Mirna Funk: Winternähe

Artikelnummer: 978-3-10-002419-0

Ihr Name ist Lola. Sie ist Deutsche. Sie ist Jüdin. Und die einzige, der ihr ein Hitlerbärtchen ins Gesicht malen darf, ist sie selbst. Sie hat genug davon, dass andere darüber bestimmen wollen, wer sie ist und wer nicht.

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Mirna Funk erzählt die Geschichte einer jungen deutschen Jüdin in Berlin und Tel Aviv.

Ihr Name ist Lola. Sie ist Deutsche. Sie ist Jüdin. Und die einzige, der ihr ein Hitlerbärtchen ins Gesicht malen darf, ist sie selbst. Sie hat genug davon, dass andere darüber bestimmen wollen, wer sie ist und wer nicht. Sie entscheidet, wovon sie sich verletzt fühlt und wovon nicht.

Wer bestimmt darüber, wer wir sind? Unsere Herkunft, falsche Freunde, orthodoxe Rabbiner?

Lola ist in Ost-Berlin geboren, ihr Vater macht rüber und geht in den australischen Dschungel. Sie wächst auf bei ihren jüdischen Großeltern und ist doch keine Jüdin im strengen Sinne. Ihre Großeltern haben den Holocaust überlebt, sie selber soll cool bleiben bei antisemitischen Sprüchen. Dagegen wehrt sie sich.

Sie lebt in Berlin, sie reist nach Tel Aviv, wo im Sommer 2014 Krieg herrscht. Sie besucht ihren Großvater und ihren Geliebten, Shlomo, der vom Soldaten zum Linksradikalen wurde und seine wahre Geschichte vor ihr verbirgt. Lola verbringt Tage voller Angst und Glück, Traurigkeit und Euphorie. Dann wird sie weiterziehen müssen. Hartnäckig und eigenwillig, widersprüchlich und voller Enthusiasmus sucht Lola ihre Identität und ihr eigenes Leben.


Autor*in / Hrsg.: Mirna Funk
Belletristik: zeitgenössischer Roman
weitere Themen: jüdische Frauen
Weitere Informationen: Umfang: 342 S.
Einband: Gebunden
Format (T/L/B): 2.9 x 21 x 13.2 cm
Gewicht: 460 g
Erscheinungsdatum: 23.07.2015

~ LESEPROBE ~

Rezension von Magdalena Herzog auf AVIVA-Berlin:

Berlin-Mitte. Angesagte Gegend mit angesagten Menschen. Lola, 34, Fotografin, arbeitet in einer Agentur, ist (Ost)Deutsche, Jüdin und hat den Hals von ihrem antisemitischen Umfeld gestrichen voll.

Erster Teil: Das makellose Berlin-Mitte wird politisch

Berlin-Mitte in all seiner stereotypen Vorstellung stellt das Bühnenbild dar, vor dem sich der erste Teil des Debütromans von Mirna Funk abspielt. Der Roman eröffnet mit einem Skandal: Die Protagonistin Lola erkennt sich auf Facebook auf einem Bild wieder, auf dem sie ein Hitlerbärtchen trägt. Ihre Freund_innen haben es ihr aufgemalt und stoßen auf großen Gefallen und Abneigung - warum solch ein Schabernack alles andere als banal, geschweige denn witzig ist, können sie nicht nachvollziehen. Lola klagt gegen diese antisemitische Performanz. Ihr Anwalt verliert den Prozess, weil die Klägerin gemäß der Halacha keine Jüdin ist - denn: nur Lolas Vater ist Jude. Schachmatt. Nun hat Lola in ihrem Leben erstmalig handfesten Antisemitismus erlebt.

Die Spannung, welche die deutsche und jüdische Identität für Lola stets bedeutete, ist kaum mehr auszuhalten. Der Prozess und weitere antisemitische Attacken reißen Lola aus ihrer Welt. Die Bekannte, die sie jetzt und im Verlauf der Handlung trifft, repräsentiert eine weitere Position im so brisanten und zu oft antisemitisch aufgeladenen deutschen Diskurs über die Shoah und den israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Attacken und die Gespräche haben sie politisiert, sie möchte Eindeutigkeit in ihrer Zugehörigkeit zum Judentum haben und der Ambivalenz der Identitäten zumindest dahingehend entfliehen, dass es nicht Nichtjuden sind, die über ihr Jüdisch-Sein bestimmen können. Der Versuch einer Konversion scheitert: Während die anderen im Judaistik-Kurs entschlossen sind, religiös und damit unzweifelhaft jüdisch zu werden, wird es Lola klar, dass Ambivalenz Teil ihrer Persönlichkeit ist.

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