Judith Watt: Vogue on Elsa Schiaparelli

Artikelnummer: 9783899105650

Die Vogue nannte sie einst ein Genie, 'verrückter und origineller als jeder andere Modedesigner'. Von ihrem ersten Entwurf an - dem revolutionären Schleifenpullover im Jahr 1927 bis zum surrealistischen Tränenkleid oder dem 'Schuhhut' der späten Dreißiger...

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Die Vogue - Mode-Bibliothek: Bibliophile Reihe für Modeliebhaber und Sammler. Alle bedeutenden Modedesigner unserer Zeit. Mit exklusiven Fotografien von Cecil Beaton, Edward Steichen, Henri CartierBresson, Mario Testino u,v.m.

'Sind die Zeiten schwierig, ist die Mode stets gewagt.' Elsa Schiaparelli (1890 - 1973)

Die Vogue nannte sie einst ein Genie, 'verrückter und origineller als jeder andere Modedesigner'. Von ihrem ersten Entwurf an - dem revolutionären Schleifenpullover im Jahr 1927 bis zum surrealistischen Tränenkleid oder dem 'Schuhhut' der späten Dreißiger -, förderte und begleitete die Vogue Elsa Schiaparelli. Zu ihrer Zeit war sie die innovativste, originellste und wagemutigste Designerin. Sie arbeitete mit Salvador Dalí und zahlreichen anderen Künstlern, verwendete als erste künstlich hergestellte Stoffe und kreierte ein Parfum in einem Flakon, der Mae Wests Torso nachempfunden war. Ihr Erbe ist heute noch so aktuell wie damals und ihr Einfluss auf die Designer der Gegenwart wie etwa Miuccia Prada ist immens - wie auch die gerade in New York gezeigte Ausstellung Impossible Conversations beweist.

Autor*in / Hrsg.: Judith Watt
Kunst: Mode
Weitere Informationen: Originaltitel: Vogue on Elsa Schiaparelli
Übersetzt von: Theis-Passaro/Hunke-Wormser/Kedves
Umfang: 160 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.2 x 21.8 x 17
Gewicht (incl. Verpackung): 640 g
Erscheinungsdatum 21.02.2013

Rezension von Julia Lorenz auf AVIVA-Berlin:

Für eine detailverliebte Buchreihe und Hommage an vier Design-Ikonen des zwanzigstens Jahrhunderts öffnete das wahrscheinlich einflussreichste Modemagazin sein Archiv und fördert neben Anekdoten auch aufsehenerregendes Bildmaterial zutage.

Ausgerechnet Chanel und Schiaparelli! Zwei Frauen, die auf höchst unterschiedliche Art dem Schönheitsideal des ausklingenden neunzehnten Jahrhunderts den Kampf ansagten und dabei zu den ärgsten Rivalinnen im Kampf um die Hegemonie in der Modewelt werden sollten. Unsterblich sind sie beide geworden - Coco Chanel mit ihren Kreationen, die erstmalig Eleganz und Lässigkeit kombinierten, und Elsa Schiaparelli mit ihrer provokanten, bisweilen surrealistischen Interpretation von Frauenmode. Versuche, den Verdiensten der Grand Dames beizukommen, wurden - vor allem im Fall von Gabriele Chasnel aka Coco - bereits in vielfacher Form unternommen: Für Chanel-Biopics schlüpften Schauspielerinnen wie Audrey Tautou und Anna Mouglalis ins "Kleine Schwarze", zahlreiche Bücher beleuchten den Werdegang der Designerinnen.

In der Collection Rolf Heyne ist nun die Serie "Vogue on Designers" erschienen, in der nicht nur Schiaparelli und Chanel, sondern mit Christian Dior und Alexander McQueen auch zwei männliche Modeschöpfer vertreten sind. Ist der Reputation dieses Quartetts überhaupt noch etwas hinzuzufügen? Und ob: Selbst- und Fremdzeugnisse, Zitate, Entwürfe, Zeichnungen und Fotos aus dem Archiv der Vogue zeichnen in im Zusammenspiel mit der Arbeit der renommierten BiografInnen Judith Watt und Bronwyn Cosgrave lebendige Portraits der wegweisenden Kreativen Chanel und Schiaparelli. Diese heben sich vor allem aus gestalterischer Sicht mit viel Liebe zum Detail vom Gros der bisherigen Veröffentlichungen ab: So wird das leuchtende "shocking pink", Elsa Schiaparellis bekannte Farbschöpfung, im Design ihrer Ausgabe immer wieder aufgegriffen. Coco Chanels schlichter Chic wiederum inspirierte den Purismus der ihr gewidmeten Publikation, die fast ohne Farbe auskommt.

Einen kritischen Anspruch sollte frau an die Auseinandersetzung mit den Fashion-Pionierinnen allerdings nicht stellen: Als stilbildendes Medium liegt der Themenschwerpunkt der Vogue klar auf Mode, Design und Lifestyle, was sich auch in der Buchreihe äußert. Politische Implikationen der damaligen Zeit werden im Zuge der Frauenbiografien zwar thematisiert, Kontroverse wie das Verhältnis Chanels zu einem Nazi-Offizier bleiben jedoch unkommentiert.
Das ist jedoch auch nicht Aufgabe der Buchreihe. Dafür darf endlich einmal das ?uvre der Designerinnen und nicht ihre namhaften Affären oder reichen Gönner im Mittelpunkt stehen: Legendäre Kleider, Muster, die von Methoden der bildenden Kunst inspiriert wurden und Kreationen, die noch heute unter "Avantgarde" laufen würden - die Geschichten der kreativen Prozesse hinter den oft kopierten Konzepten von Chanel und Schiaparelli sind oft spannender als die hollywoodreifste Lovestory.

AVIVA-Tipp: Es gibt Bücher, die möchte frau einfach besitzen. Voilà, hier haben wir es mit zwei derartigen Exemplaren zu tun: Für bibliophile ModeliebhaberInnen, denen es im durchschnittlichen Fashion-Hochglanzmagazin an Persönlichkeit mangelt, schafft die Reihe "Vogue on Designers" eine Balance zwischen gestalterischem und inhaltlichen Anspruch. Dabei sind die Werke nicht nur hübsch anzusehen und informativ, sondern zeichnen auch die Verschmelzung von Kunst und Mode, von Hoch- und Popkultur exemplarisch an den Biografien der Ausnahmedesignerinnen nach.

AVIVA-Berlin im April 2013

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