Kris Adlitz: Warum hält sich die Geschlechterungleichheit?

Artikelnummer: 978-3-8370-2041-0

Wie lassen sich die aktuellen Geschlechterverhältnisse in Deutschland erklären? Dieses Buch versucht eine umfassende und grundsätzliche Kritik der Zusammenhänge - von der Geschlechtszuweisung über die Lohn- bis zu den Rentendifferenzen, vom Versprechen des Glücks in der Liebe über Bettgespräche bis zum sexuellen Missbrauch, von der Vereinbarkeitsproblematik über sexistische Witze bis zur LGBTI*-Bewegung.

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Wie lassen sich die aktuellen Geschlechterverhältnisse in Deutschland erklären? Dieses Buch versucht eine umfassende und grundsätzliche Kritik der Zusammenhänge - von der Geschlechtszuweisung über die Lohn- bis zu den Rentendifferenzen, vom Versprechen des Glücks in der Liebe über Bettgespräche bis zum sexuellen Missbrauch, von der Vereinbarkeitsproblematik über sexistische Witze bis zur LGBTI*-Bewegung.

Dazu werden die üblichen Denkweisen problematisiert: Weder Rollenzuschreibungen noch die Biologie biparentaler Fortpflanzung, die kulturelle Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit oder das Patriarchat können die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse sinnvoll bestimmen. Erst eine Kritik der bürgerlichen Herrschaftsformen erklärt, warum sich die Geschlechterkultur gewandelt hat und die Geschlechterungleichheit in Deutschland bestehen bleibt.

» mehr Informationen: www.geschlechterungleichheit.de

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Warum hält sich die Geschlechterungleichheit

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Leseprobe

Autor*in / Hrsg.: Kris Adlitz
Details: Einbandart: kartoniert
Umfang: 300 S., 15 farbige Illustr.
Format (T/L/B): 1.9 x 21 x 14.8 cm
Gewicht: 578 g
Erscheinungsdatum: 16.03.2020

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5 von 5 Der Inhalt der Herrschaft

Das, was das Buch besonders für den Feminismus macht, ist die Ablehnung einer Patriarchatstheorie für die Analyse der aktuellen Geschlechterungleichheit! Keineswegs leugnet das Buch die Benachteiligung von Frauen, im Gegenteil, aber es nennt eine Reihe Argumente, warum mit den Ausdrücken Patriarchat oder Männerherrschaft analytisch die Verhältnisse mehr vernebelt werden als Erkenntnisse gewonnen. Die Ausdrücke wären vor allem Anzeiger einer Parteilichkeit, Adlitz will aber mehr. Die Ablehnung dieser Worte ist nun nicht unbedingt neu. Jüngere Feministinnen reden schließlich schon länger nicht mehr in diesen Kategorien. Sie haben, wie Butler, ein Unbehagen vor einfachen Weltbildern und Stereotypen. Das Problem: Foucault, Butler, Bourdieu und Freund_innen haben mit ihren Macht- und Diskursanalysen auch nicht gerade zu einer Klärung beigetragen, oft individualistische Sichten befeuert und so auch neoliberale Verhältnisse fortgeschrieben bzw. vernebelt. So spaltete sich der Feminismus und Franziska Giffey kann sich als dessen Speerspitze ausgeben. Das Buch wendet sich gegen die alten Patriarchatstheorien wie gegen die neuen Machttheorien. Beide Theoriesorten seien statisch in ihren Begriffen und können nicht den Wandel der Geschlechterungleichheit erklären, sondern diese immer nur wieder neu beschreiben, so ein Argument von Adlitz. Zugespitzt: Wer von den Männern oder den Frauen redet, genau wie von nicht enden wollenden Differenzen oder Konstruktionen, produziert Stereotype, begriffsleere Abstraktionen, ja Phrasen, manchmal sogar Verschwörungstheorien. Adlitz bemängelt bei diesen Ansätzen zu Recht die Bestimmung des Inhalts der modernen Herrschaft (siehe auch Wohlfahrt) – auch bei den neuen Eins-Zwei-Drei-Neunundzwanzig-Herrschaftsformen-Ansätzen. Bevor Adlitz seine eigene Kritik zur Diskussion stellt, geht es also im ersten Drittel des Buches aus meiner Sicht implizit um das aktuelle Scheitern des Feminismus bzw. dessen Verstaatlichung, denn es stimmt ja: Die Geschlechterungleichheit hält sich, trotz bzw. gerade wegen den Giffeys. Ein Unbehagen an den eigenen Herrschafts- und Machttheorien ist so wohl nicht ganz unberechtigt. Dass nun gerade vom Marxismus ein fundierter Erklärungsansatz des Unbehagens wie der Geschlechterungleichheit kommt, ist unerwartet. Die Marxschen Begriffe scheinen geschlechtsneutral. Das sie dies, in ihren Auswirkungen auf die Menschen, aber nicht sind, zeigt das Buch ausführlich und nicht nur zu Fragen der Ökonomie. Das eigentlich Besondere des Buches ist nämlich, dass es sehr viele Themen und theoretische Fragen der Geschlechterdebatte zu erklären sucht. (Wer eine ausführliche Rezi sucht: Ich habe bisher nur eine von Prof. Norbert Wohlfahrt auf social.net gefunden.) So ist es nicht nur spannend, sondern auch abwechslungsreich. Da es flüssig geschrieben, ästhetisch gestaltet und günstig ist, könnte es von einigen gelesen werden. Zu wünschen wäre es.

., 13.07.2020
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