitus-Begriffs findet international disziplinenübergreifende Anerkennung. In Heike Guthoffs Studie wird er mit Blick auf das sozialphilosophisch problematische Verhältnis von Subjektivität und Kollektivität einer Modifikation unterzogen.

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Die Bourdieu'sche Fassung des Habitus-Begriffs findet international disziplinenübergreifende Anerkennung. In Heike Guthoffs Studie wird er mit Blick auf das sozialphilosophisch problematische Verhältnis von Subjektivität und Kollektivität einer Modifikation unterzogen. 'Habitus' wird hier im Lichte der Kategorie Geschlecht betrachtet, ohne jedoch geschlechtliche Differenzen vorauszusetzen: Liegen kollektive Dispositionen, wie Bourdieu es nahelegt, immer in genau zwei Formen vor, sozusagen einmal in hellblau und einmal in rosa? Bourdieu folgend gewinnt die Autorin ihre begrifflichen Einsichten empirisch - nämlich anhand einer Analyse der Fachkultur der akademischen Philosophie.

Autor*in / Hrsg.: Heike Guthoff
Weitere Informationen: Edition Moderne Postmoderne
Umfang: 328 S., zahlr. Abb.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.5 x 22.5 x 15
Gewicht: 515 g
Erscheinungsdatum: 15.06.2013

~ LESEPROBE ~

Interview mit Heike Guthoff

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es nicht langweilig ist: Der Band modifiziert eine etablierte Theorie anhand eines unerforschten Gegenstands mit Hilfe einer unerprobten Methode und leistet damit empiriebasierte Begriffsarbeit. Er bricht also mit einer Reihe von Selbstverständlichkeiten, ohne dabei jedoch an Anschlussfähigkeit zu verlieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Studie zielt auf eine Revision des Bourdieuschen Habitusbegriffs, da dieser in Bourdieus Spätwerk, aber auch innerhalb des Rezeptionsfeldes weg vom Kollektiv hin zum Individuum gerückt ist. Diese Begriffsverwirrung wird besonders deutlich, wenn man die Kategorie Geschlecht hinzuziehen möchte ohne sie als bedeutungsvoll vorauszusetzen, so wie Bourdieu, seine Leser/-innen, und die Gender Studies es üblicherweise tun. Implizit spricht der Band damit auch die Sinnhaftigkeit von Frauenquoten an.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Untersuchung bringt frischen Wind in jede am Habitus und an ?implizitem Wissen? interessierte Forschung; sie stellt eine Lösung für das Reifikationsproblem der Gender Studies bereit, indem sie das Einklammern geschlechtlicher Differenzen erlaubt; sie macht Phänomene von Intersektionalität in Abhängigkeit von Forschungsfragen greifbar; sie reflektiert den Stellenwert von Empirie innerhalb der Philosophie sowie deren vermeintliche Geschlechtsneutralität.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Hannah Arendt und Pierre Bourdieu.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Habitus revisited ? frischer Wind und Zündstoff für eingefahrene Debatten.

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