Hildegard Maria Nickel, Andreas Heilmann, Hasko Hüning, Max Lill: Geschlechterpolitik in Krisenzeiten. Eine Fallstudie im Bankensektor

Artikelnummer: 978-3-8360-8769-8

Die gleichstellungspolitische Bilanz des Finanzsektors, insbesondere im Bereich der öffentlich-rechtlichen Banken, ist desaströs. Dieser generelle Befund wird in diesem Buch durch eine Fallstudie exemplarisch illustriert, differenziert und analysiert. Im Zentrum steht dabei die krisengeschüttelte LandesBank Berlin.

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Die gleichstellungspolitische Bilanz des Finanzsektors, insbesondere im Bereich der öffentlich-rechtlichen Banken, ist desaströs. Dieser generelle Befund wird in diesem Buch durch eine Fallstudie exemplarisch illustriert, differenziert und analysiert. Im Zentrum steht dabei die krisengeschüttelte LandesBank Berlin: Über mehr als zehn Jahre hinweg befand sie sich in einem permanenten Reorganisationsprozess. Die betrieblichen Restrukturierungen und die ökonomische Krisenbewältigung hätten, so lautet die zentrale These, vielfältige Chancen zur gleichstellungspolitischen Weichenstellung geboten - Chancen, die praktisch flächendeckend verpasst wurden. Als zentrale Verursacher macht die Fallstudie neben dem Fehlen partizipativer Organisationsstrukturen die (männlichen) Führungskräfte als Strukturgeber von betrieblicher Reorganisation aus. Deren Gestaltungswille, der durch die Finanzkrise besonders gefordert war, blieb auf das Mantra der Kostenreduktion eingeengt. Alle Initiativen für eine neue Führungskultur blendeten Geschlechterpolitik als integralen Pfad einer innovativen Struktur- und Organisationsgestaltung aus. Das könnte sich als eine gravierende Blockade in der neuerlich anstehenden Reorganisation des Unternehmens erweisen.

Autor*in / Hrsg.: Max Lill Hasko Hüning Andreas Heilmann Hildegard Maria Nickel
Weitere Informationen: Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 169
Umfang: 233 S.
Einband: Kartoniert
Format: 210 mm
Gewicht: 310g
Erscheinungsdatum: 05.12.2014

~ LESEPROBE ~

Rezension von Annett Schulze auf querelles-net:

Jenseits von Geschlecht? (Geteilte) Erfahrungen in ökonomischen Krisen

Abstract: Am Beispiel der LandesBank Berlin zeigen die Autor/-innen konkrete Auswirkungen der Bankenkrise auf in Unternehmen agierende betriebliche Akteur/-innen. Inwiefern diese eigene Handlungsspielräume entwickeln (können) und welche Kontinuitäten betriebliche Vergeschlechtlichungsprozesse aufweisen, belegt die Studie eindrücklich. Der mit dem Wandel von Erwerbsarbeit verknüpfte Eigensinn zeigt sich in den Vorstellungen von Zuständigkeiten der weiblichen Angestellten und in den veränderten Antworten auf Work-Life-Balance-Fragen - bei jungen männlichen Angestellten und bei älteren Führungskräften, die jungen Vätern einen Mentalitätswandel unterstellen. So könnten sich neue Kollektivierungen jenseits von Geschlecht bilden, insofern an geteilte Interessen in Krisensituationen angeknüpft werden würde. 

Wie gestalten betriebliche Akteur/-innen Vergeschlechtlichungsprozesse in Krisenzeiten? Am Beispiel der LandesBank Berlin arbeiten Hildegard Maria Nickel, Andreas Heilmann, Hasko Hüning und Max Lill aus organisationssoziologischer Sicht heraus, inwiefern aus einer Geschlechterperspektive eine gleichberechtigte Teilhabe von Erwerbstätigen im Betrieb stagniert, die Beteiligten sich dennoch Möglichkeitsräume eröffnen und Handlungsansätze entwickeln. Dabei liegt der Fokus auf Restrukturierungsprozessen, die vornehmlich in Krisenzeiten eingeleitet werden. Die Betriebsfallstudie steht im Kontext des Wandels der Erwerbsarbeit, verstanden als Entgrenzungen und als "doppelte Subjektivierung" (Nickel/Hüning/Frey 2008) in Krisen. Skizziert werden über zehn Jahre die betrieblichen Entwicklungen, die wiederum eingebettet sind in die makropolitischen Rahmenbedingungen. Dabei verfolgen die Forschenden diverse Grundannahmen, die sich durch eine Forschungsfrage verbinden lassen: Welches Potential bieten geteilte Erfahrungen in Krisensituationen für "geschlechterübergreifende reflexive Handlungsstrategien und Führungsverantwortung" (S. 17)?

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