Kerstin Decker: Franziska zu Reventlow

Artikelnummer: 978-3-8270-1362-0

Sie war der Stern der Münchner Boheme, Virtuosin der freien Liebe, Avantgardistin der Alleinerziehenden, Vorläuferin des modernen intellektuellen Prekariats und nicht zuletzt eine bis heute unterschätzte Schriftstellerin. Man hat in ihr die Urgroßmutter der sexuellen Revolution identifiziert, aber den Preis übersehen, den sie zahlte.

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'Ich finde, daß ihr Leben eins von denen ist, die erzählt werden müssen.' Rainer Maria Rilke

Sie war der Stern der Münchner Boheme, Virtuosin der freien Liebe, Avantgardistin der Alleinerziehenden, Vorläuferin des modernen intellektuellen Prekariats und nicht zuletzt eine bis heute unterschätzte Schriftstellerin. Man hat in ihr die Urgroßmutter der sexuellen Revolution identifiziert, aber den Preis übersehen, den sie zahlte.

Am 25. Juli 1918 stürzt Franziska zu Reventlow in Locarno vom Fahrrad. Nach einer Notoperation stirbt sie am frühen Morgen des 26. Juli 1918 an Herzversagen - 47 Jahre alt.

Weil sie, obwohl ein Mädchen, kompromisslos 'ich' sagte, wurde die junge Comtesse von ihrer Familie verstoßen und beinahe entmündigt. Die Vielliebende fand es verantwortungslos, an Männern, die ihr gefielen, vorüberzugehen. Sie streifte manchen intim, den man immer noch kennt, etwa Rainer Maria Rilke, Karl Wolfskehl oder Ludwig Klages. Zum ersten Mal wird die Biografie ihrer Lieben erzählt, denn auch Lieben sind Lebewesen: Sie werden geboren, reifen und sterben, aber nicht alle. In Kerstin Deckers ebenso tragischem wie komischem Bericht dieses Lebens bleibt vom Bild der robusten Männersammlerin fast nichts übrig. Es entsteht ein einzigartiges Mutter-Kind-Porträt und das Bild einer Frau, die eine so weltüberlegen-hochironische Prosa schrieb, dass es Männern schwerfiel, an eine Autorin zu glauben.

Autor*in / Hrsg.: Kerstin Decker
Biografien von/über: Schriftstellerinnen
Zeitepoche: 18. und 19. Jh.
Details: Umfang: 384 S., 1 s/w Illustr.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 3.4 x 22 x 14.5 cm
Gewicht: 560 g
Erscheinungsdatum: 01.06.2018


Rezension von Silvy Pommerenke bei Aviva-Berlin:

Zum einhundertsten Todestag von Franziska zu Reventlow am 26. Juli 2018 hat die Philosophin und Redakteurin des "Tagesspiegel" Kerstin Decker die "Skandalgräfin" mit einer Biographie verewigt und zeichnet das Bild einer ungewöhnlichen und selbstbewussten Frau der Jahrhundertwende nach.

Früh schon glänzte Franziska zu Reventlow, die 1871 in Husum geboren wird, als Rebellin und Mädchen mit eigenem Willen. Sehr zum Missfallen ihrer Mutter, die sie (im Gegensatz zu ihren Brüdern), nicht nur körperlich züchtigt, sondern auch in das Altenburger Internat "Magdalenenstift" steckt, in dem es kaum weniger hart zugeht. Die Kritik Franziska gegenüber lautet: "Durch Mängel an Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit war sie ein nachteiliges Beispiel für Andere." Diese Aussage führt schließlich zur unehrenhaften Entlassung Franziskas aus dem Internat.

Dieses vernichtende Urteil ist gleichzeitig eine Art Vorausschau auf das Leben der Adeligen, denn sie wird sich nie irgendwem unterordnen, schon gar nicht den gesellschaftlichen Zwängen. Was an diesem Orakel allerdings nicht stimmt ist, dass sie ein nachteiliges Beispiel für Andere sei. In Bezug auf die damaligen Verhaltensstandards für Mädchen und Frauen mag das zwar zutreffend sein, aber wenn der Blick etwa hundert Jahre in die Zukunft geht, so war Fanny zu Reventlow ein Vorbild für die 68er mit ihrer sexuellen Revolution. So hat die Reventlow unter anderem auch den Spitznamen die "Urgroßmutter der sexuellen Revolution" erhalten.

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