Jutta Schwerin: Ricardas Tochter. Leben zwischen Deutschland und Israel

Artikelnummer: 978-3-940064-33-2

Als hoffnungsvolle Studierende am Dessauer Bauhaus lernen sie sich kennen: Ricarda und Heinz, die Eltern von Jutta Schwerin und geraten schon bald in den Strudel der weltgeschichtlichen Ereignisse: Das Bauhaus wird als "verjudete Brutstätte des Bolschewismus" von den Nazis geschlossen...

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Als hoffnungsvolle Studierende am Dessauer Bauhaus lernen sie sich kennen: Ricarda und Heinz, die Eltern von Jutta Schwerin und geraten schon bald in den Strudel der weltgeschichtlichen Ereignisse: Das Bauhaus wird als "verjudete Brutstätte des Bolschewismus" von den Nazis geschlossen, Heinz auf seiner nächsten Lebensstation in Frankfurt von der SA verhaftet. Nach geglückter Flucht müssen sich die beiden in Jerusalem eine neue Existenz aufbauen. Als ihre Tochter sieben Jahre alt ist, stirbt Heinz bei einem Einsatz der Hagana.

"Meine Mutter und ich hatten eine unglückliche Liebesgeschichte miteinander." Auf der Suche nach dem, was ihre Mutter geprägt hat, begibt sich Jutta Schwerin tief hinein in eine Familiengeschichte voller Ambivalenzen und offener Fragen. Und auch ihr eigenes Leben hält dramatische Wendungen parat: große Lieben, Kinder, Abschiede, Neuanfänge und Begegnungen mit eindrucksvollen Persönlichkeiten wie David Ben-Gurion, der Fotografin Ellen Auerbach,der Journalistin Charlotte Beradt und Hannah Arendts Mann Heinrich Blücher.

Sie erzählt von Menschen, die sich wie sie politisch engagieren, sei es in der kommunistischen Jugend,im SDS, in der Frauenbewegung, in der Kommunalpolitik oder als Bundestagabgeordnete der Grünen. So bilden ihre Erinnerungen nicht nur eine Annäherung an die Eltern, sondern eine Hommage an widerständige Charaktere, die wissen, wann es an der Zeit ist, "nein" zu sagen.

Jutta Schwerin erzählt in klaren Bögen, unsentimental, aber voller Empathie von dem, was das Leben ausmacht. Ob nun in Abgrenzung zur Mutter oder in der Fortsetzung ihrer Ideale und ihres selbstbestimmten Weges, eins bleibt sie immer: Ricardas Tochter.

Autor*in / Hrsg.: Jutta Schwerin
Biografien von/über: Aktivistinnen Politikerinnen
Zeitepoche: 20. und 21. Jh.
weitere Themen: jüdische Frauen
Weitere Informationen: Umfang: ca. 320 S. mit 65 schw.-w. Abbildungen
Einband: Leinen 
Gewicht: 518 g
Format: 210 x 151 x 25 mm
Erscheinungsjahr: 15.03.2012

Rezension von Luise F. Pusch auf fembio:

Jutta Schwerins spannende und bewegende Doppelbiographie über sich selbst und ihre Mutter, Ricarda Schwerin, beginnt in Jerusalem Ende Februar 1941. Die Bevölkerung verharrt in Schreckstarre, Mussolini hat Tel Aviv und Haifa bombardiert, Rommel scheint kurz davor, mit seinen Truppen bis nach Palästina vorzudringen. Und Ricarda Schwerin liegt in den Wehen. Heinz Schwerin, der junge Vater, steht seiner Frau durch alle Stadien bei. Als alles glücklich überstanden ist, "konnte Ricarda das Neugeborene nur wenige Sekunden in ihren Armen halten, so schwach war sie. Die Hebamme überreichte es Heinz."

Die Geburt war auch deswegen so anstrengend für Ricarda gewesen, weil sie "die Meinung vertrat, dass Schreien sich beim Kinderkriegen nicht schickte, jedenfalls nicht für gebildete Frauen." Mit wenigen Worten umreißt Jutta Schwerin die Problematik dieser Mutter-Tochter-Beziehung: Die Mutter muss übermenschliche Prüfungen durchstehen, sie bewahrt dabei Haltung, ist unglaublich tapfer, fast übertrieben heroisch. Das erschöpft sie dermaßen, dass sie ihre Tochter nicht im Arm halten kann. Aber da ist der Vater, warmherzig und spontan, er übernimmt Mutterstelle an dem Kind.

Und dann ereignet sich die Tragödie ihres Lebens, Ricardas wie Juttas: Heinz Schwerin stirbt kurz vor Juttas siebtem Geburtstag.

Jutta Schwerins Eltern lernten sich gegen Ende der Weimarer Republik am Bauhaus in Dessau kennen. Heinz war Jude, und so mussten die beiden jungen KommunistInnen bald nach Hitlers Machtergreifung aus Deutschland fliehen und landeten schließlich 1935 in Palästina. Sie waren nicht zionistisch, sondern streng modern, kommunistisch und atheistisch. Nach Palästina kamen sie, weil es sonst keine Möglichkeiten für sie gab. Aber sie sind jung und lieben einander innig; sie finden sich in die neue Lage und betreiben bald mitten in Jerusalem eine kleine Holzwerkstatt und stellen edles Kinderspielzeug her, strikt nach Bauhausprinzipien. 1944 übersiedeln auch Heinz' alte Eltern aus ihrem Exil in Lissabon nach Palästina.

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