Ingeborg Gleichauf: So viel Fantasie. Schriftstellerinnen in der dritten Lebensphase

Artikelnummer: 978-3-932338-80-9

Sie haben sich geliebt, sie haben einander tief verletzt - und doch nie aufgehört, sich nach dem anderen zu sehnen. Einfühlsam und mit feinem Gespür nähert sich Ingeborg Gleichauf der Liebesbeziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch.

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Sie irritieren und befremden. Sie sind subversiv. Im dichterischen Gestalten der Fantasie gehen die in diesem Buch porträtierten Schriftstellerinnen bis an die Grenzen, auch und gerade im Alter. Sie sind auf der Höhe ihrer Kunst angekommen.

Schonungslos, humorvoll, kritisch. Mit dem Älterwerden gehen sie unterschiedlich um, doch keine wird sentimental, keine lamentiert. Sie machen sich nichts vor, arbeiten mit höchster Konzentration und erschaffen sich ihre Wirklichkeit mit Hilfe der Sprache. Sie haben sich permanent und konsequent weiterentwickelt, haben neue Facetten entdeckt und ihre Horizonte erweitert - und bleiben sich treu.

Porträtiert werden: Ilse Aichinger, Djuna Barnes, Simone de Beauvoir, Maria Beig, Maja Beutler, Kerstin Ekman, Marieluise Fleißer, Patricia Highsmith, Marie Luise Kaschnitz, Sarah Kirsch, Else Lasker-Schüler, Friederike Mayröcker, Alice Munro, Gerlind Reinshagen und Christa Wolf.

Autor*in / Hrsg.: Ingeborg Gleichauf
Biografien von/über: Schriftstellerinnen
Zeitepoche: 20. und 21. Jh.
Weitere Informationen: Umfang: 240 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.3 x 21.7 x 12.8 cm
Gewicht: 390 g
Erscheinungsdatum: 18.08.2015

Rezension von Bärbel Gerdes auf AVIVA-Berlin:

Die vierjährige Beziehung zwischen Bachmann und Frisch bleibt rätselhaft. Sind Beziehungen tatsächlich ein Mordschauplatz ganz eigener Art? Als sie sich 1958 in Paris persönlich kennen lernten, waren beide bereits bekannte SchriftstellerInnen.

Bachmann hatte 1953 den Preis der Gruppe 47 erhalten, 1956 erschien ihr zweiter Lyrikband Anrufung des Großen Bären, die Dichterin [bekam] eine öffentliche Präsenz wie ein Popstar.
Max Frisch hatte einige Stücke zur Aufführung gebracht, 1954 erschien sein bedeutender Roman Stiller, 1957 Homo faber. Drei Jahre vor der Begegnung hatte er seinen Architektenberuf aufgegeben, Biedermann und die Brandstifter sollte als nächstes auf die Bühne kommen.

1958 hörte Max Frisch im Radio das Hörspiel Der Gute Gott von Manhattan. Er kannte Bachmann bereits durch ihre Gedichte ? dieses Hörspiel aber wirkte noch stärker auf ihn, er musste ihr unbedingt persönlich begegnen.

Der Beginn des Traumpaar[es] der deutschsprachigen Literatur wie es der Klappentext des hier zu besprechenden Buches verspricht? Ingeborg Gleichauf, Biografin so namhafter Menschen wie Simone de Beauvoir, Max Frisch und Hannah Arendt, schildert uns eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit. Sie möchte uns diese große wie unmögliche Liebe (ebenfalls der Klappentext) nahe bringen. Ein mehr als 200 Seiten starkes Buch ist daraus geworden, obwohl, wie die Autorin in ihrer editorischen Notiz am Ende (sic!) des Buches schreibt die Quellenlage, was die Liebesbeziehung von Ingeborg Bachmann und Max Frisch betrifft, [noch immer] dürftig [ist]. Bachmanns Briefe sind noch bis zum Jahre 2025 gesperrt, der Briefwechsel zwischen Frisch und Bachmann liegt in Zürcher und Wiener Archiven und wird in naher Zukunft nicht ediert werden. So stützt sich Gleichauf auf andere Briefwechsel, auf andere Biografien, vor allem aber auf literarische Texte Frischs und Bachmanns.

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Rezension von Susanne Krones auf buecherfrauen.de:

Vier Jahre waren Ingeborg Bachmann und Max Frisch ein Paar. Öffentlich hat ihre gemeinsame Zeit kaum Spuren hinterlassen, nicht einmal ein gemeinsames Foto der beiden scheint zu existieren. In ihren Werken bezogen sich die beiden Schriftsteller eng aufeinander. Ingeborg Gleichauf hat dieser Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit ein Buch gewidmet, in dem sie Bachmann und Frisch in den Jahren 1958 bis 1962 porträtiert und ihnen an die Orte folgt, an denen sie gemeinsam gelebt haben: nach Paris, wo ihre Liebe begann, nach Zürich, wo sie eine gemeinsame Wohnung bezogen, und nach Rom, wohin Frisch seiner Geliebten folgte.

Ingeborg Gleichauf, geboren 1953 in Freiburg, studierte Philosophie und Germanistik und promovierte über Ingeborg Bachmann. Mit ihren Biografien über Simone de Beauvoir ("Sein wie keine andere"), Hannah Arendt ("Hannah Arendt") und Max Frisch ("Jetzt nicht die Wut verlieren") hat sie schon mehrfach gezeigt, dass es ihr gelingt, ihre Protagonisten mit tiefer Sympathie und Respekt zu behandeln und zugleich die Distanz zu wahren. Durch ihre empathische Haltung (wie sie Biographien brauchen, wenn sie ein breites Publikum erreichen wollen), liest sich auch die Geschichte von Bachmann und Frisch romanhaft lebendig, detailgenau und differenziert zugleich.

Nicht das Portrait einer Person nimmt sich Gleichauf mit diesem Buch vor, sondern das Portrait einer Beziehung. Die Aufgabe ist nicht leicht, denn die Quellen von Bachmanns und Frischs gemeinsamer Zeit sind spärlich, doch umso faszinierender: Zwei extreme Temperamente der deutschsprachigen Literatur, in die Geschlechterbilder ihrer Zeit gepresst, gilt es zu fassen. Frisch zerreißt es am Ende der kurzen, intensiven Liebe fast vor Eifersucht: "Das Ende haben wir nicht gut bestanden, beide nicht." Ein Sturzflug sei seine Zeit mit Ingeborg Bachmann gewesen, aber nicht der eines Flugzeugs, eher der eines modernen Ikarus. Kein einziges Foto zeigt Bachmann und Frisch vor dem gemeinsamen Sturzflug. Mit diesem Buch von Ingeborg Gleichauf hat man ein Bild dieser Liebe im Kopf.

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