Henriette Schroeder : Ein Hauch von Lippenstift für die Würde. Weiblichkeit in Zeiten großer Not

Artikelnummer: 978-3-938045-91-6

In »Ein Hauch von Lippenstift für die Würde« berichten Frauen aus ganz verschiedenen Kulturkreisen, welche Bedeutung es gerade in Zeiten größter Not für sie hatte, ein gepflegtes Äußeres zu bewahren.

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»Es geht dabei um Würde. Wenn man sich aus der Hand gibt, dann hat man natürlich keine Würde mehr.« (Herta Müller)

Ein wenig Puder, etwas Rouge, schöne Haare oder ein raffiniert geschlungener Gürtel eine Selbstverständlichkeit in unbeschwerten Friedenszeiten. Aber warum ist dies im Krieg, im Gefängnis, im Lager, in einem unfreien Land - bei all den anderen Nöten noch wichtig?

In »Ein Hauch von Lippenstift für die Würde« berichten Frauen aus ganz verschiedenen Kulturkreisen, welche Bedeutung es gerade in Zeiten größter Not für sie hatte, ein gepflegtes Äußeres zu bewahren. Diese Frauen haben in Sarajevo und Grosny versucht zu überleben; sind in Russland, China, der DDR, dem Iran verhaftet oder in Prag und Bukarest erniedrigt worden und haben die unmenschlichen Bedingungen in Lagern oft über Jahre erduldet. Bei ihrem Kampf zu überleben, ging es stets auch darum, Selbstachtung und weibliche Würde aufrechtzuerhalten und hierfür konnten ein Hauch von Lippenstift oder eine saubere Bluse entscheidend sein.

Auch die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, die die Drangsalierungen durch den rumänischen Geheimdienst immer wieder erdulden musste, hat für dieses Buch einen ergreifenden, sehr persönlichen und engagierten Text geschrieben. Die Interviews und ebenso persönlichen Beiträge sind u.a. von CNN-Starreporterin Christiane Amanpour und Bestsellerautorin Emily Wu. Das erste Buch zum Thema Weiblichkeit, Würde und Widerstand. Ein Tabuthema, das jeden Tag an Aktualität gewinnt. Umschlagmotiv von Daniel Biskup, der diese junge Frau 1999 in einem Flüchtlingslager in Mazedonien fotografierte.

Autor*in / Hrsg.: Henriette Schroeder
Zeitepoche(n): 20. und 21. Jh.
Weitere Informationen: Umfang: 303 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 3 x 21.5 x 15.5 cm
Gewicht: 555 g
Erscheinungsdatum: 25.09.2014

Rezension von Teresa Lunz auf AVIVA-Berlin:

Welche Rolle spielen Kosmetika und weibliche Eleganz noch im Angesicht von Katastrophen, Belagerungszuständen, Haft? Die Journalistin und Dokumentarfilmerin stellt 23 Frauen und ihre persönlichen Geschichten vor.

Schminken, die Haare richten, Parfum auftragen - in Situationen, in denen das bloße Überleben zählt, Zeichen von oberflächlicher Eitelkeit? Oder aber von exzeptioneller Tapferkeit? Der Gabe, der Bedrohung erhobenen Hauptes Stand zu halten und soweit möglich an seinem bisherigen Leben festzuhalten? Henriette Schroeder hat einen ungewöhnlichen Ansatz gewählt, um die prioritären Bedürfnisse von (weiblichen) Betroffenen in Krisengebieten, Arbeitslagern und unter anderen existenzbedrohenden Umständen zu untersuchen: Die Rolle der Schönheitspflege, bei welcher der Lippenstift seit über hundert Jahren eine Sonderrolle spielt.

23 Notsituationen, 23 Frauenschicksale

23 Frauen und ihre persönliche Leidensgeschichte hat die Autorin untersucht. Alle Frauen haben in den Gesprächen bzw. eigenen Berichten hervorgehoben, dass es Wichtigkeit behielt, sich zu pflegen und selbst unter Angst und Demütigung noch ästhetisch aufzutreten. Es ging ihnen darum, ihre ungebrochene weibliche Macht, ihren Stolz zu demonstrieren. "Schminken war Pflicht, jedesmal so, als ob es das letzte Mal sein würde", erinnert sich Senka Kurtovic, die drei Jahre als Journalistin im belagerten Sarajevo aushielt. Ein Lippenstift, belegen diese Zeugnisse, kann der letzte Anker sein, um an der alten Lebensführung festzuhalten. Es geht um mehr als um Wahrung der Ästhetik. Nämlich um die Selbstbestimmung darüber, wie frau der Welt begegnet und wahrgenommen wird. In Stasi-Untersuchungshaftanstalten wurde der psychische Druck auf die Gefangenen gezielt verstärkt durch die Verweigerung von Spiegeln in den Zellen. Edda Schönherz, wegen Unterstellung von Fluchtplänen in Hohenschönhausen inhaftiert, resümiert rückblickend: "So erniedrigten sie uns, wir hatten ja keine Chance, gepflegt zu erscheinen." Mit der verweigerten Überprüfung des eigenen Erscheinungsbildes droht der Kontrollverlust. Die Betroffene sieht sich genötigt, ihre weibliche Identität aufzugeben.

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