Sabine Hark, Paula-Irene Villa (Hrsg.): Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen

Artikelnummer: 978-3-8376-3144-9

Sexualität und Gender werden immer wieder zu Schauplätzen intensiver, zum Teil hoch affektiver politischer Auseinandersetzungen. Ob es um die Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Schule oder die Gender Studies an den Hochschulen geht.

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Sexualität und Gender werden immer wieder zu Schauplätzen intensiver, zum Teil hoch affektiver politischer Auseinandersetzungen. Ob es um die Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Schule oder die Gender Studies an den Hochschulen geht - stets richtet sich der Protest gegen post-essentialistische Sexualitäts- und Genderkonzepte und stets ist er von Gesten heldenhaften Tabubruchs und Anti-Etatismus begleitet. Dieses Buch versammelt erstmals sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen zum so genannten »Anti-Genderismus« im deutschsprachigen und europäischen Kontext. Die Beiträge zeigen, dass die Diffamierungen bisweilen auch Verknüpfungen etwa mit christlich-fundamentalistischen Strömungen oder mit der Neuen Rechten aufweisen.

Leseprobe


Autor*in / Hrsg.: Sabine Hark Paula-Irene Villa
Feminismus: Anti-Feminismus
politische Themen: Homophobie_Transphobie Rassismus & kulturelle Hegemonie
Details: Gender Studies
Umfang 260 S.
Einband: Kartoniert
Format (T/L/B): 2.5 x 22.5 x 15 cm
Gewicht: 425 g
Erscheinungsdatum: 07.10.2015

~ LESEPROBE ~

Rezension von Johanna Lauke auf kritisch-lesen:

Die Neue Rechte ruft nach einer Welt aus starken nationalen Identitäten mit männlicher Vorherrschaft und sieht den sogenannten "Gender-Wahn" als Feind. Was steckt dahinter?

In der Bewegung der Neuen Rechten nimmt Geschlechtlichkeit einen zentralen Platz ein. In der Feststellung, dass Sex nicht gleich Gender ist, also dass das biologische Geschlecht nicht mit dem sozial geformten Geschlecht übereinstimmen muss, sieht sie ein Urproblem der Welt. Die Ideologie der Neuen Rechten sieht klassische Geschlechterrollen vor: Der starke Mann, der das Volk verteidigt, die fürsorgliche Frau, die für die Nachkommen sorgt und die Kinder als Hoffnung der Gemeinschaft. Die Infragestellung dieser Rollenbilder hinterfragt also auch die ganze Ideologie von Rechts und wird zum Feindbild. So stellen sich Rechte gegen die Verweichlichung des Mannes, eine angebliche Frühsexualisierung von Kindern und die Stärkung von Frauenrechten.

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Rezension von Alexandra Scheele auf pw-portal:

"Was macht den Begriff 'Gender' derart kontrovers?" (7) fragen die Herausgeberinnen gleich zu Beginn - womit deutlich wird, worum es in diesem zeitdiagnostischen Sammelband geht. Anlass ist eine starke öffentliche Abwehr von Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik. Diese richtet sich sowohl inhaltlich gegen die mit dem Gender-Begriff verbundene Infragestellung der Annahme "einer gegebenen, unveränderlichen und naturhaften Essenz der Geschlechterdifferenz" (8) als auch gegen die universitäre Etablierung von Professuren mit einer Gender-Denomination. Darüber hinaus werden auch gesetzliche Gleichstellungsmaßnahmen zurückgewiesen. Sabine Hark und Paula-Irene Villa setzen sich in ihrem Beitrag mit den im Feuilleton und im Internet publizierten Beiträgen auseinander, die Gender-Forschung als unwissenschaftlich diffamieren und zugleich deren vermeintliche Dominanz im Wissenschaftssystem und in der Politik beklagen. Wie Steffen K. Herrmann aufzeigt, wird in vielen Beiträgen sprachliche Gewalt ausgeübt. Kathrin Ganz und Anna-Katharina Meßmer machen auf die Verrohung des öffentlichen Diskurses im Internet aufmerksam. Dass diese sprachliche Gewalt nicht selten mit persönlichen Angriffen auf Geschlechterforscher_innen verbunden ist, wird in einigen Beiträgen problematisiert.

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Rezension von Christine Langer auf Aviva-Berlin:

Von Genderbashing in den sozialen Medien bis hin zu Protestbewegungen christlich-fundamentalistischer und rechter Gruppierungen gegen Gleichstellungspolitiken und pluralistische Lebensmodelle - eine erstmalige Zusammenstellung sozial- und kulturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit einem zunehmenden "Anti-Genderimus".

Warum werden ausgerechnet Geschlechtergleichstellungspolitiken, Gender Studies sowie Wissenschaftler_innen, die sich mit diesen Thematiken beschäftigen, in renommierten Zeitungen als auch in sozialen Netzwerken und Blogs zunehmend diskreditiert? Welche sozialen Bewegungen, Konzepte, Denkmuster und Politiken stecken dahinter? Diesen Fragen gehen die Autor_innen in dem Sammelband, herausgegeben von Sabine Hark und Paula-Irene Villa, in 14 Artikeln mit unterschiedlichen Ansätzen nach. Das Phänomen "Anti-Genderismus" wird dabei erstmals aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive in Deutschland als auch in anderen ausgewählten europäischen Ländern analysiert.

Unter dem Begriff "Anti-Genderismus" wird eine abwehrende Haltung gegenüber dem Konzept "Gender" verstanden. Anhänger_innen des "Anti-Genderismus" werfen dabei der "Gender-Ideologie" vor, dass sie zum Ziel habe, die Gesellschaft umzuerziehen und Zweigeschlechtlichkeit als auch Heterosexualität zu verbieten. Den Gender Studies wird wiederholt Unwissenschaftlichkeit und übertriebene "Political Correctness" vorgeworfen.
Im Zuge der Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Diffamierungen als auch absichtlichen Fehlinterpretationen von Gender und queer-feministischen Theorien sowie von Gleichstellungspolitiken werden verschiedene Facetten des "Anti-Genderismus" aufgedeckt. Ein gemeinsames Merkmal in den meisten Artikeln ist die Konstruktion eines Bedrohungsszenarios, das aufgrund einer real existierenden Angst vor dem Verlust der heteronormativen Hegemonie sowie Veränderungen der sozialen Ordnung und einer kollektiven nationalen Identität wirkmächtig ist. "Anti-Genderismus"-Diskurse können somit auch als Reaktionen auf vielschichtige gesellschaftliche und sozialstaatliche Veränderungen verstanden werden.

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