Leah Bretz, Nadine Lantzsch: Queer_Feminismus. Label & Lebensrealität

Artikelnummer: 978-3-89771-123-5

Der Band spürt den verschiedenen Geschichten und Theorien rund um Queer_Feminismus nach und zeigt exemplarisch, welche Aktions- und Widerstandsformen heute unter Queer_Feminismus gefasst werden.

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Der Band spürt den verschiedenen Geschichten und Theorien rund um Queer_Feminismus nach und zeigt exemplarisch, welche Aktions- und Widerstandsformen heute unter Queer_Feminismus gefasst werden. Dabei geht es nicht nur um Demonstrationen und Subkultur, sondern auch um die politische Ausgestaltung des Alltags. Was bedeutet Queer_Feminismus? Welche Verantwortlichkeiten ergeben sich aus dem Begriff und wieviel Handlungspotenzial wohnt ihm inne?

Hegemoniale Geschichtsschreibung reduziert queer_feministische Forderungen auf Kämpfe, die hauptsächlich im Interesse bestimmter, gesellschaftlich privilegierter Personengruppen stattfinden und macht jene unsichtbar, die schon immer Teil queer_feministischen Aktivismus waren und sind.
Einführend wird versucht, Verbindungslinien, Leerstellen und Konflikte in queer_feministischer Geschichte und Gegenwart im deutschsprachigen Raum aufzuzeigen und zu diskutieren.
Damit einhergehend werden Beispiele queer_feministischer Praxen, Interventionen und Aktivismus vorgestellt sowie im Zuge dessen immer wieder auftretende Konflikte und Grenzen kritisch betrachtet. Queer_feministischer Aktivismus arbeitet heutzutage häufig mit dem Anspruch verschiedene Machtverhältnisse zusammenzudenken und in ihrer Verwobenheit zu bekämpfen. Wie wird dieser oft formulierte Anspruch in der Praxis umgesetzt ? wo liegen die Grenzen der Umsetzung?

Autor*in / Hrsg.: Nadine Lantzsch Leah Bretz
Feminismus: Queerfeminismus
Weitere Informationen: transparent - geschlechterdschungel Bd.3
Einband: Kartoniert
Umfang: 80 S. 180 mm 
Format (T/L/B): 0.8 x 18 x 11
Gewicht: 92 g
Erscheinungsdatum: 05.03.2013

Rezension von Antje Schrupp:

Leah Bretz und Nadine Lantzsch haben ein kleines, sehr lesenswertes Buch geschrieben, in dem sie ihre Praxis des Queer-Feminismus erläutern. Lesenswert fand ich es vor allem deshalb, weil sie dabei das machen, was meiner Meinung nach die Stärke feministischer Politik ausmacht: Sie gehen von sich selbst und ihren eigenen Erfahrungen aus, machen ihre Überlegungen nachvollziehbar, zeichnen die Debatten nach, in die diese eingebettet sind, beziehen sich auf andere, von denen sie gelernt haben, und kommen dadurch zu neuen Einsichten und Urteilen über die Welt, die sie nun wiederum mit anderen teilen.

Auch wenn ich selbst mich ja nicht als queer verstehe, habe ich bei der Lektüre vieles verstanden und gelernt, was ich in den oft eher zerstückelten und schwer in bestimmte Kontexte einzuordnenden Hin und Hers in Blogs oder auf Twitter nur erahnt hatte. Vielleicht ist das "Buch" als Format der längeren Texte zu einem Thema ja doch nicht ganz ad acta zu legen.

Ein zentrales Anliegen dieses Buches ist die Sprache, die Art und Weise, wie und von wem über Dinge (nicht) gesprochen wird, was gesagt und gehört wird und was nicht. Dass Sprechen und Handeln nicht zweierlei Dinge sind, sondern dass Sprechen eben selbst eine Form des Handelns ist, finde ich auch (ich nenne das im Anschluss an italienische Feministinnen "Arbeit an der symbolischen Ordnung").
Um etwas Neues zu sagen, das im Rahmen der vorherrschenden symbolischen Ordnung (noch) nicht denkbar und sagbar ist, braucht es auch eine andere Sprache, die Aufmerksamkeit für Formulierungen, die Erfindung neuer Sprachformen und neuer Wörter. "Entmerken" und "wegnennen" sind zum Beispiel zwei Wortschöpfungen, von denen ich mir gut vorstellen kann, dass sie in meinen aktiven Sprachgebrauch eingehen, ebenso die Verwendung des Unterstrichs, der hier nicht nur im Sinne des Gender-Gaps (wie bei "Leser_innen") oder als wandernder Unterstrich ("Les_erinnen") auftritt, sondern auch, um den Sinn von Worten zu erweitern. "Be_deuten" etwa schreiben die Autorinnen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Bedeutungen eben nicht einfach da sind ("Das Wort X bedeutet dies und jenes"), sondern dass sie von den Sprechenden oder Schreibenden gegeben werden: Wir be_deuten Worte, indem wir ihnen durch die Art, wie wir sie verwenden, mit einer Bedeutung ausstatten, zum Beispiel "Frau" oder "Lesbe" oder "Liebespaar").

Vor allem aber wird der Unterstrich in dem Buch dazu verwendet, die Ambivalenz und Mehrdeutigkeit auszudrücken, die in vielen Situationen teilweise_ganz notwendig ist, um bestimmte Dinge mitzudenken_schreiben_merken_w_orten. Anfangs ist das etwas merk_würdig zu lesen, aber nach einigen Seiten war ich "drin" und es hat mir gefallen.

Besonders interessiert haben mich die Ausführungen zur Praxis, wobei mir beim Lesen klar geworden ist, warum vieles von dem, was die Autorinnen als "Interventionen" beschreiben, oft auf so heftigen Widerspruch stößt. Eine Intervention, die sie vorschlagen, ist zum Beispiel "umverteilung ohne anerkennung", was bedeutet, dass Menschen, die in bestimmten Kontexten privilegiert sind, dort notwendige Arbeiten übernehmen, dabei aber die Deutungs- und Definitionshoheit den anderen überlassen und keine Dankbarkeit oder Anerkennung für das, was sie tun, verlangen und bekommen (S. 32). Dahinter steht die traurige Beobachtung, dass selbst in Gruppen, die sich als kritisch, feministisch oder antirassistisch verstehen, die Privilegierteren oft dazu neigen, die Sache zu dominieren, es besser zu wissen als die anderen und so weiter.

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