Katja Lange-Müller: Drehtür

Artikelnummer: 978-3-462-04934-3

Asta Arnold ist nach 22 Jahren im Dienst internationaler Hilfsorganisationen am Münchener Flughafen gestrandet. Von den Kollegen weggemobbt aus der Klinik in Nicaragua, wo sie zuletzt tätig war, steht sie neben einer Drehtür und raucht. Sie wollte eigentlich gar nicht zurück. Aber weil sich ihre Fehlleistungen häuften, bekam sie ein One-Way-Ticket geschenkt. Nun weiß sie nicht, wie es weitergehen soll. Einigermaßen wohl fühlt sie sich nur, wenn sie gebraucht wird. Und wer könnte sie, die ausgemusterte Krankenschwester, jetzt noch brauchen?

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Asta Arnold ist nach 22 Jahren im Dienst internationaler Hilfsorganisationen am Münchener Flughafen gestrandet. Von den Kollegen weggemobbt aus der Klinik in Nicaragua, wo sie zuletzt tätig war, steht sie neben einer Drehtür und raucht. Sie wollte eigentlich gar nicht zurück. Aber weil sich ihre Fehlleistungen häuften, bekam sie ein One-Way-Ticket geschenkt. Nun weiß sie nicht, wie es weitergehen soll. Einigermaßen wohl fühlt sie sich nur, wenn sie gebraucht wird. Und wer könnte sie, die ausgemusterte Krankenschwester, jetzt noch brauchen? Während Asta über sich nachdenkt, beobachtet sie ihre Umgebung - und meint, Menschen wiederzuerkennen, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet ist: den Koch der nordkoreanischen Botschaft, der eines Abends mit geschwollener Wange in einem Berliner Hauseingang hockte, ihre Kollegin Tamara, die ein glühender Fan von Tamara 'Tania' Bunke war, ihren Exfreund Kurt, mit dem sie turbulente Wochen in einer tunesischen Ferienanlage verbrachte, einen amerikanischen Schauspieler, der einen Nazi-Arzt darstellte, und einige andere mehr. Mit jeder Zigarette taucht Asta tiefer in ihre Vergangenheit ein - und mit jeder Episode variiert die Erzählerin ein höchst aktuelles und existenzielles Thema: das Helfen und seine Risiken. Katja Lange-Müller liefert mit diesem Roman einen weiteren Beweis ihrer großartigen Erzählkunst.

"Jede Episode [...] besitzt die Handschrift der warmherzigen, vor Gescheitheit sprühenden Vitalität, die Katja Lange-Müller so schnell niemand nachmacht." DIE ZEIT

Autor*in / Hrsg.: Katja Lange-Müller
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Details: Umfang: 224 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.2 x 19.3 x 12.3 cm
Gewicht: 286 g
Erscheinungsdatum: 11.08.2016

~ LESEPROBE ~

Rezension von Yvonne de Andrés auf Aviva-Berlin:

Nach einem langen Flug aus Nicaragua fühlt sich der Flughafen Riem in München frostig und aseptisch kalt an. Unsanft wurde Asta Arnold von ihrem Arbeitgeber mit einem one-way Ticket ausgemustert. Sie sitzt fest. Gestrandet schreitet sie ihre Lebenserinnerung ab.

Bei einer Drehtür ist es ganz wichtig die eigene Gehgeschwindigkeit der Tür-Drehung anzupassen. Andernfalls kann es leicht geschehen, dass frau gegen die gläsernen Türflügel stößt, stürzt oder in der Drehtür stecken bleibt. Als Fluchttüren sind die Drehtüren wenig geeignet.

Bei Asta Arnold hat sich so eine Drehtür in ihrem Leben mehr als nur verkantet. Nach 22 Jahren als Krankenschwester bei internationalen Hilfsorganisationen kommt sie in ein komplett verändertes Deutschland zurück. Die DDR gibt es nicht mehr, sie ist untergegangen. Die Welt in der Bundesrepublik Deutschland hat sich auch verändert, außerdem es gibt niemanden, der auf Asta wartet. Sie ist im Flughafen-Terminal gestandet: "Nur wohin ich nun soll oder will, das weiß ich nicht. Kein Geld, kein Zuhause, keine Familie, keine Freunde, keine Perspektive ?".

Ihr letzter Arbeitseinsatz in Managua endete desaströs. Die zunehmende Unkonzentriertheit im Beruf war der Grund der Kündigung. Zum 65. Geburtstag wird sie mit einem kalten Händedruck in Rente geschickt. Asta steht vor dem Aus. Sie steckt buchstäblich in der Drehtür fest. Das Berufsleben bedeutete ihr alles und jetzt ist es vorbei: "Zu helfen weckt ein seltsames Verlangen in dir, aber eines, das gestillt werden kann, so betörend, dass du es wieder tun willst und immer wieder." Auch ihr Koffer ist nicht mitgekommen und so raucht sie die im Duty-free-Shop günstiger erworbenen Zigaretten, wartet ab, und hängt episodenhaft ihren Erinnerungen nach.

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