Lisa Lombardo: Weltwärts nach Tansania. Ein Jahr als Freiwillige in Afrika

Artikelnummer: 978-3-86040-199-6

Schon immer wollte die Autorin als Ärztin in afrikanischen Ländern tätig sein, doch wegen ihres langen Medizinstudiums lag dieses Ziel in weiter Ferne. Stattdessen gab´s erstmal Erfahrungen in einem afrikanischen Krankenhaus. Nach dem Abitur also ab in den Osten des afrikanischen Kontinents ...

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Schon immer wollte die Autorin als Ärztin in afrikanischen Ländern tätig sein, doch wegen ihres langen Medizinstudiums lag dieses Ziel in weiter Ferne. Stattdessen gab´s erstmal Erfahrungen in einem afrikanischen Krankenhaus. Nach dem Abitur also ab in den Osten des afrikanischen Kontinents mit Unterstützung des 'weltwärts'-Programms der Bundesregierung und ihres Trägers IN VIA Köln. Am Kilimanjaro, im Norden des Landes, war sie ein Jahr lang als Krankenschwester in einer kleinen Krankenstation namens 'Faraja Health Care' in Tansania eingesetzt.

In ihrem Buch schildert sie ihre Zeit vor Ort. Sie spart nichts aus in ihren Berichten, beschreibt sowohl Höhen als auch Tiefen des Lebens einer deutschen Freiwilligen in Tansania und überdenkt eigene und gesellschaftliche Strukturen und Denkmuster. Zwölf Monate werden so zusammengefasst und ein roter Faden wird erkennbar: Vom unsicheren Ankommen in fremder Umgebung und dem ersten Kontakt mit Kiswahili und Medizin, über die Annäherung an die Tansanier, den Erwerb neuer Verhaltensmuster, gesellschaftlicher Normen und vom Vokabelnpauken, von der Anpassung an das Leben vor Ort und den Krankenhausalltag bis zum Abschied nach einem Jahr. Es geht sowohl um alltägliche Dinge wie das Duschen aus einem Eimer und dem Essen mit den Fingern, als auch um Patientenschicksale und Medizin, die der unausgebildeten Freiwilligen zu schaffen machten.

Dieses Buch dient als die etwas andere Vorbereitungslektüre für diejenigen, die es ins außereuropäische Ausland zieht und die auf der Suche nach einer umfassenden Darstellung sind.

Autor*in / Hrsg.: Katherina Lombardo
Land im Fokus: Tansania
Reisebuchtyp: Leben und Arbeiten im Ausland
Reiseregion(en): Afrika
Weitere Informationen: Jobs, Praktika, Studium 61
Umfang: 172 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.1 x 21 x 15 cm
Gewicht: 269 g
Lesealter: 16+
Erscheinungsdatum: 15.10.2013 

Tag 23: Aus Wörtern werden Sätze
Nach dreiundzwanzig Tagen in einer fast ausschließlich Swahili sprechenden Umgebung hier eine kurze Anekdote, die beschreibt, wie schwer es ist, mit uns zu kommunizieren.
Täglich nach der Pause werde ich gefragt, was ich gegessen hätte. Gestern habe ich auf diese Frage geantwortet Nimekula matunda tu. Inatosha. (Ich habe nur Obst gegessen. Das reicht.)
Als ich diesen Satz fließend über die Lippen gebracht hatte, ist es mit mir durchgegangen und ich habe noch drangehängt Kwa sabubu natapika leo ya jioni , im Glauben, es heiße Weil ich heute Abend kochen werde. Heißt es nicht!
Alle fragten mich sofort, ob ich krank sei und warum ich denn zur Arbeit käme und sagten, dass ich sofort nach Hause gehen solle. Ich war ziemlich perplex, bis sich alles aufklärte: Ich habe nitapika mit natapika verwechselt. Während nitapika wirklich Ich werde kochen heißt, bedeutet natapika hingegen Ich übergebe mich .
Ein großartiges Beispiel für die grandiosen Missverständnisse, die im Moment entstehen, wenn ich versuche, Swahili-Sätze zu bauen. Es macht dennoch immer mehr Spaß, Kiswahili zu sprechen. Durch solche Situationen lerne ich nicht nur dazu, sondern bereite den Menschen um mich herum auch noch eine Freude. Tag 45: Gesichter
Nach fast sieben Wochen überlagern langsam konkrete Bilder die Wörter, Begriffe und Vorstellungen, die ich mitgebracht hatte.
Wir hatten uns zum Beispiel alle darauf eingestellt, mit AIDS konfrontiert zu werden. Für mich ist AIDS auf einmal keine weitentfernte Krankheit mehr, sondern hat Gesichter: Eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern, die sich über ein Jahr lang mit lokaler Medizin, dass heißt mit Pflanzen und Magie , behandeln ließ, bis sie am Dienstag im Faraja erfuhr, dass ihre Beschwerden von Gebärmutterhalskrebs und HIV/AIDS herrühren.
Eine andere Hochschwangere weigerte sich, AIDS-Medikamente zu nehmen, da ihr Mann nichts von ihrer HIV-Infizierung wissen durfte. Das bedeutet, dass sie nicht nur ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes gefährdete, sondern genauso das Leben ihres Mannes und das der drei älteren Kindern. Dies nur wegen des Stigmas, das in Tansania und Afrika immer noch so weit verbreitet ist.
Vor unserer Ausreise haben wir außerdem immer wieder von Local Medicine gelesen. Vom Glaube an Zauber, Kräuter und Heiler. Die ebenenerwähnte Frau ist ein gutes Beispiel dafür. Es gibt noch viele weitere, die erst nach Jahren der Behandlung bei einem Heiler endlich ein Krankenhaus aufsuchen, mit Tumoren, die während dieser Zeit unbeschreiblich groß geworden sind oder sich Tuberkulose, HIV oder Hautinfektionen zugezogen haben.
Besonders furchtbar ist der Fall eines jungen Mannes, der mit einem Zungentumor eingeliefert wurde, der sich auf sein ganzes Gesicht und den rechten Arm ausgeweitet hatte: Er kann kaum atmen, nicht mehr sprechen, nur in Tee aufgeweichtes Brot zu sich nehmen und seine Augen nicht mehr öffnen. Es ist immer wieder ein schrecklicher Anblick, einen so jungen Kerl leiden zu sehen. Wie bei fast allen Patienten wacht sein Verwandter Tag und Nacht an seinem Bett und pflegt ihn, was mit Sicherheit keine leichte Aufgabe ist. Der Patient war übrigens mein erster, der verstarb.
Die Familie als soziales Netz , von der wir in allen Büchern vor unserer Abreise gelesen hatten, ist in meinem Krankenhaus ebenfalls gut zu beobachten. Die Familie ersetzt hierzulande meist dieses fehlende Netz, das bei uns der Staat liefert: Die Familie pflegt ihre Kranken und Alten und finanziert auch weitentfernten, bedürftigen Angehörigen die Behandlungen. In meinen Augen einerseits eine schöne Sache, denn bei uns hat Familie so häufig kaum noch Bedeutung, der Umgang mit alten Menschen ist ein vollkommen anderer als Zuhause und einige bei uns sollten sich den respektvollen Umgang mit älteren Generationen zum Vorbild nehmen. Doch hat diese Struktur leider nicht nur Vorteile.

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