Marianne Bunes: Mutterwut

Artikelnummer: 978-3-89741-370-2

Maria wartet in der forensischen Psychiatrie auf ihre Verhandlung - und fühlt sich frei wie nie: Ihre Mutter ist tot. Schriftlich legt die Tochter Zeugnis ab.

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Maria wartet in der forensischen Psychiatrie auf ihre Verhandlung - und fühlt sich frei wie nie: Ihre Mutter ist tot. Schriftlich legt die Tochter Zeugnis ab. Wie ihr Widerstand gegen die 'mütterliche Liebe' schwand, bis es dem 'Kind' die Sprache verschlug und die Rückkehr ins Elternhaus in eine Katastrophe mündete.

Ungebeten betritt die Mutter die Wohnung. Kippt wohlmeinend Fenster. Kümmert sich um alles, was sie nichts angeht. Überzieht die undankbare Tochter mit Fürsorge. Rügt deren lebenslange Widerspenstigkeit. Bis Maria nicht mehr nein sagt. Dafür endlich das, was die Mutter hören will: Ja. Danke. Gut. Dann aber lässt die Tochter Taten sprechen.

Scharfsichtig und mit großer Sprachkraft seziert Marianne Bunes das Drama einer Übergriffigkeit, die hierzulande - im Gegensatz zu den USA - noch weitgehend totgeschwiegen wird: die wahrhaft grenzenlose Liebe von Müttern. Sie als eine Form von Gewalt zu erhellen, gelingt diesem beeindruckenden 'Thriller'.

Autor*in / Hrsg.: Marianne Bunes
Weitere Informationen: Reihe CRiMiNA
Umfang: 180 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 1.5 x 21 x 13 cm
Gewicht: 237 g
Erscheinungsdatum: 01.04.2015

Die Türklinke wurde gedrückt, meine Mutter trat ein, einen Topf Gemüsesuppe vor sich hertragend als Geschenk und Eintrittskarte in meine Wohnung. Der Geruch von Porree und Speck explodierte in meinem Zimmer und füllte es bis in den letzten Winkel, ich konnte nicht anders als die Luft anzuhalten und zu ersticken oder ihn einzuatmen und zu ersticken.

Wenn meine Mutter kochte, mischte sie immer sich selbst mit hinein, als Zutat oder Gewürz. Dann hatte ich nur die Möglichkeit, die Suppe zu mögen oder die Suppe zu mögen. Wenn ich die Suppe mochte, mochte ich auch meine Mutter und musste das mit einem Ja und einem strahlenden Lächeln kundtun. Dann strahlten auch ihre Augen, zumindest für die nächsten Minuten. Wenn ich dagegen die Suppe nicht mochte, mochte ich auch meine Mutter nicht und musste die nächsten Tage mitansehen, wie sie und mein Vater gramgebeugt mit zerfurchtem Gesicht auf dem Grundstück herumgingen. In unserem Haus lautete das erste Gebot: Du sollst deine Mutter lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Bei Nichtbeachtung wurde man mit dem Tod und der ewigen Verdammnis bestraft.

Meine Mutter wedelte mit dem Topf in dem Zimmer herum, der Suppengeruch drang in meine Bücher auf den Regalen ein und schrieb die Gedichte darin um, bis in jedem von ihnen stand: Du sollst deine Mutter lieben von ganzem Herzen.

Ist alles in Ordnung zwischen uns?, sagte sie forschend drohend und versuchte mir tief in die Augen zu sehen. Ich meine, weil du vorhin weggelaufen bist?

Ja. Ich rückte den Blätterstapel auf meiner Schreibunterlage gerade und vergrub meine zitternden Finger schnell unter den Achseln. - Ich habe dir nur etwas Suppe gebracht, die magst du doch, oder?

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