Irène Alenfeld: Der Kipod. Geschichten von Damals

Artikelnummer: 978-3-932338-59-5

Die lose miteinander verbundenen episodenhaften Erzählungen beginnen in der Kindheit der Protagonistin Ruth in der NS-Zeit und führen mit Unter­brechungen bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 in Israel.

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Die lose miteinander verbundenen episodenhaften Erzählungen beginnen in der Kindheit der Protagonistin Ruth in der NS-Zeit und führen mit Unter­brechungen bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 in Israel. In den autobiografisch gefärbten Episoden geht es um Zugehörigkeit und Fremdheit, um Konflikte zwischen Siegern und Besiegten und um ein immer­­währendes Zwischen-den-Stühlen-Sitzen der Protagonistin Ruth.

Ruth wächst im Berlin der Dreißiger Jahre auf. Wegen der jüdischen Wurzeln des bereits als Kind getauften Vaters muss die völlig assimilierte deutsch-jüdische Familie Verfolgung durch die Nationalsozialisten fürchten. Die Kinder lernen, die jüdische Abstammung des Vaters nicht zu erwähnen.Nach dem Krieg kommt Ruth unter anderem mit einer Kinderverschickung nach Norwegen und erfährt später als Aupair-Mädchen in Paris, mit welchen Vorurteilen das französische Bürgertum lebt.

Auf ihren Reisen nach Jerusalem sucht sie das Judentum und entdeckt gleichzeitig das Schicksal der Palästinenser. Sie erkennt bald, wie unentwirrbar der Konflikt zwischen diesen beiden Völkern ist, mit denen sie die große Liebe zum Land Israel teilt. Eindrucksvolle Erzählungen mit überraschenden Kehrtwendungen und nicht ohne Stacheln - 'Kipód' bedeutet auf Hebräisch Igel.

Geschichten von Damals, aber nicht von gestern.

Autor*in / Hrsg.: Irène Alenfeld
weitere Themen: jüdische Frauen
Weitere Informationen: Umfang: 185 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.3 x 20.1 x 12.5
Gewicht: 240 g
Erscheinungsdatum: 09.09.2013

Rezension von Doris Hermanns auf AVIVA-Berlin:

Geschichten von Leben dazwischen: als Kind in einer jüdisch-christlichen Familie im Berlin der 30er Jahre, in Israel zwischen Juden und Palästinensern, Geschichten von Ausgrenzungen, aber auch von Verständigungen.

Irène Alenfeld erzählt in diesem Buch Geschichten von Ruth, einem Mädchen, das während des Faschismus in einer christlich-jüdischen Familie aufgewachsen ist. Ihre Großeltern waren jüdisch, hatten aber ihre Kinder taufen lassen. Erinnerungen an sie und diese Entscheidung werden in diesem Buch immer wieder thematisiert: "War es die Liebe zur Heimat, war es die Sehnsucht nach dem Eingebettetsein in der großen Mehrheit, die ihre Großeltern zum Übertritt veranlasst hatten? Sie wollten ganz dazu gehören - also ließen sie die Kinder taufen.
Oder war es ausschließlich rationell erkannter Nutzen, der sie zu ihrem halb vollzogenen Schritt bewog? Denn sie selbst verharrten im alten Glauben. Aber wer glaubte schon zäh und unerbitterlich im Zeitalter der Aufklärung, da alle Welträtsel erklärbar schienen."


Während des Faschismus lernt Ruth, ihr Geheimnis zu bewahren denn sie wollte überleben, und musste dazu lügen lernen: "Nun ist es gesagt. Nun ist man nicht mehr allein. Drei elfjährige Mädchen stehen unter dem gleichen Schicksal. Sie haben ein Geheimnis zu hüten, sie haben darüber das Lügen gelernt, aber den Krieg und die Nazis werden sie überleben!"

Ihre Kindheitserlebnisse prägen sie, wie die Autorin schreibt: "Ich wurde zu einer aufmerksamen Beobachterin, die wie ein Seismograph auch kleine Erschütterungen wahrnahm.", sie wurde dadurch zu einer, die für Verständigung zwischen EuropäerInnen eintrat.
Auch als Erwachsene macht Ruth in den Erzählungen immer wieder die Erfahrung, zwischen den Stühlen zu sitzen, sei es in Deutschland oder in den zahlreichen anderen Ländern, in die sie reist.
In Deutschland erlebt sie unmittelbar nach dem Krieg das Trennende, das unterschiedliche Erfahrungen zuwege gebracht haben: "Unsichtbar stand eine Mauer in der Aula. Keiner wurde daran zerschmettert. Sie hatten ja überlebt. Eine Scheidewand war es eher, die trennte zwischen denen, die gehofft hatten und vertröstet wurden auf einen neuen Anfang - und den anderen, die nie verstanden und vielleicht nie einen Neubeginn erwartet hatten."

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