Jennifer Clement: Gebete für die Vermissten

Artikelnummer: 978-3-518-46640-7

Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen.

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Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen Zukunft, von Freundschaft, Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser Überlebenskampf beginnt ... Gebete für die Vermissten beschwört die unverbrüchliche Kraft der Hoffnung in einer schrecklichen Welt. In mutigen, schockierenden und bewegenden Bildern erzählt Jennifer Clement das Leben einer außergewöhnlichen jungen Heldin.

"Man liest dieses Buch nicht, man verschlingt es." DBC Pierre

Warum ich Gebete für die Vermissten geschrieben habe

"In Mexiko werden Frauen auf offener Straße entführt oder mit vorgehaltener Waffe aus ihren Häusern verschleppt. Sie kehren von der Arbeit, von einer Party oder einem Spaziergang nicht zurück. Diese Frauen sind jung, arm und hübsch.
Über zehn Jahre lang habe ich mit Mexikanerinnen gesprochen, die von der Gewalt unmittelbar betroffen sind, denn ich wollte über die Rolle der Frau in der Narco-Kultur schreiben. Ich habe mit den Frauen, Freundinnen und Töchtern von Drogenhändlern Interviews geführt, und mir war sofort klar: Mexiko ist eigentlich ein Kaninchenbau voller versteckter Frauen." Jennifer Clement
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Autor*in / Hrsg.: Jennifer Clement
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Land im Fokus: Mexiko
Details: suhrkamp taschenbuch 4640
Originaltitel: Prayers for the Stolen
Übersetzt von: Nicolai von Schweder-Schreiner
Umfang: 228 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.1 x 19 x 11.9 cm
Gewicht: 249 g 
Erscheinungsdatum: 06.12.2015

~ LESEPROBE ~

Weitere Ausgaben: Gebunden

»Clement destilliert das Gehörte und Erfahrene in eine schlanke, wie hingetuschte Erzählung von hoher poetischer Kraft.«
Paul Ingendaay, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Es ist dieser ungewöhnliche, klare, pure Blick auf die Welt, der Gebete für die Vermissten besonders macht.«
Meike Dinklage, Brigitte 21/2014

» ... trocken, geradeheraus, aber von Lebendigkeit, Wärme und Witz durchleuchtet, wie man sie in solcher Finsternis nicht suchen würde.«
Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung

»Eine mitreißende, zutiefst berührende Hymne auf die weibliche Widerstandskraft ihrer weiblichen Hauptfiguren, auf Mitgefühl, Loyalität und Freundschaft.«
The New York Times

»Ein herzzerreißender Roman, messerscharf beobachtet.«
The Guardian

»Clement hat das beste Buch geschrieben, das ich 2014 gelesen habe. Von mir hätte sie den Nobelpreis bekommen.«
Susanne Baller, stern.de Oktober 2014

»Bei den meisten Büchern ist entweder die Geschichte toll oder die Sprache - selten, dass beides überragend ist. Das hier ist so ein Buch.« Kristian Thees, SWR3

»Jennifer Clements Roman scheint selbst ein Akt des Widerstands zu sein, in einem Land, in dem sich weder Justiz noch Polizei noch Politik um das Problem der entführten Frauen kümmern.«
Jutta Schwengsbier, WDR 5

»Ein Roman, der mit plastischer, zuweilen aber auch poetischer Sprachwucht in den inneren Krieg eingreift, der Mexiko momentan zu zerreißen droht.«
SPIEGEL ONLINE Dezember 2014
Rezension von Christine Langer auf AVIVA-Berlin:

Entführungen von Frauen und Mädchen durch Drogenkartelle gehören im mexikanischen Bundesstaat Guerrero zum Alltag. Im Roman der Präsidentin von PEN International wird aus Sicht der 16-jährigen Ladydi von traumatischen Erlebnissen und Hoffnungen der Betroffenen erzählt, die von der korrupten Polizei und Politik im Stich gelassen werden.

Das Verschwinden von 43 Studierenden bei einer Demonstration in Guerrero im September 2014 erlangte große internationale Aufmerksamkeit. Weltweit wurde daraufhin über die korrupten Verstrickungen von Politik, Polizei und Drogenkartellen in Mexiko berichtet. Bei dem Staatsbesuch des Präsidenten Enrique Peña Nieto am 11. und 12. April 2016 demonstrierte Amnesty International an vielen Orten in Deutschland gegen die Missachtung von Menschenrechten. Täglich werden in Mexiko vor allem Frauen und junge Mädchen verschleppt. Die wenigsten Entführungen werden jedoch aufgeklärt.

Jennifer Clement hat für "Gebete für die Vermissten" zehn Jahre lang in Mexiko recherchiert und hunderte Interviews mit den leidtragenden Mädchen und Frauen des Drogenkrieges geführt. Nachdem sie Freundinnen, Ehefrauen und Töchter von Drogenhändlern interviewt hatte, ist sie auf diejenigen aufmerksam geworden, die ein Leben im Versteck führen und hat daraufhin beschlossen sie in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, um sie sichtbar zu machen. Die Frauen in dem Roman werden aber nicht wie so oft als Opfer stigmatisiert, vielmehr steht ihre Widerstandskraft, sich dem Terror der Kartelle entgegenzusetzen, um vor allem ihre Töchter zu schützen, im Vordergrund.

"In Mexiko ist es das Beste, ein hässliches Mädchen zu sein."

In einem Bergdorf südlich von Mexiko-Stadt in der Nähe der Stadt Chilpancingo werden Mädchen bis zum Beginn der Pubertät als Jungen verkleidet und mit Kohle angemalt. Sie dürfen nicht alleine das Haus verlassen und werden in Erdlöchern versteckt, sobald sich die schwarzen SUVs der Drogendealer nähern.

"Die Drogendealer mussten nur hören, dass irgendwo ein hübsches Mädchen rumlief, schon kamen sie mit schwarzen Escalades angerauscht und nahmen es mit."

Die ärmliche Häusersiedlung, in der die Protagonistin Ladydi Garcia Martinez aufwächst, liegt in Mitten von Mohn- und Marihuanafeldern und wird vom einem Kartell beherrscht und kontrolliert, das die Bevölkerung systematisch terrorisiert, Mädchen entführt und als Sklavinnen weiterverkauft. Da die Männer aus dem Dorf zum Arbeiten in mexikanische Großstädte oder in die USA auswandern, bleiben nur die Frauen und jungen Mädchen zurück.

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