Katrin Meyer: Macht und Gewalt im Widerstreit. Politisches Denken nach Hannah Arendt

Artikelnummer: 978-3-7965-3556-7

Die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) hat die politische Theorie des 20. Jahrhunderts durch eine folgenreiche begriffliche Unterscheidung nachhaltig herausgefordert. Sie entwickelt in ihren Schriften Vita activa, Über die Revolution und Macht und Gewalt in den 1950er und 1960er Jahren die These, dass Macht und Gewalt zwei politische Phänomene darstellen, die gegenteilige Ursachen und Effekte haben und darum radikal zu unterscheiden sind.

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Philosophische Analysen zum Verhältnis von Macht und Gewalt

Die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) hat die politische Theorie des 20. Jahrhunderts durch eine folgenreiche begriffliche Unterscheidung nachhaltig herausgefordert. Sie entwickelt in ihren Schriften Vita activa, Über die Revolution und Macht und Gewalt in den 1950er und 1960er Jahren die These, dass Macht und Gewalt zwei politische Phänomene darstellen, die gegenteilige Ursachen und Effekte haben und darum radikal zu unterscheiden sind. Arendt unterzieht die politische Geschichte der Gegenwart im Lichte des Gegensatzes von Macht und Gewalt einer Relektüre und entwickelt ein neues Verständnis von Revolution und Demokratie, von ökonomischer Rationalität und totaler Herrschaft. Den Ausgangspunkt ihrer politischen Philosophie bildet die Überzeugung, dass sich der freiheitliche Charakter der Politik daran bemisst, wie weit sie Gewalt in ihren verschiedenen Facetten vermeiden und transformieren kann. Das vorliegende Werk analysiert Arendts politische Philosophie, indem sie die deskriptive und normative Unterscheidung von Macht und Gewalt ins Zentrum rückt.

Der Gegensatz der beiden Konzepte bietet einen Schlüssel, um wichtige Aspekte von Arendts politischem Denken zu klären, die bei Arendt selbst wie auch in der Sekundärliteratur nur ansatzweise ausgeführt sind. Dies beinhaltet einerseits die genauere Bestimmung des Konzepts der Macht, verstanden als Ermöglichungsmacht und als Durchsetzungsmacht sowie deren Abgrenzung zu Formen der politischen Gewalt. Andererseits geht es darum, Arendts emphatisches Verständnis von Macht als Praxis des Anfangens, Teilens und der Teilhabe kritisch nach seinen Grenzen und Ausschlüssen zu befragen und zu zeigen, wo sich in Arendts eigener Machttheorie Gewalt implizit einschreibt und wie auf politischer Ebene Macht und Gewalt zusammenwirken können. Das Buch bietet eine klare und detaillierte Rekonstruktion von Arendts Verständnis von Macht und Gewalt und diskutiert dessen aktuelle Bedeutung für eine politische Theorie demokratischer Praxis.

Autor*in / Hrsg.: Katrin Meyer
weitere Themen: Hannah Arendt
Details: Schwabe reflexe 47 
Umfang: 201 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.3 x 19.5 x 12.1 cm
Gewicht: 202 g
Erscheinungsdatum: 24.10.2016

Rezension von Hannah Hanemann auf AVIVA-Berlin:

Gewalt ist das Gegenteil von Macht - mit dieser Festlegung hat die jüdische Philosophin Hannah Arendt die sozialphilosophische und politische Debatte entscheidend verändert. Die Autorin, Lehrbeauftragte für Philosophie und Gender Studies an verschiedenen Schweizer Universitäten analysiert Arendts Machttheorie und stellt deren Bedeutung in der Gegenwart vor.

Macht wird im philosophischen sowie im alltäglichen Sprachgebrauch auf unterschiedliche Weisen definiert, jedoch meistens mit Gewalt oder zumindest Zwang gleichgesetzt.
Die Philosophin Hannah Arendt revolutionierte den philosophischen Diskurs des 20. Jahrhunderts, indem sie einen positiven Machtbegriff einführte, der sich klar von dem der Gewalt unterscheidet. Für sie sind beide Begriffe unvereinbar und gegenteilig: "Gewalt kann Macht nur zerstören, sie kann sich nicht an ihre Stelle setzen." Gewalt ist nach Arendt ein Mangel an Macht, nicht ihre Steigerung. Macht entstünde nicht durch die Unterdrückung von GegnerInnen, sondern durch die Erlangung von Zustimmung, nämlich dann, wenn Menschen einvernehmlich zusammen handeln. Sie ist somit ein kollektiver Prozess normativer Art, der nur von mehreren, nie von Einzelnen realisiert werden kann.

Diese zentrale These Arendts bildet den Grundpfeiler für ihre politische Vision der Möglichkeit von gewaltfreier, positiver Macht, die aus Einvernehmen und gegenseitiger Ermächtigung entsteht und die keine Macht über jemanden oder etwas ist, sondern eine Handlungsmacht. Für deren Entstehung ist es notwendig, dass alle Menschen gleichwertig und als frei behandelt werden und das Recht auf Partizipation innerhalb der Gesellschaft haben.

Arendts Theorie feministisch rezipiert

An diesem Punkt knüpft Katrin Meyer an, wenn sie im Rahmen ihres Buches, neben einer eingehenden Analyse des Machtbegriffs Hannah Arendts, auch Bezüge zum heutigen Zeitgeschehen zieht, etwa zur Flüchtlingskrise oder zu Fragen des Feminismus. Letzterem hat sie das letzte Unterkapitel ihres Buches gewidmet in dem sie analysiert, wie Arendts Machttheorie in eine feministische Debatte eingebettet werden und dieser nützen könnte.
Obwohl Hannah Arendt sich selbst nie als Feministin bezeichnete und ihre Beziehung zu dem Thema eher unterkühlt bis ignorant war, lassen sich ihre Theorien einer gewaltlosen Handlungsmacht, die durch freie und gleichberechtigte BürgerInnen geschaffen und aufrecht gehalten wird, durchaus mit denen des Feminismus vereinbaren.

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