Ilse-Margret Vogel: Über Mut im Untergrund. Eine Erzählung von Freundschaft, Anstand und Widerstand im Berlin der Jahre 1943-1945

Artikelnummer: 978-3-86732-157-0

Ilse-Margret Vogel kam 1938 aus der schlesischen Provinz nach Berlin, um Kunst zu studieren. Sie hasste die Nazis und schwor sich, niemals mit 'Heil Hitler' zu grüßen.

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Ilse-Margret Vogel kam 1938 aus der schlesischen Provinz nach Berlin, um Kunst zu studieren. Sie hasste die Nazis und schwor sich, niemals mit 'Heil Hitler' zu grüßen. Als ihre Freunde, unter ihnen Juden und Deserteure, in Schwierigkeiten gerieten, half sie ihnen, so gut sie konnte, und geriet dabei in abenteuerliche Situa­tionen. Davon berichtet das Buch und porträtiert verschiedene Menschen, die überleben wollten, ohne sich zu Komplizen des Regimes zu machen. Ihre Aktivitäten beweisen: Widerstand war möglich.

Einer der Freunde, Fred, arbeitete beim Film und weigerte sich, Nazi-Propaganda zu unterstützen. Als er an die Front geschickt werden sollte, wurde er zum Simulanten; einem anderen Deserteur, dem 'Kleinen König', half Ilse Vogel in langen Fußmärschen, seine geliebte Bibliothek vor den Bomben in Sicherheit zu bringen. Von ihrer jüdischen Schulfreundin Vera aus Görlitz, die auf der Flucht nach Spanien in Berlin auftauchte, wurde Ilse gewarnt, ihr zu helfen, weil es gegen das Gesetz sei. Doch deren Antwort war: 'Diese Gesetze gelten für mich nicht'.

Manchmal glich der Widerstand einem gefährlichen Drahtseilakt. Als Ilse Vogel jemanden versteckte, der von der Gestapo gesucht wurde, entging sie aufgrund dessen Unvorsichtigkeit nur knapp einer Katastrophe.

Das längste Kapitel des Buches widmet sie dem im Untergrund lebenden Fälscher Oskar Huth. Eines Tages führte er sie in seine Werkstatt im Luftschutzkeller, wo sie nicht schlecht staunte: Es war ihm gelungen, sich eine Druckpresse zu besorgen, mit der er dort eine 'Fälscherwerkstatt für Überlebenspapiere' betrieb.

Den Einmarsch der Roten Armee erlebte Ilse Vogel als dramatisch, Freude und Schrecken lagen dicht beieinander. Selten sind diese Ereignisse aus weiblicher Sicht so dicht beschrieben worden wie hier.

IlseMargret Vogels (19142001) anschaulich und spannend geschriebene Erinnerungen an die letzten Kriegsjahre in Berlin sind bisher nur in den USA erschienen. Die New York Times befand 1993: 'Die Mischung aus genauen Beschreibungen des Kriegsalltags, der realen und echten Bedrohung und der tiefen Aversion der Autorin gegen das Naziregime, ihrem jugendlichen Trotz, der die Gefahr und jegliche Vorsicht missachtet, macht 'Bad Times, Good Friends' zur fesselnden und faszinierenden Lektüre.'

Nach dem Krieg arbeitete Ilse Vogel für die legendäre Berliner Galerie Gerd Rosen und ging 1950 in die USA. Dort wurde sie als Kinder- und Jugendbuchautorin bekannt.


Autor*in / Hrsg.: Ilse-Margret Vogel
Zeitepoche(n): 20. und 21. Jh.
politische Themen: Nationalsozialismus
Weitere Informationen: Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Reihe B: Quellen und Zeugnisse 5
Originaltitel: Bad Times, Good Friends - A Personal Memoir
Übersetzt von: Jutta Hercher
Umfang: 221 S., 33 s/w Fotos
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2 x 24 x 16.8 cm
Gewicht: 633 g
Erscheinungsdatum: 04.12.2014

Rezension von Magdalena Herzog auf AVIVA-Berlin:

Wie konnten Verfolgte im Berliner Untergrund während des NS überleben? Und wie haben die wenigen, die ihnen halfen, den Mut dazu aufgebracht? Die Erinnerungen von Ilse-Margret Vogel entfalten die Perspektive einer nichtjüdisch-deutschen, selbstbestimmten und moralisch autonomen Frau, die mit Verfolgten des NS-Regimes trotz der Propaganda befreundet bleibt, ihnen Unterschlupft bietet und sich bis Kriegsende erfolgreich verweigert den Hitler-Gruß auszuführen.

Ilse-Magret Vogel hat ihre Erinnerungen an die letzten beiden Kriegsjahre in Berlin bereits 1992 auf Englisch unter dem Titel "Bad Times, Good Friends, A Personal Memoire" verfasst. Doch der 1950 in die USA Emigrierten war es ein großer Wunsch, das Buch dem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat dies nun innerhalb der Reihe "Quellen und Zeugnisse" durch die Herausgeberinnen und Übersetzerin Jutta Hercher und Barbara Schieb ermöglicht und die Erzählung der Zeitzeugin in einen historisch-kritischen Kontext gesetzt.

Die Memoiren von Ilse-Magret Vogel sind in 13 Kapiteln gegliedert, die, nachdem sie sich selbst als Ilse vorgestellt hat, sieben engen FreundInnen und den fünf Themen Hoffnung, Angst, Liebe, Hunger und Verlust gewidmet sind. Ilse beschreibt, wie sie als 24jährige nach Berlin floh (so sagt sie wörtlich), um der Enge von Görlitz zu entkommen. In Berlin lebt sie allein und unabhängig, arbeitet als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei, studiert Malerei und wird Teil der kunstschaffenden Szene der Stadt, in der sie mit ihrer scharfen und eindeutigen Abneigung gegen die Politik der NSDAP auf positiven Widerhall stößt. Auf dem Buchcover sehen wir sie auf der rechten Seite mit einer leider unbekannten Freundin nach Kriegsende. Die Freund/Innen sind titelgebend für die Kapitel und im Zentrum steht, wie diese mit Ilse den Kriegsalltag zu bestehen suchten und auf welche Art und Weise sie dem Regime entgegentraten, ohne dabei zu schaden zu kommen. So versucht der sogenannte Kleine König, der als Wehrdienstverweigerer im Berliner Untergrund lebt, seine Bibliothek zu retten, indem er diese auf einem kleinen Handwagen in das Haus seiner Mutter bringt, das am Rande Berlins liegt.

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