Luise F. Pusch: Die dominante Kuh. Neue Glossen

Artikelnummer: 978-3-8353-1223-4

Mit Biss und Humor entlarvt Luise F. Pusch die blinden Flecken in männlicher Sprache und Gesellschaft.

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Mit Biss und Humor entlarvt Luise F. Pusch die blinden Flecken in männlicher Sprache und Gesellschaft.

Wenn der Damenstudent zum Tanz gebeten wird, die Caprese mit Büffelmilch-Mozzarella zubereitet wird oder auf Facebook aus zwei Freundinnen "Freunde" werden, ist die feministische Linguistik und Gesellschaftskritik gefordert. Ob das Genus von "Single" oder eine Erklärung dafür verlangt wird, wie das männliche Pendent zu "Entjungferung" lautet, Luise Pusch antwortet mit Ironie und analytischer Schärfe.


Autor*in / Hrsg.: Luise F. Pusch
Feminismus: Deutscher Feminismus
weitere Themen: feministische Sprache
Weitere Informationen: Umfang: 144 S., ca. 10 Abb.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.3 x 20.2 x 12.1
Gewicht (incl. Verpackung): 178 g
Erscheinungsdatum: 15.03.2013

Rezension von Julia Lorenz auf AVIVA-Berlin:

Gendern für Fortgeschrittene: Wie tief Sexismen tatsächlich in unserer Sprache verankert sind, zeigt die Linguistin amüsant und pointiert in ihren Abhandlungen und fordert die "Entjunkerung" der holden Männlichkeit - zumindest, solange auch die "Entjungferung" Bestand hat.

Soweit nichts Neues: Sprache konstruiert unsere Wirklichkeit und schafft somit "Herr"schaftsstrukturen - bisher zum eindeutigen Nachteil der weiblichen Hälfte der Weltbevölkerung. Während in einigen Kreisen noch immer leidenschaftlich über Sinn und Unsinn des Genderns diskutiert wird, spitzt Luise F. Pusch schon längst die Feder und knöpft sich die deutsche Grammatik von Grund auf vor. Denn die Probleme sitzen zu tief, um allein durch Unterstriche und aufmüpfige Binnen-Is gelöst zu werden.

Als Feministin und Professorin für Linguistik ist Pusch eine gefährliche Partie für TraditionalistInnen. Sie weiß, wovon sie redet, wenn sie sprachliche Verbrechen wie "Damenstudent" kritisiert, und bringt dazu eine Menge Reformationswillen ins Spiel. In ihren prägnanten, wunderbar ironischen Glossen denkt sie das Prinzip einer "herr"schaftsfreien Sprache konsequent zu Ende: Wie kann ein junges Mädchen ein Teenager, ihre Mutter ein überzeugter Single sein, ohne sich einer temporären Geschlechtsumwandlung unterziehen zu müssen? Wenn im Leitspruch der Französischen Revolution "égalité" mit "fraternité" gleichgesetzt wird - was passiert dann mit den Schwestern? Ganz zu schweigen vom frauenverachtenden Trend zum "Deine-Mutter-Witz", von dem die Väter bisher verschont blieben.

Über die sexistischen Implikationen von Worten wie "herrlich" und "dämlich" mag manch eine/r schon gestolpert sein, aber auch andere Termini entpuppen sich erst bei näherer sprachgeschichtlicher Betrachtung als abwertender Fauxpas. So beispielsweise die "Entjungferung", die - blutsverwandt mit der "alten Jungfer" und der "Jungfräulichkeit" - noch immer durch die Alltagssprache geistert. Dabei findet die männliche Version, der "Jungherr", bestenfalls noch in Geschichtsbüchern Verwendung - und zwar als "Junker"; der im Jahre 2013 ebenso deplatziert wirken würde wie die Wanderhure auf dem Slutwalk. Weshalb also hat die antiquierte "Jungfrau" noch immer eine Daseinsberechtigung - und warum werden sexuell unerfahrene Jünglinge nicht "entjunkert"?

Neologismen wie diese erheitern nicht nur ungemein, sondern rufen vor allem die Absurdität einiger Normen und Standards der deutschen Sprache ins Bewusstsein. Gender-Muffel werden sich noch genervter abwenden, als sie ohnehin schon sind, Interessierte hingegen staunen und schmunzeln. Die Debatte ist angestoßen, die Denkarbeit getan - nun muss die Praxis folgen. Wahrscheinlich jedoch, wie Frau Pusch sehr richtig bemerkt: "Alles zu seiner Zeit. Nicht zu ihrer."

AVIVA-Tipp: Schon klar: Wir haben das mit dem Patriarchat verstanden. Und seiner Reproduktion. Dennoch ist unser Alltagsverständnis von korrekter Sprache stärker von Sexismus geprägt, als uns lieb ist, wie Luise F. Pusch unterhaltsam beweist. Ihre "dominante Kuh" gibt nicht brav Milch, sondern äußerst eloquent Widerwort und lässt den Bullen nicht unhinterfragt Bullshit produzieren. Die neue Glossensammlung dient als kurioser Wegweiser aus dem Dickicht des patriarchalischen Sprachgebrauchs und bricht nebenbei eine Lanze für die großen Frauen im deutschen Literaturbetrieb, die seit Jahrzehnten ihren männlichen Kollegen beim Einkassieren der namhaften Preise zuschauen dürfen.

AVIVA-Berlin im April 2013

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