Nadja Urbani: Medienkonkurrenzen um 2000. Affekte, Finanzkrisen und Geschlechtermythen in Roman, Film und Theater

Artikelnummer: 978-3-8376-3047-3

Was haben Charlotte Roches Romane mit Elfriede Jelineks Werk oder mit Hermann Nitschs Orgien-Mysterien-Theater gemeinsam? Können Finanzkrisenromane gesellschaftspolitisch etwas leisten, was ein Film wie »Wall Street« nicht kann?

49,99 €

inkl. 7% USt. , zzgl. Versand

Lieferzeit: 6 - 10 Werktage



Was haben Charlotte Roches Romane mit Elfriede Jelineks Werk oder mit Hermann Nitschs Orgien-Mysterien-Theater gemeinsam? Können Finanzkrisenromane gesellschaftspolitisch etwas leisten, was ein Film wie »Wall Street« nicht kann? Was hat die Filmheldin Lara Croft gegen Kleists Bühnen-Penthesilea und gegen ihre amazonischen Schwestern im Roman aufzubieten?

Nadja Urbani beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die traditionellen Künste Roman, Film und Theater in der heutigen Medienlandschaft gegeneinander behaupten können. Anhand dreier Dimensionen - des Ekelaffekts, der Finanzkrise und der Amazonenfiguren - präsentiert sie eine Medienkonkurrenzanalyse der »ernsten« und »unterhaltenden« Kunst. Dabei wird deutlich: Die Blätter des Romans, die Bilder des Films und die Bretter des Theaters bringen ein jeweils unterschiedliches und zugleich intermediales Kunsterleben hervor - ekelhaft, krisengeschüttelt und sagenhaft zugleich.

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Nadja Urbani
Kunst: Theater Literatur
Medien: Film
Weitere Informationen: Edition Medienwissenschaft 21
Umfang: 528 S., zahlr. Abb.
Einband: Kartoniert
Gewicht: 768 g
Erscheinungsdatum: 13.07.2015

~ LESEPROBE ~

Autoreninterview mit Nadja Urbani

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Auch wenn wir unsere Zeit mehr und mehr im Internet verbringen, liest fast jeder gerne Romane, schaut Filme oder geht noch ins Theater. Wir konsumieren Medien, das bereichert unser Leben. Doch es ist nur zeitgemäß, sich vom Konsumenten zum selbstbewussten Mediennutzer aufzuschwingen, sich Gedanken zu machen: Was ist es eigentlich, das mich in eine fremde Welt, in den Roman, Film oder ins Theater zieht?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es eröffnet gleich drei Perspektiven, genauer: drei Dimensionen. Die erste Dimension fragt danach, welche gesellschaftspolitischen Potenziale die Medien entfalten können. Konkret: Wie wurde die Finanzkrise künstlerisch verarbeitet? Die zweite Dimension zielt auf unsere Gefühle, auf den stärksten menschlichen Affekt ab - den Ekel. Warum schüttelt es uns an bestimmten Stellen im Roman, warum können wir bestimmte Filmbilder und Theaterszenen so schwer ertragen und sind dennoch so angezogen davon? Und drittens untersucht das Buch die älteste Funktion von Kunst: Mythen zu tradieren. Besonders faszinierend fand ich, wie unterschiedlich Roman, Film und Theater den Mythos der Amazonen umsetzen. Welche Amazone zieht Sie mehr in ihren Bann: Lara Croft oder Penthesilea? Warum das so ist, liegt in der Konkurrenz der Medien begründet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Der Begriff der Medienkonkurrenzen fiel bislang nur aus ökonomischer Perspektive. Viel spannender als Verkaufs- und Zuschauerzahlen ist aber die Frage, was Roman, Film und Theater Spezifisches aufzubieten haben, um sich in der aktuellen Medienlandschaft behaupten zu können. Werden sie sich veralten oder gibt es Elemente, die das Kunsterleben des Lesers und Zuschauers so intensivieren, dass Roman, Film und Theater quasi unsterblich sind?

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Da nahezu jeder von uns Medien nutzt und Kunst erlebt, kann jeder mitdiskutieren. Spannend fände ich es auch, mit den Kunstschaffenden selbst über ihr jeweiliges Medium und die Konkurrenz zu den anderen Medien zu sprechen. Natürlich spielt bei der Wahl für eine bestimmte Kunstform individuelles Talent eine Rolle, aber darüber hinaus bleibt doch die Frage: Warum dreht beispielsweise Tom Tykwer Filme, warum macht Castorf im wahrsten Sinne des Wortes Theater, warum greift Charlotte Roche zum Stift bzw. Notebook?

5. Ihr Buch in einem Satz:
Es bietet erstens ein umfassendes Theoriegerüst zu Roman, Film, Theater; zweitens ergründet es in einer großen Korpusanalyse die Dimensionen, aus denen sich jedes Kunstwerk speist; und drittens ist es zugleich fundiert und unterhaltsam zu lesen - für Wissenschaftler, Kunstschaffende und für aufgeklärte Mediennutzer.

Durchschnittliche Artikelbewertung

Geben Sie die erste Bewertung für diesen Artikel ab und helfen Sie Anderen bei der Kaufenscheidung: