Marie Jalowicz Simon: Untergetaucht. Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945

Artikelnummer: 978-3-10-036721-1

Berlin 1942: Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Die junge Marie Jalowicz will leben und taucht unter. Über 50 Jahre danach erzählt Marie Jalowicz Simon erstmals ihre ganze Geschichte. 77 Tonbänder entstehen - sie sind die Grundlage dieses einzigartigen Zeitdokuments.

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Berlin 1942: Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Die junge Marie Jalowicz will leben und taucht unter.

Über 50 Jahre danach erzählt Marie Jalowicz Simon erstmals ihre ganze Geschichte. 77 Tonbänder entstehen - sie sind die Grundlage dieses einzigartigen Zeitdokuments.
Offen und schonungslos schildert Marie Jalowicz, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin durchzuschlagen: Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke und sie braucht Menschen, die ihr helfen. Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen oder über Bulgarien nach Palästina zu fliehen. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit - der authentische Bericht einer außergewöhnlichen jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.

Mit einem Nachwort von Hermann Simon, Sohn von Marie Jalowicz Simon, Historiker und Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum.


Autor*in / Hrsg.: Marie Jalowicz
Zeitepoche: 20. und 21. Jh.
weitere Themen: jüdische Frauen
Weitere Informationen: Umfang: 416 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 3.4 x 21 x 13.6 cm
Gewicht: 520 g 
Erscheinungsdatum: 06.03.2014

weitere Ausgaben: Kartoniert

~ LESEPROBE ~

Rezension von Judith Kessler auf AVIVA-Berlin:

50 Jahre "danach", am Ende ihres Lebens, hat Marie Simon, Altphilologin und Philosophiehistorikerin an der Humboldt-Universität, ihre Überlebensgeschichte "ausgeschüttet wie einen Eimer Wasser", so ihr Sohn Hermann Simon, Direktor der Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum". Unmittelbar danach ist sie 1998 gestorben.

Asylum ignorantiae

Was für eine Hinterlassenschaft: 75 Stunden Erinnerung auf 77 Tonbändern, von einer Frau, die mit einem fast fotografischen Gedächtnis gesegnet ist, die unglaublich präzise und detailreich von ihrem (Über-)Leben als U-Boot berichtet, episodisch, unsentimental, nichts beschönigend, nichts verschweigend, Zwänge und Zwangslagen zeigend.

Marie Simon Jalowicz wird 1922 als spätes Kind von Betti und Hermann Jalowicz in Berlin geboren. Hier macht sie 1939 ihr Abitur an der Oberschule der Jüdischen Gemeinde. Als ihr Vater, ein - in der Nazizeit fast zur Untätigkeit gezwungener - Rechtsanwalt, 1941 stirbt, hat Marie niemanden mehr und nicht einmal das Geld, ihn neben ihrer Mutter beerdigen zu lassen, die schon 1938 relativ jung an Krebs gestorben war.
Des Vaters Tod ist der Zeitpunkt, zu dem Marie beschließt, die Siemens-Werke, wo sie seit 1940 hatte Zwangsarbeit leisten müssen, zu verlassen und sich selbst zu retten, in die Illegalität zu gehen.

Im Juni 1942 taucht sie schließlich unter. Den Begriff "Illegalität", sagt Hermann Simon, fand seine Mutter für ihr Dasein im Krieg jedoch unpassend, denn illegal sei der größte Massenmord in der Menschheitsgeschichte gewesen, illegal war das Nichtleben lassen anderer, "illegal waren die Nazis, nicht ich."
Sie ist in diesem Moment 20 Jahre alt, sie ist allein und sie wird fast drei Jahre lang eine Gejagte sein. Jeden Tag und jede Stunde, bis zu dem Tag im Sommer 1945, an dem sie barfuß mit einem Leiterwagen und ihren paar Habseligkeiten von Kaulsdorf nach Pankow in die Freiheit und in ein neues Leben laufen wird.

Die drei Jahre dazwischen sind eine fast ununterbrochene Odyssee durch Berlin - 13 Wohnungen, die Provisorien dazwischen nicht gezählt, falsche Namen, falsche Haarfarbe, "falsche" Sprache - berlinern, um zu überleben: "Das feine Hochdeutsch hatte sich nicht bewährt. Es war vor allem das deutsche Bildungsbürgertum, das versagt hatte."

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