Hélène Cixous: Gespräch mit dem Esel

Artikelnummer: 978-3-902902-52-8

In diesem Essay betont Hélène Cixous wie in keinem anderen ihrer Texte die immanente Verbindung von Widerstand und Schreiben. Statt im Prozess des Schreibens auf das Offenkundige der uns umgebenden Welt zu fokussieren, geht es Cixous um das Verborgene.

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In diesem Essay betont Hélène Cixous wie in keinem anderen ihrer Texte die immanente Verbindung von Widerstand und Schreiben. Statt im Prozess des Schreibens auf das Offenkundige der uns umgebenden Welt zu fokussieren, geht es Cixous um das Verborgene. Jedoch bedarf diese Annäherung an das Unbekannte eines "blinden Schreibens", welches eine auf das Objekt des Schreibens zentrierte Perspektive radikal hinter sich lässt und eine durch Poetik wirksam werdende Utopie einer anderen, alle Bedeutungen queerende Welt sichtbar macht.

Autor*in / Hrsg.: Elisabeth Schäfer Esther Hutfless Hélène Cixous
Details: Herausgegeben von Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer
Umfang: 126 S.
Einband: Kartoniert
Erscheinungsdatum: 15.06.2017

Rezension von Bettina Schmitz auf beziehungsweise-weiterdenken:

Mit Das Lachen der Medusa ist ein Text der französischen Philosophin Hélène Cixous aus dem Jahr 1975 nach beinahe 40 Jahren nun endlich auch in deutscher Sprache erschienen. Die drei Herausgeberinnen Esther Hutfless, Gertrude Postl und Elisabeth Schäfer haben dem Text zeitgenössische Beiträge zur Seite gestellt. Diese würdigen den Text in seiner historischen Bedeutung, stellen die Verbindung zur philosophisch-patriarchalen Tradition her, ohne sich von dieser vereinnahmen zu lassen und tragen auf diese Weise zur feministischen Traditionsbildung bei. Wie die Autorinnen von Cixous inspiriert weiterdenken und - dichten, offenbart zugleich die Aktualität des Medusa-Textes. Ein aktuelles Interview mit Hélène Cixous beschließt und bereichert den Band.

Der Titel ist Programm! Ich habe viel gelacht und mich gefreut bei der Lektüre des Buches: beispielsweise darüber, dass wichtige feministische Anliegen wieder einmal zur Sprache finden über die geistreiche Sprach- und Gedankenkunst der Autorinnen. Das Lachen der Medusa ist ein wunderbarer Text, der dank der Übersetzung von Claudia Simma nun auch im Deutschen eine schöne Gestalt gefunden hat. Hélène Cixous' Sprache mit vielen Wortspielen und Assoziationen ist sicherlich eine besondere Herausforderung für sie gewesen. Ihr Beitrag beschränkt sich jedoch nicht auf die Übertragung ins Deutsche sowie auf die "Anmerkungen der Übersetzerin"; ihr Aufsatz "Medusas diebische Vergnügen" zeigt, wie tief sie eingetaucht ist in diese Materie.

Das von Hélène Cixous ausgerufene Projekt der écriture féminie ist heute so wichtig wie zur Entstehungszeit der Medusa. Die selbstverständliche Verbindung von Philosophie, Poesie, Körper und Politik mit feministischen Anliegen wird im Text selbst nicht bloß behauptet oder gefordert sondern eingelöst. "Cixous nahm eindeutig Abstand davon, [die] Frau als Opfer oder als kastriertes Wesen zu begreifen. Patriarchale Misogynie ist ihre Sache ebensowenig wie der Lacansche Topos von der Frau als Mangel" (S. 24), schreibt Gertrude Postl, eine der Herausgeberinnen, in ihrem Aufsatz "Eine Politik des Schreibens und des Lachens: Versuch einer historischen Kontextualisierung von Hélène Cixous' Medusa-Text."
Manche erinnern sich vielleicht noch an die heftigen feministischen Auseinandersetzungen der 1970 und 80er Jahre oder haben darüber gelesen. Der Text muss damals äußerst provozierend gewirkt haben. "Für viele von Cixous' KritikerInnen war genau diese Aufbruchsstimmung, dieses freche und lachende Sich-Hinwegsetzen über die politische Kleinarbeit sozialer Veränderungsprozesse, das unerschütterliche Bekenntnis zur sexuellen Differenz, das Insistieren auf der Bedeutung des Körpers und der Rolle des Unbewussten für politische Befreiung, die Politisierung des Schreibens, das für poststrukturalistisches Denken insgesamt typische, radikale Infragestellen herkömmlicher philosophischer Grundkategorien, das Lachen und die Ironie des Medusa-Texts der Stein des Anstoßes" (S 25), so Gertrude Postl weiter. "Cixous' "neue Frau" ist heute noch so aktuell wie 1975, sie spricht durchaus zu gegenwärtigen LeserInnen. Nicht die "neue Frau" hat sich seit damals verändert (sie ist immer noch Utopie) sondern die "alte" - gefangen in einem seltsamen Zwischenreich, ist sie heute weder voll gleichgestellt noch ist es ihr gestattet, anders zu sein." (S. 30). Besser lässt sich die historische Bedeutung des Medusa-Texts nicht beschreiben.

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