Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther

Artikelnummer: 978-3-518-46596-7

Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete, wer hat sie gehört?

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Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete - wer hat sie gehört? Und als die Soldaten die Babuschka erschossen, "mit nachlässiger Routine" - wer hat am Fenster gestanden und zugeschaut?

In Kiew und Mauthausen, Warschau und Wien legt Katja Petrowskaja Fragmente eines zerbrochenen Familienmosaiks frei - Stoff für einen Epochenroman, erzählt in lapidaren Geschichten. Die Autorin schreibt von ihren Reisen zu den Schauplätzen, reflektiert über ein zersplittertes, traumatisiertes Jahrhundert und rückt Figuren ins Bild, deren Gesichter nicht mehr erkennbar sind. Ungläubigkeit, Skrupel und ein Sinn für Komik wirken in jedem Satz dieses eindringlichen Buches.

Das Buch der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2013 als Taschenbuch 




Autor*in / Hrsg.: Katja Petrowskaja
Belletristik: zeitgenössischer Roman
Land im Fokus: Polen
Weitere Informationen: suhrkamp taschenbuch 4596
Umfang: 285 S., 14 s/w Illustr.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.8 x 19 x 12 cm
Gewicht: 260 g
Erscheinungsdatum: 06.04.2015

~ LESEPROBE ~

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Rezension von Lisa Sophie Kämmer auf AVIVA-Berlin:

Hatte sie wirklich Esther geheißen? Einfühlsame literarische Tiefenbohrungen in die eigene Familiengeschichte legen Namen einer fernen Vergangenheit frei, in die kein Weg mehr zurückführt.

Wie ist es gewesen und was, wenn alles anders verlaufen wäre? Nach dem Tod ihrer Tante und der anschließenden Erkenntnis, sich mittels persönlicher Gespräche nicht mehr den "Windmühlen der Erinnerung" stellen zu können, sind es diese Fragen, die die Autorin Katja Petrowskaja umtreiben.

Um die Geschichte ihrer jüdischen Familie, deren Mitglieder sie zeitlebens an einer Hand abzählen konnte, in der Folge nachzuzeichnen, begibt sich die 1970 in Kiew geborene Journalistin auf die Suche nach den eigenen Wurzeln. Im Zuge ihrer Recherchen führt es sie zuerst nach Warschau, wo ihr Urgroßvater zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schule für Taubstumme leitete. Das Unterrichten taubstummer Kinder wird von Petrowskaja dabei mit unverkennbarer Anerkennung besonders herausgestellt, handelte es sich doch um eine altruistische Tätigkeit, die ihre Verwandten mütterlicherseits bereits in der siebten Generation ausübten.

Von Polen, wo ihre Vorfahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten und um deren "westliche" Herkunft sie von der jungen Sowjetbürgerin Petrowskaja Jahrzehnte später beneidet wurden, verschlägt es die Autorin schließlich in ihre Geburtsstadt. In der "Weiberschlucht" von Babi Jar vernimmt sie retrospektiv die letzten Lebenszeichen ihrer Urgroßmutter und Großtante, bevor die beiden an einem sonnigen Herbsttag 1941 von deutschen und ukrainischen Soldaten ermordet wurden. Das titelgebende Kapitel "Vielleicht Esther" bildet hierbei das Herzstück dieser intimen Reise in die Vergangenheit. Basierend auf einer Zeugenaussage unternimmt Petrowskaja darin den Versuch, die letzten Stunden ihrer namenlosen Urgroßmutter zu rekonstruieren, die schließlich mit der Erschießung der gebrechlichen Frau im besetzten Kiew enden. Ob sie wirklich Esther geheißen hatte, bleibt offen.

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