Manal al-Sharif: Losfahren

Artikelnummer: 978-3-906910-10-9

Saudi-Arabien ist das letzte Land, das Frauen noch das Autofahren verbietet. Ein Gesetz gibt es nicht, nicht einmal eine religiöse Begründung. Es ist eine Frage der Macht in einer Gesellschaft, in der Frauen weitgehend rechtlos sind. Es ist nicht mehr als ein Gewohnheitsrecht, das Männer für sich reklamieren.

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Saudi-Arabien ist das letzte Land, das Frauen noch das Autofahren verbietet. Ein Gesetz gibt es nicht, nicht einmal eine religiöse Begründung. Es ist eine Frage der Macht in einer Gesellschaft, in der Frauen weitgehend rechtlos sind. Es ist nicht mehr als ein Gewohnheitsrecht, das Männer für sich reklamieren.

Manal alSharif hat sie herausgefordert: Die Computerexpertin ist es leid, ihren Bruder fragen zu müssen, wenn sie in ihrem eigenen Wagen zu einem Geschäfstermin gefahren werden will. Sie setzt sich selbst ans Steuer, lässt sich dabei filmen und stellt dieses Dokument des zivilen Ungehorsams ins Internet. Neun Tage sitzt sie dafür im Gefängnis.

Und es wären wahrscheinlich viele mehr gewesen, wenn nicht ein weltweiter Proteststurm sie befreit hätte.

Losfahren erzählt aus erster Hand von diesem Aufstand im Auto, mit dem Manal al-Sharif eine Frauenbewegung in Gang setzte, die den Gralshütern des Patriarchats im Königreich immer mehr zu schaffen macht. Aber Losfahren ist viel mehr als das. Selten gab ein Buch so tiefe Einblicke in den streng geregelten Alltag einer saudischen Familie. Offen und eindringlich schildert Manal al-Sharif ihre Kindheit und Jugend, in der sie auf dem Weg war, eine vom Salafismus beeinflusste radikale Muslima zu werden, die das Elternhaus von 'unreiner' Musik säuberte und sogar Aufnahmen ihres Bruders im Ofen einschmolz. Die Helden dieser Generation waren die islamistischen Extremisten, die Vorläufer des heutigen Terrors, die den nach ihrem Verständnis zu liberalen Staat auf ihre Weise herausforderten.

Am eigenen Leib erlebt Manal al-Sharif die Widersprüchlichkeit des in zwei Generationen zu immensem Reichtum gelangten Landes. Trotz bester Schulnoten wird sie zu Hause immer wieder verprügelt, um ihren Platz an der Uni, wo sie getrennt von männlichen Kommilitonen unterrichtet wird, muss sie kämpfen, und als sie bei der Ölfirma Aramco gemeinsam mit Männern in einem Büro arbeitet, wird sie als Flittchen beschimpft. Den Ausschlag für ihre endgültige Abwendung vom Salafissmus gaben aber die Anschläge des 9. September 2001, die fast ausschließlich von saudischen Männern verübt wurden.

Heute gilt Manal al-Sharif als eine der wichtigsten Vorkämpferinnen für Frauenrechte in der islamischen Welt. Ihre aufregende Lebensgeschichte ist beides, ein Dokument der Unterdrückung und der Befreiung.


Autor*in / Hrsg.: Manal al-Sharif
Land im Fokus: Saudi-Arabien
Details: Originaltitel: Daring to Drive
Übersetzt von: Gesine Strempel/Joachim von Zepelin
Umfang: 380 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.9 x 20.8 x 13.5 cm
Gewicht: 611 g
Erscheinungsdatum: 28.08.2017

Rezension von Doris Hermanns auf Aviva-Berlin:

Ihr Video, das sie beim für Frauen verbotenen Autofahren in Saudi-Arabien zeigt, ging um die Welt. Seit August 2017 liegt die beeindruckende Autobiografie von Manal al-Sharif, der ersten saudischen IT-Expertin für Datensicherheit eine der ersten Frauen Saudi-Arabiens, die gemeinsam mit Männern in einem Büro der staatlichen Ölfirma Aramco arbeitete, im Secession Verlag auch auf Deutsch vor.

Autofahren in Saudi-Arabien ist Frauen nicht gesetzlich verboten. Dass wir dies denken, die wir wenig von dem Land wissen, ist nicht weiter erstaunlich - aber auch Frauen wie Manal al-Sharif mussten dies erst einmal erfahren. Es gilt "nur" als Vergehen gegen den "Urf", den nicht schriftlich festgehaltenen herrschenden Verhaltenskodex, d.h. gegen saudische Sitten. So gab es dann auch keinen offiziellen Haftbefehl gegen sie, als sie von der Geheimpolizei verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurde. Diese hat eine wichtige Funktion in der Gesellschaft: "Er trug Zivilkleidung, wie die anderen auch. Das, so weiß man, ist das Markenzeichen der Geheimpolizei. Sie trägt keine Uniform. Sie gibt sich nicht einmal als Polizei zu erkennen. Ihre Mitglieder haben andere Berufe, andere Identitäten. Doch sie sind in allen Teilen der Gesellschaft gegenwärtig. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Informationen zu sammeln und weiterzureichen. Sie sind Angestellte des Staates, um Bürger zu überwachen und die Einhaltung von Regeln zu garantieren."

Ausführlich beschreibt Manal al-Sharif, was es bedeutet, dass Frauen nicht Autofahren dürfen: Im Wesentlichen sind sie der Willkür von Männern ausgeliefert. Ohne sie können sie kaum irgendwohin gelangen, immer sind sie auf männliche Familienangehörige angewiesen oder auf private Chauffeure, von denen manche nicht mal eine Fahrerlaubnis haben oder Fahrstunden hatten, und die sich viele ohnehin nicht leisten können. Zudem werden viele Frauen von ihren Fahrern belästigt. Al-Sharif zeigt auf, wie absurd diese Situation ist: Selbst bei Unfällen oder Notfällen bei Krankheiten dürfen sie keine Hilfe leisten, um die Verletzten mit einem Auto ins Krankenhaus zu bringen: "Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Tod hinnehmbarer ist als eine Verletzung der strikten Vormundschaftsregeln."

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