Irene Stratenwerth: Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930

Artikelnummer: 978-3-00-038801-9

Sie reisten aus Deutschland nach Kalifornien, aus Österreich-Ungarn nach Südamerika oder aus dem Russischen Reich in die USA: Mädchen und junge Frauen auf der Suche nach einer neuen Existenz. Ihre Auswanderung wurde fast immer zur riskanten Gratwanderung

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Sie reisten aus Deutschland nach Kalifornien, aus Österreich-Ungarn nach Südamerika oder aus dem Russischen Reich in die USA: Mädchen und junge Frauen auf der Suche nach einer neuen Existenz. Ihre Auswanderung wurde fast immer zur riskanten Gratwanderung: Sie sichten Arbeit in Privathaushalten, Gaststätten oder Tanzpalästen, doch ihr Weg führte nicht selten in die Prostitution. Mit Gewalt verschleppt, mit märchenhaften Versprechen verführt oder aus freien Stücken? Die Diskussion darüber wurde schon damals vehement geführt.

Dieses Buch macht sich auf die Suche nach Spuren und Dokumenten, die von den Lebenswegen dieser jungen Frauen zeugen. In Fotos, Briefen, Polizeiprotokollen und Zeitungsnotizen werden ihre Hoffnungen, Ängste und Nöte spürbar: Was ihnen in den Jahren 1860 bis 1930 geschah, wirkt heute wieder hochaktuell.

Autor*in / Hrsg.: Esther Sabelus Irene Stratenwerth
Zeitepoche(n): 18. und 19. Jh. 20. und 21. Jh.
politische Themen: Prostitution*Sexarbeit Menschenhandel
weitere Themen: jüdische Frauen
Weitere Informationen: Herausgegeben von: Simone Blaschka-Eick, Hermann Simon
Beiträge von: Esther Sabelus
Umfang: ca. 192 S.
Format: 21,6 x 13,5 cm
Gewicht: 232 g
Erscheinungsdatum: 26.08.2012

Artikel zum Buch und zur Ausstellung in EMMA Januar/Februar 2013:

Noch bis zum 28. Februar zeigt das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven die Ausstellung "Der Gelbe Schein - Mädchenhandel 1860-1930". Die Parallelen zum Heute sind beklemmend: Die Gründe, warum so viele Mädchen und Frauen in den Bordellen des Westens aus den Schtetln des Ostens kamen, sind die gleichen, aus denen heute bis zu 90 Prozent der Frauen in deutschen Laufhäusern, Wohnungsbordellen oder auf dem Straßenstrich aus Rumäniene, Moldawien oder Bulgarien stammen: Armut, Verzweiflung, Perspektivlosigkeit.

Warschau, 1925. Auf der Beerdigung ihres Großvaters wird die 19-jährige Paula Waismann von einem Herrn um die 40 angesprochen. Er stellt sich als Shulim Babki vor, er sei Kaufmann aus Buenos Aires. Der charmante und augenscheinlich gut situierte Mann macht der jungen Frau Komplimente und bietet ihr schließlich an, sie mit nach Paris zu nehmen. Paula, die aus einer einfachen jüdischen Familie kommt, ist hingerissen. Zunächst geht die Fahrt nach Danzig. Dort werden die beiden am 29. Oktober in einem Gasthaus verhaftet. Die Polizei hatte einen Tipp aus dem Rotlichtmilieu bekommen: Shulim Babki ist ein Mädchenhändler. Er hat mehrere gefälschte Urkunden, 17000 Sloty und zwei Visa nach Mexiko bei sich. Die Polizei nimmt ihn in Untersuchungshaft und übergibt die schwangere Paula Waismann dem "Danziger Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels". Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

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