Hilge Landweer, Catherine Newmark (Hrsg.): Wie männlich ist Autorität? Feministische Kritik und Aneignung

Artikelnummer: 978-3-593-50993-8

Autorität als soziale Interaktionskategorie und gesellschaftliches Ordnungsprinzip ist in vielen Hinsichten bis heute männlich konnotiert. Zugleich ist Autorität in der Moderne und insbesondere im 20. Jahrhundert Gegenstand eindringlicher Kritik. Die interdisziplinären Beiträge des Bandes gehen dem ambivalenten Phänomen der Autorität in philosophischer, historischer, politischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive nach und fragen, wie und mit welchem Ziel sich Autorität weiblich denken lässt.

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Autorität als soziale Interaktionskategorie und gesellschaftliches Ordnungsprinzip ist in vielen Hinsichten bis heute männlich konnotiert. Zugleich ist Autorität in der Moderne und insbesondere im 20. Jahrhundert Gegenstand eindringlicher Kritik. Die interdisziplinären Beiträge des Bandes gehen dem ambivalenten Phänomen der Autorität in philosophischer, historischer, politischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive nach und fragen, wie und mit welchem Ziel sich Autorität weiblich denken lässt.

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Wie männlich ist Autorität

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Autor*in / Hrsg.: Catherine Newmark Hilge Landweer
Details: Politik der Geschlechterverhältnisse 60
Umfang: 363 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.5 x 21.5 x 14.2 cm
Gewicht: 466 g
Erscheinungsdatum: 15.11.2018
Das Geschlecht der Autorität - Altlasten und feministische Neubestimmungen

Zur Einführung

Hilge Landweer und Catherine Newmark

Wer über Autorität nachzudenken beginnt, wird schnell auf politisch und gesellschaftlich Zweifelhaftes stoßen - und auf die Kritik daran. Von den autoritären Vätern des klassischen Patriarchats bis zu den Diktatoren und Autokraten des 20. und neuerdings auch 21. Jahrhunderts: Autorität scheint mit einer spezifischen Deformation von Macht- und Herrschaftsverhältnissen verbunden zu sein. Genau in diesem Sinne wurde sie auch Mitte des 20. Jahrhunderts zum Gegenstand eingehender theoretischer Untersuchungen, allen voran in den Studien über die autoritäre Persönlichkeit der Frankfurter Schule. Auch politische Bewegungen waren in den letzten Jahrzehnten oft motiviert durch Autoritätwskritik, am prominentesten die Studentenbewegung der 68er Jahre, die den 'Muff von tausend Jahren' 'unter den Talaren' monierte und damit respektlos ihre Kritik an den bis dahin weitgehend unangefochtenen rechtlichen Autoritäten, von denen viele das Unrechtssystem des Nationalsozialismus unterstützt hatten, auf den Punkt brachte.

Die Kritik der Autorität reicht freilich weiter zurück als in die Mitte des 20. Jahrhunderts: Man kann die gesamte Entwicklung der westlichen Gesellschaften und politischen Systeme seit der Aufklärung als großes Projekt der kritischen Auseinandersetzung mit überkommenen Traditions- und Autoritätsordnungen verstehen, und dies entspricht auch durchaus dem Selbstverständnis vieler der geistesgeschichtlichen und politischen Bestrebungen der letzten 300 Jahre.

Aber ist mit der Kritik auch schon die Autorität selbst verschwunden? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Unter und neben den Entwürfen, Projekten und Utopien egalitärer Gesellschaften, die für die Moderne charakteristisch sind, wirkt Autorität als Phänomen an vielen Stellen weiter - mal mehr, mal weniger verdeckt, oftmals kaum erkennbar. In manchen Fällen mag das aufgefasst werden als Problem eines noch nicht abgeschlossenen Prozesses der Veränderung von ehemals autoritätsorientierten Gesellschaften oder aber als Ausdruck eines reaktionären, wenn nicht gar regressiven politischen Momentes. Aber es spricht vieles für die Annahme, dass Autorität neben dem deutlich sichtbaren öffentlichen Bereich auf einer viel tiefer liegenden Ebene auch in Beziehungen zwischen Personen eine Rolle spielt und sich gar nicht oder zumindest nicht ohne weiteres in der Phantasie des Egalitären auflösen lässt.

Sich der Autorität als Begriff und Phänomen zuzuwenden bedeutet darum, die mannigfache und historisch über viele Stufen artikulierte Kritik an traditionellen Autoritätsformen und -auffassungen mitzudenken, sich aber zugleich für das Phänomen jenseits der eingefahrenen Diskurse zu interessieren. Und sich auch, mit der Rückendeckung der bereits vollzogenen Kritik, den möglicherweise positiven, konstituierenden Aspekten von Autorität, etwa dem so fundamentalen Prozess der Autorisierung, zuzuwenden, der in gutem nachbarschaftlichen Einvernehmen mit dem deutlich modischeren Begriff des 'Empowerments' stehen könnte.

Es bedeutet auch, sich der Frage nach dem Geschlecht zuzuwenden. Wie das oben erwähnte Stichwort des autoritären Patriarchen bereits andeutet, ist Autorität zumindest im klassischen Sinne kaum von der Geschlechterordnung zu trennen. Autorität ist traditionell männlich konnotiert, und sie ist es bis heute geblieben. Fragt man beliebige Personen nach Autoritäten, so nennen die allermeisten als Beispiel männliche Führungsfiguren.

Während es leicht scheint, männliche Bilder von Autorität aufzurufen, ist es gar nicht so einfach, Frauen auszumachen, denen Autorität zugeschrieben wird. Dass dies so ist, darf mit Fug und Recht erstaunen, gerade wenn man sich die tiefgreifenden Veränderungen der Geschlechterordnungen in den westlichen Gesellschaften in den letzten 50 Jahren anschaut: Weder die grundlegende rechtliche und wirtschaftliche Emanzipation der Frauen

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